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Drei Medaillen an der Heim-EM auf dem Rotsee

Rudern – Zwei Mal Silber, einmal Bronze. Um gerade mal 9 Hundertstelsekunden verpasste der Männer-Doppelzweier mit Roman Röösli / Barnabé Delarze den EM-Titel und holte Silber. Ebenfalls die Silbermedaille gewann Jeannine Gmelin im Fraueneiner. Bronze sicherten sich Frédérique Rol / Patricia Merz im Doppelzweier der Leichtgewichte. Der Verband SWISS ROWING zieht von der Heim-EM auf dem Luzerner Rotsee eine positive Bilanz.

Röösli und Delarze verpassten um neun Hundertstelsekunden die Goldmedaille. (Bild: zvg)

«Es lag wohl am Timing des letzten Ruderschlags», sagte Roman Röösli im Ziel gegenüber den Medien zum undankbaren Rückstand von neun Hundertstelsekunden auf das polnische Siegerboot. «Im ersten Moment dachten wir, es hätte zum Sieg gereicht.» Das Rennen verlief für die Schweizer grundsätzlich erst mal nach Plan. Nach einem guten Start lagen sie nach 500 Metern auf dem zweiten Rang hinter den Niederländern. Schon vor der Streckenhälfte aber griffen die Polen an. Bei der 1500-Meter-Marke lagen

auf Rang Vier. Es war Zeit für ihren berühmten Endspurt. Hart bedrängt von Rumänien und Grossbritannien machten sie sich daran, Polen noch abzufangen. In einem hochspannenden Finish trennten die Schweizer am Ende 9 Hundertstelsekunden vom Sieg, um 45 Hundertstel konnten sie die Rumänen aber noch auf den dritten Rang verweisen. Vor diesem Hintergrund gilt: Silber gewonnen, nicht Gold verloren.

Jeannine Gmelin – EM-Silber hinter der Weltmeisterin
Das erste Aufeinandertreffen seit der WM in Bulgarien 2018 zwischen der amtierenden Weltmeisterin Sanita Puspure aus Irland und der Weltmeisterin von 2017, Jeannine Gmelin, war mit grosser Spannung erwartet worden. Puspure setzte sich vom Start weg an die Spitze, konnte sich aber kaum absetzen. Jeannine Gmelin passierte die 500-Meter-Marke als Fünfte, praktisch gleichauf mit allen Finalistinnen. Nach 800 Metern setzte Gmelin zu einem Spurt an. Bei 1500 Metern lag sie auf dem zweiten Rang und heftete sich an die Fersen von Puspure. «Es war so eng, dass ich recht lange nicht einschätzen konnte, wo ich stehe», erklärte Gmelin am Rande der Siegerehrung. «Dass es so lange so eng sein würde, habe ich noch nie erlebt.» Die Irin holte Gold, der Rückstand von Gmelin betrug 0.86 Sekunden. «Ich werde nun das Gute analysieren und weiter an mir arbeiten. Die Saison ist noch lange nicht zu Ende.»

Erneut EM-Bronze für Frédérique Rol / Patricia Merz
Bronze hinter Weissrussland und Frankreich holten Frédérique Rol und Patricia Merz im leichten Doppelzweier. Bis zur 1500-Meter-Marke lagen die Schweizerinnen auf dem vierten Zwischenrang. Das gesamte Teilnehmerfeld ruderte wie auf einer Perlenkette aufgereiht. Bei den Abschnittszeiten trennte die Boote gerade mal zwei Sekunden. «Wir wussten, dass wir voll dabei waren und blieben cool», sagte Patricia Merz im Ziel. «Unser Rhythmus stimmte und wir konnten noch zulegen.» Während sich das Boot aus Weissrussland bei der 1500-Meter-Marke etwas abzusetzen vermochte, kamen die schnell gestarteten Britinnen wieder in Reichweite von Rol/Merz. Mit ihrem starken Endspurt rangen sie das Boot aus Grossbritannien nieder und verwiesen es um 0.55 Sekunden auf Rang Vier. Was für ein Geschenk für Patricia Merz, die heute ihren 26. Geburtstag feiert!

Sofia Meakin – Beeindruckender vierter Rang im Leichtgewichtseiner
Die 21-jährige Genferin lag von Rennbeginn weg auf dem dritten Zwischenrang und hielt die Pace über die gesamte Strecke konstant hoch. Einzig die Niederländerin Marieke Keijser konnte sich im Finish noch an Sofia Meakin vorbeischieben. Mit ihrem vierten Rang zeigte die Westschweizer Nachwuchsruderin eine beeindruckende Leistung und lässt auf weitere Erfolge hoffen.

Auch der junge Zentralschweizer Leichtgewichtsskiffier Jan Schäuble gewann heute seinen B-Final auf abgeklärte Manier und dürfte ein Versprechen für die Zukunft sein. Bis zur Streckenhälfte lag Schäuble auf dem zweiten Rang, überholte daraufhin den Serben und hielt den aufkommenden Deutschen gekonnt bis ins Ziel in Schach. Dank dem Medaillengaranten im Leichtgewichtseiner, Michael Schmid, war die Schweiz in den letzten Jahren Erfolge gewöhnt. Nach dem Wechsel von Schmid in die offene Gewichtsklasse sucht die Schweiz einen würdigen Nachfolger in dieser Bootsklasse. Gut möglich, dass der erst 19-jährige Jan Schäuble in den kommenden Jahren hier in die Bresche springen könnte.

In seinem B-Final verpasste der Vierer-ohne mit Augustin Maillefer, Paul Jacquot, Joel Schürch und Markus Kessler den Sieg nur knapp um vier Hundertstelsekunden. Bei 1500 Metern lagen die Schweizer in Führung. In einem Herzschlag-Finale schafften es die Serben aber noch, das Schweizer Boot auf der Ziellinie abzufangen. Mit diesem 2. Rang platziert sich der Vierer-ohne an der EM auf dem 8. Schlussrang.

Im Einer der offenen Klasse wurde Nico Stahlberg im B-Final Fünfter. Damit belegt er den 11. EM-Gesamtrang. Lange sah es gut aus für den Ostschweizer. Bis zur 1000-Meter-Marke führte er. Im letzten Abschnitt konnte er indessen nicht mehr zulegen.

Die beiden Nachwuchsdoppelvierer eigneten sich in ihren abschliessenden B-Finals weitere Rennhärte an. Der Frauendoppelvierer wurde Zweiter von zwei Booten, der Männerdoppelvierer belegte in einem vollen Teilnehmerfeld den sechsten Platz und klassierte sich damit auf dem 12. EM-Rang.

Positive Bilanz von SWISS ROWING
«Die Heim-EM bei Traumwetter und idealen Verhältnissen auf dem Rotsee bot den Schweizer Ruderern eine ausserordentliche Plattform vor einer tollen Heimkulisse. Unsere Topruderinnen und -ruderer übertrafen die Zielsetzung mit drei Medaillen und zeigten sich in ausgezeichneter Form,» zog der Verbandsdirektor Christian Stofer eine positive Bilanz. «Besonders überzeugt hat mich der erfolgreiche Nachwuchs im Leichtgewichtseiner, Sofia Meakin und Jan Schäuble. Auch der Vierer-ohne zeigte aufsteigende Form. Ziel ist es nun, sich im Rahmen der nächsten Weltcuprennen nochmals zu steigern, um an der WM in Linz möglichst viele der begehrten Olympia-Quotenplätze zu sichern.»

Resultate vom Sonntag, 02.06.2019:

A-Finals

Einer (W1x)
A-Final:
1. Sanita Puspure (IRL) 7:23.18 2. Jeannine Gmelin (SUI) 7:24.04 3. Miroslava Topinkova Knapkova (CZE)
7:24.85 4. Magdalena Lobnig (AUT) 7:25.03 5. Fie Udby Erichsen (DEN) 7:29.14 6. Lisa Scheenaard (NED)
7:29.19

Doppelzweier (M2x)
A-Final:
1. Fabian Baranski / Miroslaw Zietarski (POL) 6:13.51 2. Roman Röösli / Barnabé Delarze (SUI)
6:13.60 3. Marian-Florian Enache / Ioan Prundeanu (ROU) 6:13.96 4. Grame Thomas / John Collins
(GBR) 6:14.71 5. Nicolas van Sprang / Amos Keijser (NED) 6:17.84 6. Matthieu Androdias / Hugo
Boucheron (FRA) 6:25.87

Doppelzweier Leichtgewichte (LW2x)
A-Final:
1. Alena Furman / Anastasiia Ianina (BLR) 6:5869 2. Claire Bove / Laura Tarantola (FRA) 7 :00.29 3. Frédérique
Rol / Patricia Merz (SUI) 67 :02.63 4. Imogen Grant / Eleanor Piggott (GBR) 7 :03.18 5. Gianina-Elena Beleaga /
Ionela-Livia Cozmiuc (ROU) 7:04,05 6. Valentina Rodini / Giulia Mignemi (ITA) 7:09.37

Einer Leichtgewichte (LW1x)
A-Final:
1. Federica Cesarini (ITA) 7:32.45 2. Leonie Pieper (GER) 7:34.17 3. Marieke Keijser (NED) 7:36.59 4. Sofia
Meakin (SUI) 7:37.11 5. Anastasia Lebedeva (RUS) 7:41.19 6. Mathilde Persson (SWE) 7:46.43

 

B-Finals

Einer Leichtgewichte (LM1x)
B-Final:
1. Jan Schäuble (SUI) 7:05.88 (=> 7. EM-Rang) 2. Max Röger (GER) 7:06.91 3. Milos Stanojevic (SRB) 7:11.13 4.
Enes Yenipazarli (TUR) 7:12.12 5. 5. Ask Jarl Tjoem (NOR) 7:13.79 6. Dinis Costa (POR) 7:26.86

Vierer-ohne (M4-)
B-Final:
1. Serbien 6:01.67 2. Schweiz (Augustin Maillefer, Paul Jacquot, Joel Schürch, Markus Kessler) 6:01.71 (=> 8.
EM-Rang) 3. Rumänien 6:05.17 4. Frankreich 6:05.44 5. Österreich 6:05.46 6. Niederlande 6:08.40

Einer (M1x)
B-Final:
1. Thomas Barras (GBR) 6:59.54 2. Mihai Chiruta (ROU) 7:00.71 3. Kjetil Borch (NOR) 7:00.87 4. Kristian Vasilev
(BUL) 7:01.19 5. Nico Stahlberg (SUI) 7:03.47 (=> 11. EM-Rang) 6. Robert Ven (FIN) 7:04.44

Doppelvierer (W4x)
B-Final:
1. Frankreich 6:34.87 2. Schweiz (Eline Rol, Lisa Lötscher, Jana Nussbaumer, Fabienne Schweizer) 6:44.78

Doppelvierer (M4x)
B-Final:
1. Polen 5:52.09 2. Estland 5:55.31 3. Frankreich 5:55.64 4. Russland 5:57.49 5. Litauen 6:00.02 6. Schweiz
(Linus Copes, Scott Bärlocher, Kai Schätzle, Pascal Ryser) 6:00.48 (=> 12. EM-Rang)

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