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Sedimentbohrungen bei «Hügel 5»

Region - Im Rahmen der Erforschung der rätselhaften Steinstrukturen entlang des Bodenseeufers zwischen Romanshorn und Bottighofen führt das Amt für Archäologie des Kantons Thurgau mit weiteren Experten derzeit Bohrungen an «Hügel 5» durch.

Weltweit einzigartiger Prototyp eines Unterwasser-Georadar-Geräts der Technischen Universität Darmstadt, links der Sedimentologe Jens
Hornung. (Bild: Amt für Archäologie Thurgau, Urs Leuzinger)

Bei der Auswertung der Daten der im Jahr 2015 durchgeführten hochpräzisen Tiefenvermessung des Bodensees durch die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Langenargen (LUBW) wurden von Martin Wessels in der Flachwasserzone zwischen Romanshorn und Bottighofen eine regelmässige Reihe von über 170 Steinhügeln mit Durchmessern von 15 bis 30 Meter entdeckt. Diese verteilen sich uferparallel in teilweise auffallend regelmässigen Abständen. Die Steinanhäufungen liegen heutzutage drei bis fünf Meter unter der mittleren Wasseroberfläche (Top Hügel ca. 391,8 m ü.M.; Basis 390,5–390,8 m ü.M.). In der Folge fanden mehrere Tauchgänge unter der Leitung des Amts für Archäologie Thurgau statt. Die Strukturen wurden fotografiert und vermessen.

Zuerst galt es abzuklären, wie die «Steinhügeli» entstanden sind, wobei der Diminuitiv etwas irreführend ist, weil die «Hügeli» im Schnitt Durchmesser von 15 bis 30 Meter aufweisen. Handelt es sich um natürliche glaziale Ablagerungen (Moränenreste) des Bodenseegletschers vor ca. 18’000 Jahren? Oder wurden die Steine durch den Menschen entlang einer früheren Uferlinie oder sogar im Wasser aufgeschüttet? Anschliessend müssen die Fragen geklärt werden, wann und weshalb diese Strukturen gebaut wurden.

Untersuchungen April 2018

Lage der regelmässig verteilten Steinstrukturen im Bereich Uttwil. (Karte:
swisstopo)

Um die zentrale Frage, ob natürlich oder vom Menschen abgelagert, zu klären, fanden vom 23. bis 27. April 2018 Georadarmessungen statt. Ein Team von Wissenschaftlern untersuchte mit dem Forschungsschiff «Kormoran» des LUBW Steinablagerungen exemplarisch und punktuell zwischen Romanshorn und Güttingen. Dabei kam weltweit erstmals ein Prototyp eines unter Wasser funktionierenden Georadargeräts zum Einsatz. Dieser wasserdichte, GPS-gesteuerte Messschlitten wurde von Jens Hornung von der Technischen Universität Darmstadt entwickelt. Mit hochfrequenten elektromagnetischen Impulsen wurden die im Seeuntergrund versteckten
Schichtgrenzen im Umfeld der Steinstrukturen erfasst.

Es ist offensichtlich, dass die bis zu 40 Zentimeter grossen Steine auf den nacheiszeitlichen,
gebänderten Seeablagerungen und deutlich über der darunter verlaufenden Moränen-
Oberkante aufliegen. Somit ist mittlerweile naturwissenschaftlich belegt, dass die
«Hügeli» nicht natürlich durch den Gletscher entstanden, sondern von Menschenhand
aufgeschüttet worden sind.

Oberflächenvermessung Hügel 5

Echolot-Aufnahme der Oberfläche von Hügel 5 durch den Hydrocrawler
des Fraunhofer-Instituts. (Bild: Christian Degel)

Am 7. November 2018 wurde die Steinanhäufung «Hügel 5» bei Uttwil mit dem
Hydrocrawler des Fraunhofer Instituts (St. Ingbert D) unter der Leitung von Christian
Degel untersucht. Mit diesem Prototyp konnte die Unterwasser-Oberfläche mit einer
Echolot-Antenne präzise abgetastet werden. Das GPS-gesteuerte Gerät
(georeferenzierte Genauigkeit ein bis zwei Zentimeter) lieferte zweieinhalb Messungen pro Sekunde. Das Ultraschallbild hatte eine Auflösung von zirka fünf Zentimeter. Auf dem Echolotbild sind die Umrisse der Steinsetzung sowie der Suchschnitt mit Steinaushub klar erkennbar.

Sedimentbohrungen im Bereich von Hügel 5

Die Entstehungszeit der Steinanhäufungen ist immer noch nicht geklärt. Um die Frage
des Alters zu klären, führt das Amt für Archäologie Thurgau vom 5. bis 7. Juni –
zusammen mit dem Geologen-Team der Universität Bern unter der Leitung von Prof.
Dr. Flavio Anselmetti – fünf Sedimentbohrungen durch. So kann der geologische Schichtaufbau entlang einer Messlinie quer über den Hügel fünf erfasst werden. Die
Sedimentkerne werden von einer schwimmenden Plattform «Helvetia» mittels eines
UWITEC Kolben-Kerngeräts bis in eine Tiefe von acht Meter entnommen. Die
Kernsektionslänge beträgt jeweils drei Meter, der Kerndurchmesser sechs Zentimeter.

Das Forscherteam hofft, im Sediment der Bohrkerne organisches Material wie
Zweiglein, Holzkohle, Samen oder Früchte zu finden. Diese organischen Reste können
nämlich mit Hilfe der Radiokarbon-Analyse (14C-Messung) datiert werden. So würde
sich dann die Bauzeit des «Hügels 5» chronologisch enger eingrenzen lassen.
Nach der Bohraktion werden die Sedimentproben an der Universität Bern untersucht
und allfälliges organisches Material 14C-datiert. Mit ersten Resultaten ist bereits im
Herbst zu rechnen.

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