/// Rubrik: Sport

Eins mit Körper und Geist

Kampfsport – Wenn von Kampfsportarten gesprochen wird, schiessen unweigerlich Bilder roher Gewalt, muskulöser Fighter und Arenen mit testosterongeschwängerter Luft durch den Kopf. Der Kampfsport beinhaltet aber so viel mehr als das reine Zuschlagen um den Gegner auf die Matte zu bringen. Es ist zudem ein grosser Unterschied, ob von Boxen, Karate, Kung-Fu, Muay Thai oder Kickboxen geredet wird. Jeder dieser Sportarten hat einen anderen Ansatz und Schwerpunkt. Chris Marx von der Academy Marx Kampfsport & Fitness war bereit über seine Erfahrungen und Erlebnisse zu erzählen.

Gestählter Körper und Geist. (Bilder: Sandro Zoller)

Anfang des 20. Jahrhunderts fand Karate seinen Weg von China nach Japan und wurde dort von verschiedenen Grossmeistern auf unterschiedlichste Weise entwickelt und gelehrt. Nach dem zweiten Weltkrieg hatte es seinen unaufhaltsamen Siegeszug um den ganzen Erdball. Zu dieser Zeit gab es noch kein Graduierungssystem mit bunten Gürteln. Es entstand mit der wachsenden Popularität in Amerika und Europa. Die Stufen vom weissen bis hin zum schwarzen Gurt verlangen immer mehr vom Schüler ab. Durch die stetig komplexer werdenden Übungsabläufe wird nebst der körperlichen Leistung auch die Konzentrationsfähigkeit gestärkt.

Vom Schüler zum Meister
Karate-Do (Do heisst auf Deutsch Weg) wurde ursprünglich als Lebensphilosophie und -weg sowie als Selbstschutz gedacht. Mit den Jahren erfahren die Schüler mehr über den eigenen Körper und lernen, ihn in Stresssituationen zu kontrollieren. Der wahre Sinn des Karate-Do offenbart sich aber erst vollumfänglich ab dem 1. Dan, dem Meistergrad. Von da an kann sich ein Karateka ganz der Entwicklung des Geistes widmen. Für jede Stufe wird ein gewisses Alter benötigt. Somit wird das Ausführen der Techniken immer fordernder. Deshalb nimmt der Geist mit der Zeit automatisch einen höheren Stellenwert ein. «Auch wer den 10. und höchsten Dan erreicht hat, lernt täglich etwas Neues dazu», erklärt Marx.

Stählerner Geist
Während den Kinderkarate-Trainings sei oft zu beobachten, wie schüchterne Kinder oder Einzelgänger sich durch die Gruppendynamik und den Kontakt mit Gleichgesinnten öffnen. Oft beginne der Prozess schon in der ersten Stunde. «Kinder, die zum ersten Mal einen Karate-Anzug überziehen, sagen oder denken unweigerlich: Wow, ich darf den Karate-Anzug tragen – Ich mache jetzt Karate», erzählt Marx begeistert.

Die Unterstützung und das Lob des Trainers im gewohnten Umfeld, dem Dojo, verhelfen den Kindern zu mehr Standhaftigkeit und einem gefestigteren Geist. Dies kann so weit gehen, dass sogar Prüfungsängste verschwinden und Mitschüler für andere Kameraden einstehen, zum Beispiel dann, wenn sie gemobbt werden.

Marx rät allen Eltern dazu, ihre Kinder zum Sportmachen zu motivieren. Ihnen würde man ansehen, dass sie aktiv sind – an ihrer aufrechten Haltung und dem Selbstvertrauen. Wer schon in jungen Jahren sportlich unterwegs ist, wird später motivierter sein, Leistung zu zeigen, und zielgerichteter an Aufgaben in Schule, Studium und Beruf herangehen.

Im Gegensatz zu Teamsportarten wie Fussball oder Handball steht bei Kampfsportarten die eigene Person an erster Stelle. Bei den Selbstverteidigungsübungen ist jeder auf sich selbst konzentriert. An Boxsäcken dürfen Schüler gerlernte Faust- und Fusstechniken ohne Verletzungsgefahr für das Gegenüber ausprobieren und sich dabei austoben. Das Wichtigste ist aber immer das vorbildliche Verhalten mit Trainer und Trainingspartnern. «Im Gegensatz zu anderen Sportarten wird in allen Kampfkünsten der traditionelle und respektvolle Umgang gelehrt und auch gelebt», fügt Marx seinen Schilderungen hinzu.

Regelmässiges Ausüben einer Sportart pro Woche verkleinert den Raum für Alltagsprobleme. Durch das Fokussieren auf Übungen kann dem Hamsterrad entkommen werden. Bei Karate gehört, im Vergleich zu Nicht-Kampfsportarten, die Meditation, Ruhe und Kontrolle zu den wichtigsten Punkten. Gerade deshalb ist es facettenreich und wirkt verstärkt auf den Geist ein.

Schlag auf Schlag
Während in gewissen Karate-Stilen kein Körperkontakt besteht, sucht ein Kickboxer bewusst das Aufeinandertreffen. Kickboxen wird als moderner Kampfsport angesehen und als Mittel zum Auspowern genutzt. Personen, die diese Sportart wählen, wollen ihr Gelerntes möglichst rasch anwenden und Erfolge sehen. Gemäss Marx entscheiden sich vor allem Jugendliche und junge Erwachsene dafür. Senioren zum Beispiel wählen lieber Karate, da sie sich keinem Partner anpassen müssen und leicht einsteigen können.

Suchtgefahr?
Viele Karatekas machen die Sportart rein aus Spass. Da ist das Potenzial süchtig zu werden gering. In der Academy Marx Kampfsport und Fitness wird der Kampfkunst Karate zudem ohne Körperkontakt nachgegangen. Dies vermindere nicht nur die körperliche Belastung, sondern auch das Verletzungsrisiko.

Leistungssport ist hingegen ein anderes Kapitel und oft eine fragliche Sache, meint Marx. Aus eigener Erfahrung schadet mehrstündiges Training auch wenn es mehrmals pro Woche stattfindet nicht. Wichtig ist dabei, stets auf die Signale des eigenen Körpers zu hören. «Es gab Momente während meiner Wettkampfzeit, wo ich trotz kleinen Verletzungen weitermachte. Meistens ging es gut aus. Während eines Kampfes musste ich aber die Notbremse ziehen», schilderte Marx seine Erlebnisse. Einer seiner Trainer sagte einmal: «Falscher Stolz wird dich noch viel mehr verletzen.»

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