/// Rubrik: Region

Feiern wie Winnetou und Old Shatterhand

Siegershausen – Hobbyisten trafen sich am vergangenen Wochenende in Siegershausen und öffneten den Besuchern ihre Cowboy- und Indianerzelte. Wem das noch zu wenig Wildwest-Romantik war, der liess sich beim Barber die Haare schneiden oder trank Kaffee am Lagerfeuer.

Der Wilde Westen zu Hause in Siegershausen. (Bild: Sandro Zoller)

Wolken ziehen sich über dem Saloon zusammen. Neben dem Eingang spielt eine Gruppe Countrymusik. Wer den Lucky´s Saloon betritt, vergisst im Thurgau zu sein. An einer der Holzsäulen hängt ein Steckbrief «Wanted – Reward $ 500’000» und von den Wänden schauen Gitarren, Gewehre, ein Bisonkopf und Indianerschmuck. Ist die Kehle von der langen Anreise trocken, dann warten hinter der Theke Schnäpse und Biere darauf den Hals zu ölen.

Ganz im Zeichen der Cowboys und Indianer
Zum 14. Mal schlugen die Hobbyisten auf der Wiese hinter dem Saloon ihre Zelte auf. Manche leben da bis zu einer Woche so wie in der damaligen Zeit. Am Wochenende vom 8. und 9. Juni war Siegershausen Schauplatz bunten Treibens. Um den Lucky´s Saloon entstand ein kleiner Markt und eine Festwirtschaft. Auf der Veranda des Lokals spielten Erhard Kaupp und die Kleine Countryband Songs, die zu diesem Rahmen passten.

Wem Zuhören, Mittwippen und -singen zu wenig war, konnte am Stand Ayiacalad Trommelbau eine handgemachte Trommel erwerben. Christine Röthlisberger ist auf vielen Märkten unterwegs. Für die Fertigstellung solch eines Instruments benötigt sie etwa sechs Stunden. Es kommt auch auf die Grösse an. «Je kleiner die Trommel, desto höher der Ton», erklärte Röthlisberger. Daneben verkauft sie auch Weihrauch aus Fichten- und Tannenharz. Das passe gut dazu, denn die Arbeit der Gerber war mit unangenehmen Gerüchen verbunden. Um diese zu überdecken, gerade vor einem Kundenbesuch, wurde Weihrauch verwendet.

Gleich nebenan gab es Pfeile und Bögen aus Holz zum Bestaunen und Kaufen. Der Händler erklärte gerade einem Kunden, dass der über einen Meter lange Pfeil für weite Schüsse über das Feld konstruiert wurde. Wem das zu brachial war, fand auch etwas für den Survivor in sich – einen Feuerstarter. Ein Mädchen war fleissig dabei mit diesem Überlebenswerkzeug funken zu erzeugen und Holz zum Brennen zu bringen.

All das Erkunden und Bestaunen macht noch den härtesten Indianer hungrig und durstig. In derselben Ecke wie der Pfeil- und Bogenmacher stand ein Planwagen. Über dessen Lagerfeuer wurde Kaffee frisch gebraut. Trotz aller Authentizität gab es auch Schlagsahne und Toppings. Und sass die Frisur nach einer wilden Schiesserei nicht mehr? Kein Problem, denn ein Barbershop gab es auch auf dem Gelände.

Wer Abstand vom Rummel nehmen wollte, fand eine fast schon spirituelle Ruhe im Tippidorf der Hobbyisten. Hinter dem Eingangstor und Marterpfahl stand ein selbstgebautes Indianerzelt. Der Besitzer, der einen Sioux Indianer nachahmt, freute sich über Besuch und erzählte, wie er zum Hobbyist wurde. «Ich habe vor der Familienplanung etwas finden wollen, das ich meinen Kindern einmal mit auf den Weg geben kann. Sie sollen erkennen, dass Wasser aus dem Hahn oder Kaffee aus der Maschine nichts Selbstverständliches ist. Da mich der Wilde Westen schon faszinierte, war es klar, dass ich damit einen Teil meiner Freizeit verbringen möchte», erklärte der Sioux Indianer. Es sei aber nicht ganz einfach gewesen zwischen einem Cowboy, Indianer und Siedler zu entscheiden, da ihn alle faszinierten. Nach intensiver Recherche entschied er sich für einen Indianer der Sioux aus der Epoche um 1750. «Das 18. Jahrhundert ist insofern interessant, weil davon am Meisten überliefert wurde und es so einfacher war, einen Charakter zu erschaffen», ergänzte der Sioux seine Schilderungen. An jedem Event, an dem er teilnahm, lernte er von den «alten Füchsen» dazu. Dieses Mal habe er keinen Bogen dabei, da dieser auf der «Jagd» kaputt ging. Aber als richtiger Mann jener Zeit führe er selbstverständlich ein Messer mit sich.

Das Tanzbein schwingen
An der Bar im Saloon meinte Wirth, dass die Countryszene eine friedliche sei. In all den Jahren sei trotz mitgeführten Waffen wie Messer oder Pfeil und Bogen noch nie etwas passiert. Nicht nur das schätze er, sondern auch die überschaubare Grösse des Events. Das familiäre Flair möchte er auch in den nächsten Jahren beibehalten. Veranstaltungen im Westerngewand seien oft viel grösser. «Über den Tag besuchen uns aber trotzdem zwischen 400 und 500 Personen», schätzte Wirth. Während er erzählte, stellten sich die Red Liners auf. Da ansonsten der ganze Saloon bestuhlt ist, hat es nie genügend Platz für die Country-Linedancer. Aber einmal im Jahr, während des Hobbyistenlagers, können sie hier das Tanzbein schwingen und zeigen was sie drauf haben.

Auch die kleinen Haudegen kamen nicht zu kurz. In mehreren Ställen konnten junge Kaninchen begutachtet werden. Und wer sich traute, konnte zu den Country-Klängen tanzen oder gar selbst Pfeil und Bogen bedienen.

Aus der Leidenschaft zum Wilden Westen entstand 2002 der Lucky´s Saloon, Auftakt für das Hobbyistenlager. Peter Wirth, Inhaber und Wirt, öffnet den Saloon jeden ersten Freitag im Monat für die Öffentlichkeit. Dann gibt es Live Musik und typische Speisen wie Chilli con Carne oder Spare Rips und Backed Potatoes.

Irgendwann war es dann Zeit das Pferd zu satteln und dem Sonnenuntergang entgegen zu reiten.

Mehr Bilder zum Event sind hier zu finden.

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.