/// Rubrik: Stadtleben

Fälschen lohnt sich nicht mehr

Kreuzlingen – Was wäre, wenn Bilder, Dokumente, Daten und Gegenstände so geschützt werden könnten, dass sich das illegale Kopieren und Manipulieren nicht mehr rentiert? Mit dem Start-up OriginStamp AG ist der Kreuzlinger Friedrich Kisters Wegbereiter in eine sicherere digitale Zukunft.

Friedrich Kisters, Gründer der OriginStamp AG. (Bild: Sandro Zoller)

Fälschen ist ein sehr lukrativer Wirtschaftszweig. Hingegen kann es für die Opfer zum Albtraum werden – finanziell und reputationstechnisch. «Verliert man Daten ist das ärgerlich, kommen Fälschungen und Kopien in den Umlauf oder es werden einem erfundene belastende Unterlagen untergejubelt, können Unternehmen und Existenzen bedroht werden», verdeutlicht Friedrich Kisters die bestehenden Gefahren. Bis heute gab es keine Möglichkeit, um zum Beispiel die Echtheit eines Fotos oder Produktes eindeutig zu bezeugen. Damit soll jetzt endlich Schluss sein. Das Originalmaterial kann als solches unumstösslich gekennzeichnet werden. Das klingt revolutionär und ist es auch.

Schutz der Daten vor Manipulationen
Mit den heutigen Möglichkeiten ist es für Hacker ein leichtes Spiel an Daten auf Handys oder Computer zu gelangen. Auf Geräten mit Internetzugang gibt es keine wasserdichte Möglichkeit, um Daten und Fotos sicher aufzubewahren. Passwortgeschützte Ordner und Konten sind so konzipiert, dass darin sensible Informationen abgespeichert und abgerufen werden können. Dies bedeutet bildlich erklärt, dass ein Eingangstor eingebaut sein muss, etwa so wie bei einem Fort der alten Römer. Genau da liegt das Problem. Diese Tür kann eingetreten oder genauer gesagt auf einem Gerät kann das Passwort geknackt werden. Um also Daten lückenlos zu schützen, benötigt es eine andere Herangehensweise. Mit der Erfindung und Einführung der Blockchain eröffneten sich ungeahnte Möglichkeiten.

Die Blockchain ist nichts anderes als eine virtuelle Version von eingeritzten Stöcken, die dem Gläubiger und Schuldner gegeben werden. Der Schuldner wird definitiv keine weitere Kerbe (Schulderhöhung) hinzufügen und der Gläubiger erlaubt es sich nicht, sonst fällt beim direkten Vergleich sein Schummeln auf. In der Blockchain werden sogenannte Blöcke aneinandergereiht. In ihnen werden zur Absicherung Informationen des vorhergehenden Blockes und neue Informationen abgespeichert. Die Blockchain ist ein autonomes System, welches durch die Verteilung der Daten auf der ganzen Welt mit keiner Rechenleistung geknackt und manipuliert werden kann.

«Prof. Bela Gipp baute vor 8 Jahren den ersten Prototypen und die Human Bios International AG tüftelt seit vier Jahre daran, diesen Weg zu optimieren, um eine industrietaugliche Schnittstelle anbieten zu können, die auf einfache Weise bei Milliarden von Datensätze die Vorteile der Blockchain für eine Datenschutzlösung nutzt. Im Januar dieses Jahres war alles weit genug ausgereift, um OriginStamp AG ins Leben zu rufen», erklärt der Geschäftsführer stolz.

Neben der automatischen Firmen-Lösung können mit dem Handy via OriginStamp Foto-App und via Dashboard auf dem Desktop Fotos, Videos und Sprachnachrichten an Ort und Stelle zertifiziert werden. Das Foto konvertiert ein Objekt in einen individuellen, eindeutig identifizierbaren Fingerabdruck, auch Hash genannt. Dieser basiert auf dem SHA-256 Algorithmus und vergibt dem Bild einen 64-stelligen Identifikationscode aus Zahlen und Buchstaben. Die Applikation leitet den Hash an OriginStamp weiter, wo die Aufnahme einen Blockchain-Zeitstempel erhält. Auf Wunsch kann eine Geolokalisierung hinzugefügt werden. Von dort wird die Transaktion, in diesem Fall der Hash, in die Bitcoin-Blockchain gespiesen. OriginStamp generiert ein Zertifikat, welches dem User der Fotoanwendung ausgestellt wird.

Klare Beweise
«Durch die Anwendung von OriginStamp (originstamp.com) und dessen Zeitstempel kann einfach nachgewiesen werden, dass das Auto vor der Miete keine Beule am Kotflügel hatte, oder auf der Videoaufnahme der Hotelkamera keine weitere Person mit aufs Zimmer ging», schildert Kisters anhand von Beispielen. Ein Betrüger wird OriginStamp kaum nutzen, da der nicht mehr löschbare, mit den Daten verbundene Zeitstempel ihn automatisch entlarven könnte.

Hacker und Fälscher erwartet eine düstere Zukunft.

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.