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«Als Unternehmer macht man laufend Fehler»

Attila Wohlrab wollte als kleiner Junge Pilot werden, lernte aber das Handwerk eines Elektrikers, wechselte danach in die Immobilienbranche, schloss weiterführende Schulen ab und führt heute die Immokanzlei AG in Kreuzlingen und Arbon. Der 50-jährige Vater von zwei kleinen Kindern lebt mit seiner Partnerin in Kreuzlingen und führt sein Unternehmen direkt und fair. Dabei sind ihm die Ausbildung seiner zwei Lernenden und die Weiterbildungen seiner elf Mitarbeiter besonders wichtig. Was dem neuen Kreuzlinger Arbeitgeberverbandspräsidenten weiter Freude am Beruf bereitet oder was ihn ärgert und was er Jungunternehmern rät, erzählt er im Interview.

Attila Wohlrab, was ist der Vorteil des Standorts Kreuzlingen?

Wohlrab: Aus privater Sicht finde ich, wohnen wir in einer der schönsten Regionen. Die Nähe zur Wirtschaftsregion Zürich erachte ich aus unternehmerischer Sicht als absolut zentral. Obschon wir in einer Randregion sind – was aber nichts Schlechtes ist. Wir werden nicht so beachtet und dadurch auch oft unterschätzt.

Was freut respektive ärgert Sie im Beruf am meisten?

Der Kontakt mit den vielen verschiedenen Menschen in meinem Beruf ist immer wieder eine Bereicherung. Eine immer grösser werdende Bürokratie, welche die eigentliche Arbeit hindert, ärgert ab und zu. So geht es aber den meisten Unternehmungen. Die Rahmenbedingungen sollten vom Staat nicht unnötig verkompliziert werden, dafür setze ich mich auch stark ein.

Wie fördern oder motivieren Sie ihre Mitarbeiter?

Ich entscheide individuell, zum Beispiel wer schon längere Zeit in meinem Unternehmen arbeitet, der erhält mehr Urlaubstage. Oder wer eine Weiterbildung absolviert und Zeit fürs Lernen braucht, erhält freie Tage und wird finanziell unterstützt. Dies ist aber sehr individuell. Auch versuche ich täglich, ein Vorbild zu sein.

Wie fördert Ihre Firma die Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

Wenn ein Mitarbeiter ausfällt oder fehlt, spüren wir das in unserer Firmengrösse. Im Miteinander durch alle Mitarbeiter können alle ihren Beitrag leisten, natürlich springe auch ich als Chef für einen Mitarbeiter ein. Aber von dem «Modewort» Work-Life-Balance halte ich nichts, denn ich kann den Mitarbeitern noch so viel bieten, wenn ihnen die Arbeit oder unsere Firmenkultur nicht gefällt, sind sie bei uns am falschen Ort.

Werden Sie in den kommenden zwölf Monaten eher Stellen generieren oder abbauen?

Derzeit ist unsere Personalplanung weitgehend abgeschlossen. Aber ich versuche immer einen Lernenden zu behalten – solange wir genügend Mandate haben. Zwei von meinen elf Mitarbeitern waren auch mal Lernende bei uns.

Haben Sie einen Spitznamen im Betrieb?

Das müssen Sie meine Mitarbeiter fragen. Soviel ich weiss nicht, und wenn, halten sie es sehr gut geheim, haha.

Welchen Fehler werden Sie nie vergessen?

Als Unternehmer macht man laufend Fehler. Entscheidend ist aber, was man als Mensch, Firma und auch als Team daraus lernt.

Wo respektive bei welchen Hobbys finden Sie den besten Ausgleich?

Mein Glück ist, dass ich keinen wirklichen Ausgleich benötige. Mir macht meine Arbeit Spass und erfüllt mich. Was ich gerne mehr tun würde, ist ein Glas Wein trinken, dazu eine kleine Zigarre rauchen oder ein guter Tennismatch mit meinen Kollegen spielen. Aber nebst meiner Arbeit bin ich noch im Vorstand der Industrie- und Handelskammer Thurgau, zudem Kandidiere ich als Nationalrat und habe weitere Nebenmandate. Da bleibt nicht mehr so viel Zeit für anderes. Meinen grössten Ausgleich finde ich in meiner Familie. Wenn ich die Welt in den Augen meiner Kinder sehen darf, relativiert es das oft wieder.

Wo fallen Ihnen die besten Ideen ein?

Spontan und in fast allen Lebenslagen. Am ehesten beim Lesen von Fachzeitschriften oder wenn ich im Internet surfe. Das was ich gut finde, versuche ich für mein Unternehmen umzusetzen.

Was würden Sie anders machen, wenn Sie nochmals von vorne beginnen könnten?

Kleine Sachen würde man wohl immer besser machen wollen. Ich schaue aber lieber nach vorne. Zurückschauen und bedauern passt nicht so zu mir und ich empfinde es als Zeitverschwendung.

Welche Vision haben Sie für Ihr Unternehmen? Was müssen Sie noch tun um diese zu erreichen?

In der heutigen Zeit ist neben dem Markt, die Geschwindigkeit in der digitalen Welt und die Generation Z mit ihrer Einstellung gegenüber dem Leben und der Arbeit eine Herausforderung als Unternehmen. Bezüglich Geschwindigkeit gilt es laufend zu optimieren und bei der Generation Z, sie zu verstehen und gemeinsam Arbeitsmodelle zu finden, die für alle funktionieren.

Welcher Geschäftsanlass wird Ihnen in Erinnerung bleiben?

Ein Rundgang im Tierpark Kreuzlingen mit anschliessendem Raclette im Freien mit Kunden und Mitarbeitern im Winter. Es war richtig kalt und es hat ein wenig geschneit, aber trotzdem war es ein unvergessliches Erlebnis.

Wie verhalten Sie sich gegenüber Ihrer Konkurrenz?

Auch das müssen Sie nicht mich, sondern eher meine Mitbewerber fragen. Ich persönlich habe das Gefühl, offen und fair.

Welchen Rat geben Sie Jungunternehmern mit auf den Weg?

Nicht zu viel hinterfragen, an das Eigene glauben und von Neidern nicht beeinflussen lassen.

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