/// Rubrik: Stadtleben

Ein Naturrasenplatz für Kreuzlingen

Kreuzlingen – Das 2,85-Millionen-Franken-Projekt «Kunstrasen» hat die Bevölkerung im Februar abgelehnt. Jetzt steht ein Naturrasen auf dem Plan, der zudem mit 1,8 Millionen Franken wesentlich günstiger zu Buche schlägt. Am Donnerstag entscheidet der Gemeinderat.

Trotz Überschwemmung fand das Spiel auf dem Döbeli vorletzten Mittwoch, 19. Juni statt. (Bild: Willy Messmer)

Dass die Kapazitäten der AS Calcio schon seit längerem an ihre Grenzen stossen, ist bekannt. Bis jetzt konnten sich aber alle Beteiligten nicht einigen, was für einen Rasen der neue Fussballplatz erhalten soll. Zur letzten Abstimmung, betreffend Kunstrasen, entstand eine sehr deutliche Opposition, die die Oberhand behielt. Doch auch ihnen ist die Dringlichkeit für einen möglichst baldigen Baustart bewusst.

Billiger und naturbewusster
Das neue vorgelegte Projekt beinhaltet einen Naturrasen. Er ist umwelt- und in der Konstruktion kostenfreundlicher als sein gescheiterter Vorgänger. Dass der neue Fussballplatz mehr als ein Million Franken tiefer ausfällt, hat noch andere Gründe. Nebst der Baumallee fällt auch das Retentionsbecken weg. Auf dem Naturrasen soll eine Sprinkleranlage zum Zug kommen. «Die fest eingebauten Sprinkler haben einen programmierten Radius und verfügen dadurch über ein besseres Wassermanagement als portable Varianten», betonte Stadträtin Dorena Raggenbass die Vorzüge der Anlage.

Die Art des Grases und Untergrundes steht noch nicht fest. Zur Auswahl stehen eine 15 Zentimeter hohe Schicht aus Sand oder vulkanischem Gestein. Während den ersten neun Monaten darf der Platz nicht bespielt werden. Diese Zeit braucht das Gras um zu gedeihen und die nötige Robustheit zu erlangen. Durch sparsames Giessen sind die grünen Halme gezwungen, mit ihren Wurzeln in tieferen Gefilden nach Wasser zu suchen. Dies macht sie widerstandsfähiger. «Trotzdem bleibt es ein Naturrasen, welcher im Winter eine Schonpause einfordert», fügte Raggenbass ihren Schilderungen hinzu. Um die überbuchten Hallen zu entlasten und den Juniorenzugängen Herr zu werden, müssen in absehbarer Zeit die bestehenden Fussballfelder der AS Calcio ebenfalls eine Aufrüstung erfahren.

Bestätigung der Stimmbürger
Da das geplante Fussballfeld weniger als zwei Millionen Franken kostet, könnte es vom Gemeinderat ohne eine Volksabstimmung genehmigt werden. Das Stadtparlament könnte aber auf eine Volksabstimmung bestehen, munkeln Insider. Das würde der Entscheidung mehr Gewicht verleihen und eine Bestätigung der Leistungen des Vereins AS Calcio darstellen. Der Baustart erhielte dadurch nur eine geringfügige Verzögerung von drei Monaten auf den Februar 2020.

Der jetzige Nutzer der Parzelle 9168, ein deutscher Bauer, erhält durch einen Pachtvertrag mit der Stadt Konstanz, über 22 Jahre, die Parzelle 779 als landwirtschaftliche Ersatzfläche. Der Bauer hat sich bereit erklärt, in den ersten drei Jahren, in denen die Parzelle 779 noch anderweitig bewirtschaftet wird, die Anbaufläche für den Bau des Fussballplatzes abzugeben. Dafür erhält er von der Stadt Kreuzlingen, die ihm entfallenen Erträge, durch Gemüseanbau, vergütet.

«Fussball ist eine tolle Beschäftigung, nicht nur für Kinder und Jugendliche. Aber besonders bei diesen beiden Altersgruppen unterstützt es Integrationsbestrebungen», verdeutlichte Raggenbass abschliessend die gesellschaftspolitische Bedeutung der Investition.

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One thought on “Ein Naturrasenplatz für Kreuzlingen

  1. Bruno Neidhart

    Nun, man kann selbstverständlich streiten, ob ein Naturrasen gegenüber einem Kunstrasen zweckmässiger ist. Hinzuweisen wäre mal in diesem Zusammenhang – nur so nebenbei für Nichtkenner der Materie -, dass etwa im „Stade de Suisse“ in Bern ein Kunstrasen liegt. Zwischenzeitlich musste auch mal auf Naturrasen umgestellt werden (u.a. Europameisterschaft 2008), doch heute spielt man im Nationalstadion wieder auf Kunstrasen. Begründung der dort Verantwortlichen: Geringere Unterhaltskosten und bessere Trainingsbedingungen. Und so verfügen denn heute die meisten Fussballclubs – vor allem ab einem gewissen Spielerbestand – neben 2-3-4 Naturrasenfeldern auch ein Kunstrasenplatz für Spiel und Training – fast ganzjährig nutzbar.

    Ich wage sogar zu behaupten, dass selbst kleine Vereine ohne einen Kunstrasenplatz (er muss nicht mal Normalmass aufweisen!) ihre gesellschaftliche Verpflichtung, Jugendlichen das Spiel beizubringen, heute nur noch bedingt erfüllen könnnten. Der Zulauf an Jugendlichen ist bekanntlich erfreulich gross. Und das alles auf Naturrasen bewältigen, ist kaum möglich. Das weiss auch die AS Calcio, die glücklich ist, auf Klein Venedig beim FCK den Kunstrasen weiterhin mit benutzen zu können. Ein Kunstrasen, der u.a. bereits fest für unterschiedliche Spielsituationen ausgezeichnet ist, ist ein robustes, allzeit taugliches Instrument, das auch den Trainern Erleichterung und Freude verschafft. Zudem kann ein solches Feld auch für besondere „Events“ verwendet werden – für rein sportliche oder gesamtgesellschaftlich-unterhaltende.

    Aus meiner Erfahrung (drei kickende Enkel) eignet sich ein Kunstrasenn ausgezeichnet für Kinder von 5/6 bis 9/10. Älteren Jugendlichen kann auch das Spielen auf einem durchschnittlich „bereits zertretenen Naturrasen“ zugemutet werde. Weiterer Vorteil: Ligamannschaften müssen z.B. bei schlechten Wetterbedingungen ein Heimspiel nicht gleich „ins Wasser fallen lassen“. Fragt man Trainer und Betreuer in Clubs, so wollen sie auf ihren Kunstrasen nicht mehr verzichten. Die grossen Vorteil – ja, es gibt auch einige Nachteile! – sind also kaum weg zu diskutieren.

    Andererseits kann man selbstverständlich auf jedem Rasenstück glücklich werden. Beispiel: Als ich in der zweiten Mannschaft von Urania Genf spielte – lang ist her, andere Zeiten – musste ich mich bei einem ländlichen Spiel beim Cornerschlagen bücken, da Äste eines Birnbaums (poirier) tief herab hingen! Und in meinem Bürgerort firmiert der Club regionalschaffhauserisch ausgedrückt aktuell so: „….wo me d’Linie no mit Hobelspö streut!“. Andererseits wurde YB wiedermal Schweizermeister auf Kunstrasen. So breit kann heute das Glück im Fussball zuschlagen.

    Nun zu den zwei Döbeli-Versuchen. Sie ähneln ganz den Egelsee-Vorlagen. Auch dort konnte die 50 Meter-Anlage nicht einfach gegen die billigere – wenn überhaupt! – „Zweifel“-33 Meter-Anlage verglichen werde. Es handelte sich um zwei unterschiedliche Konzepte – sportlich und gesellschaftlich. Und so ist es auch im Döbeli: Die von den Stimmbürgern nicht genehmigte Vorlage 1 sah ein heute als top-ganzjährig zu benutzendes Spielfeld in anerkannter Ausführung vor, das sich zudem durch die Umfeld-Infrastruktur (breiter längsseitiger Festbelag mit zwei Stehstufen, querseitig eine weitere Zuschauermöglichkeit) ausgezeichnete. Somit handelte es sich neben einem für Trainingszwecke geeigneten Feld auch um ein Meisterschaftsfeld für die erste Mannschaft, sollte wiedermal „Unbespielbarkeit“ der beiden anderen Plätze gemeldet werden. Eine weitere Unvergleichbarkeit bestand in der Umraumgestaltung mit einer kleinen Naturrasenecke, einer Baumallee, eines Retentionsbecken. Für diese schöne ökologische Gestaltungsabsicht, die nun wegzufallen hat, müsste die Stadt sogar nachträglich gelobt werden.

    Bei der Döbeli-Vorlage Nr. 2 handelt es sich dagegen um eine einfachstmögliche Spielfeldanlage. Sie ist spielpraktisch „natürlich“ eingeschränkt, und ihre Drahtgitterumrandung steht baumlos-nackt im Raum. Wenn das dem AS Calcio gefallen sollte, ist es ja gut. Über „so ein Ding“ dann aber noch den Abstimmungssegen einholen zu müssen, gliche in einer erklärten Sportstadt dann doch einer ziemlichen Komödie. Oder haben die Räte gar Bammel, eine derart mickrige Lösung alleine befürworten zu müssen?

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