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Kein Leben ohne Insekten

Kreuzlingen – Die Schmetterlings-, Insekten und Käferpopulationen sind in ihrer Existenz bedroht. Mit der Kampagne «Gemeinsam gegen das Insektensterben!» sagt Pro Natura dem Massensterben den Kampf an. Markus Bürgisser, Geschäftsleiter der Pro Natura Sektion Thurgau, erklärte vergangenen Mittwochmorgen, während eines Rundgangs um die Lengwiler Weiher, weshalb dieses Schutzgebiet von nationaler Bedeutung ist und mit welchen einfachen Mitteln Privatgärten zu einem Rückzugsort für Insekten werden.

Markus Bürgisser, Geschäftsleiter der Pro Natura Sektion Thurgau. (Bild: Sandro Zoller)

Wenn es wirklich wahre Helden gibt, dann sind es die Käfer, Schmetterlinge, Bienen und ihre Verwandten. Doch aus diversen Gründen, die meistens auf das Konto des Menschen gehen, sind sie extrem in Bedrängnis geraten. In den letzten drei Jahrzenten ist in diversen Gebieten die Insektenpolulation um bis zu 75 Prozent geschrumpft. 163 Arten sind in der Schweiz ausgestorben wie zum Beispiel die grosse Zangenliebelle. 40 Prozent der unter die Lupe genommenen Insekten gelten als «gefährdete Arten».

Ein Rückzugsort für Mensch und Tier
Einen Katzensprung vom Kreuzlinger Zentrum entfernt, liegen die Lengwiler Weiher, umgeben von Wäldern. Im Mittelalter gehörte das vermutlich bereits existierende Flachgewässer dem Kloster Reichenau. Die Mönche nutzten es für die Karpfenzucht. An den umliegenden Bächen befanden sich Säge- und Schleifmühlen. Das Gelände wechselte nicht nur mehrmals das Aussehen, sondern auch dessen Eigentümer. Vom Kloster Kreuzlingen wanderte es in die Hände der Familie Zingg, Eigentümer der Oberen Mühle. 1970 kaufte Pro Natura Thurgau, mit Unterstützung von Bund, Kanton, Stadt Kreuzlingen und WWF, den Neu- und den Pfaffenweiher. Zehn Jahre später kam auch noch der Grossweiher dazu.

In den Gräben, Pfützen, Tümpeln, Schlenken und Kleingewässern, im Geäst der Bäume und auf den Wiesen und Moorflächen finden zahlreiche Tiere und Insekten ein Zuhause. Der Mensch wird aber nicht ausgeschlossen. Er kann auf einem Rundweg die Schönheit der Natur geniessen.

Was Insekten brauchen
«Immer wieder findet man am Wegesrand kleine Blumen und Gräser, die Käfern als Unterschlupf dienen», erklärt Markus Bürgisser, während er auf solch eine Stelle zeigt. «Nur leider gibt es sie, durch die Nutzung jedes kleinsten Winkels zum Ackerbau, zu wenig.» Es gäbe schon hier und da die benötigten Bausteine für die verschiedenen Arten, aber eben nicht konzentriert. Das Flachmoor der Lengwiler Weiher und Tümpel in dessen Nähe bieten perfekte Lebensbedingungen. Die Tiere finden einheimische Pflanzen, diverse Gräserarten und Bäume vor. «Wir haben hier 650 Nachtfalter- und 20 Libellenarten gezählt», erzählt Bürgisser.

Kleine Tümpel sind für den Fortbestand mancher Arten, wie etwa der Gemeinen und Kleinen Binsenjungfern, essenziell. An den Ufern von Stehgewässern legen die beiden Libellenarten ihre Eier in Binsen und Schachtelhalmen ab.

Viele, wenn nicht die meisten, Larven kommen im Wasser auf die Welt. Diese «juvenile» Form behalten sie den grössten Teil ihres Lebens. In dieser Zeit haben sie andere Ansprüche an die Umgebung, als nach ihrer Verwandlung zum Schmetterling oder zur Libelle. An den Lengwiler Weihern haben es die verschiedenen Tiere stets nicht weit von ihrem Lebensumfeld zu den Laichgebieten. Ausserhalb dieses naturbelassenen Flecks finden die Tiere selten solch vorteilhafte Situationen vor. Dabei sind Insekten eine Futterquelle vieler Tiere. Gerade während der Brutzeit benötigen Vögel für ihre Jungen viele davon. «Wo es keine Insekten hat, verbleiben auch die Vögel nicht», schildert Bürgisser die Kettenreaktion. «Natürlich konnten wir hier nicht auf alle Nachtfalterarten und ihre Gräserwünsche eingehen, das wäre ein zu grosser Akt. Alle hier vertetenen Libellen finden aber ihre bevorzugten Halme.

Eine Oase im eigenen Garten
Mit wenig Aufwand können auch Gartenbesitzer ein Heim für Insekten und Käfer schaffen. Für den Anfang müssen sie nur drei Punkte beachten. «Der Garten darf nicht aus Kies und Steinen bestehen, ein Teil der Wiese soll man im Winter stehen lassen und einheimische Pflanzen setzen», zählt Bürgisser auf. Unter einheimisch sind alle Pflanzen zu verstehen, die es in unserer Gegend schon 1492 gab. Soll sich eine spezielle Käfer- oder Schmetterlingsart im Garten wohlfühlen, muss einfach das entsprechende Gewächs oder Gemüse gepflanzt werden. Dann heisst es beobachten und staunen.

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