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Für offenen Umgang mit Depression

Kreuzlingen – Auf Tandems fahren die Teilnehmenden der MUT-Tour durch die Schweiz. Dabei setzen sie sich für einen offenen Umgang mit Depression ein. Die Männer und Frauen haben auch in Kreuzlingen Halt gemacht und am Hafenplatz Infomaterial verteilt.

Esther Tagmann (3.v.r.) aus St. Gallen und Andreas Pfister (4.v.r.) aus Liechtenstein haben mit der MUT-Tour in Kreuzlingen Halt gemacht.  (Bild: sb)

Die MUT-Tour startete am 11. Juli in Romanshorn. Der erste Halt war in Kreuzlingen. Weiter ging es nach Stein am Rhein, Winterthur, Zürich, und über Sargans und Vaduz zurück nach Romanshorn. Bei jedem Stopp versuchen die Teilnehmenden, mit Passanten ins Gespräch zu kommen. In ihren Gepäcktaschen stecken nicht nur Proviant, Schlafsack und Zelte, sondern auch massig Info-Material. «Wir möchten Mut machen zu einem offenen und selbstverständlichen Umgang mit Depression», sagt Esther Tagmann, Projektverantwortliche. «Denn es gibt immer noch viele Ängste und Vorurteile gegenüber dieser Erkrankung. Dabei muss das nicht sein. Bei einem Beinbruch hat ja auch niemand Hintergedanken.»

Tagmann hat das Projekt in Deutschland kennengelernt, ist dort schon zweimal mitgefahren und wollte es unbedingt in die Schweiz bringen. Über verschiedene Medien suchte sie im Vorfeld Mitstreiter (wir berichteten).

Die Sechser-Gruppe, welche nun unterwegs ist, ist bezüglich Alter, Geschlecht, sozialem Hintergrund oder Beruf bunt durchmischt. Was sie alle gemeinsam haben ist der Wille, offen über Depression reden zu können – egal, ob man schon selbst betroffen war oder nicht.

Offen drüber reden
«Depression ist heute immer noch stigmatisiert», weiss Tagmann. «So ist es gar nicht so leicht, diese Erkrankung dem Chef zu beichten.» Auch wüssten viele Menschen nicht, wie sie damit umgehen sollen, wenn jemand in ihrem Umfeld depressiv wird.

Auf der MUT-Tour verteilt Tagmann deswegen Flyer, auf denen beispielsweise «Anregungen für Angehörige von Menschen, die an Depression erkrankt sind», ausgelistet sind. Das Faltblatt «Wie erkennen? Was tun? Wo finde ich Hilfe?» richtet sich an Betroffene und gibt viele Tipps. Für junge Leute gibt es einen Flyer im jugendlichen Design. Dieser beschreibt Anzeichen von Depression, soll Mut zum Reden machen, wenn sich jemand nicht wohl fühlt, und nennt Stellen, wo man Hilfe bekommt.

«Depression kann heutzutage gut behandelt werden», sagt Tagmann. «Offen darüber reden zu können und sich nicht verstecken zu müssen, ist eine wichtige Basis dafür. Und wir wollen zeigen: Depressionserfahrene sind leistungsfähig und integrierbar, keine permanenten Trauerklösse.»

Andreas Pfister aus Lichtenstein ist Tagmanns Tandempartner. Ihn hat am Projekt begeistert, dass es das Gegenteil des Bildes ist, das man gemeinhin mit Depression verbindet: das dunkle Zimmer. «Wir sind aktiv und machen bei Sonnenschein eine schöne Radtour», sagt er. «Mit dem Tandem zu fahren, ist dabei ein Symbol für Vertrauen und dass man Depression nicht allein besiegen kann. Gleichzeitig steht die Tour dafür, sein Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen.»

«Isolation verschlimmert die Krankheit», ergänzt Tagmann. «Oder altkluge Ratschläge, nach dem Motto, man müsse sich nur ein bisschen zusammenreissen. Vielmehr ist es für Betroffene ganz wichtig, dass Freunde und Verwandte den Kontakt halten und teilnahmsvoll reagieren. Auch dafür steht das Tandem symbolisch: Es ist jemand da für dich.»  Stefan Böker

 www.mut-tour.ch

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