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Traum von einer Medaille

Thurgau – Samanta Kämpf vertritt die Schweiz als Möbelschreinerin an den World Skills in Kazan (Russ). Die Dettighoferin trainiert seit März bei Experte Tobias Hugentobler in Hittingen bei Braunau (TG). Sie möchte an den Berufsweltmeisterschaften abliefern und es in der Rangliste weit nach vorne schaffen.

Experte Tobias Hugentobler und Samanta Kämpf schauen sich eines ihrer Übungsstücke an. (Bild: VSSM)

In einem Monat gilt es ernst: Vom 22. bis 27. August finden die World Skills, die Weltmeisterschaften der nicht-akademischen Berufe, im russischen Kazan statt. Samanta Kämpf aus Dettighofen (TG) ist als Möbelschreinerin vier Tage im Einsatz. Seit März trainiert sie täglich für den Wettkampf. Dies nicht in ihrer Lehrfirma, der Herzog Küchen AG in Unterhörstetten (TG), sondern in der Schreinerei von Tobias Hugentobler in Hittingen bei Braunau im Hinterthurgau. Beim Verband der Schweizerischen Schreinermeister und Möbelfabrikanten (VSSM) ist der Rickenbacher der zuständige Experte für die Teilnehmer der Kategorie Möbelschreiner. Zweiter Teilnehmer des VSSM ist Jérémie Droz aus Blonay (VD), der in der Kategorie Massivholzschreiner an den Start geht.

Die 19-jährige Samanta Kämpf übt sich in drei Arten von Beistellmöbeln. Experten der World Skills haben Projekte eingereicht, von welchen drei ausgesucht wurden. «Am Wettbewerb kommt eines davon, jedoch in einer abgeänderten Form», erzählt sie. «Es ist wichtig, dass ich den Ablauf perfektioniere. Denn dieser hat Einfluss auf das Zeitmanagement und auf die Verbindungen des Möbels. Diese müssen passen und genau sein.» Dass die Aufgabe nicht völlig neu sein wird, findet sie nicht schlecht. «Das beruhigt mich etwas»

Fertig werden und schauen, was daraus wird
Das Ziel von Samanta Kämpf ist einfach: Alles geben, fertig werden und eine saubere Arbeit abliefern. «Ich möchte vor allem zufrieden sein. Natürlich hoffe ich, dass es in der Rangliste weit nach vorne reichen wird», sagt sie. Dass ihr Vorgänger, Sven Bürki, bei der letzten Austragung 2017 in Abu Dhabi Gold gewonnen hat, setze sie natürlich ein wenig unter Druck. «Ich denke aber nicht zu fest daran.»

Für die Medaillen kämen die Vertreter aus gut 15 Ländern in Frage, meint Tobias Hugentobler. «In Europa gibt es viele starke Möbelschreiner. Doch auch jene aus Brasilien, Südkorea, Taiwan und China werden immer besser.» Es sei wichtig, dass die Teilnehmer ruhig bleiben würden, auch wenn mal etwas schief laufe oder etwas Unvorhergesehenes passiere. «Wegen eines Fehlers ist nicht gleich alles vorbei. Bei Sven Bürki lief auch nicht alles reibungslos.» Ohne Fehler komme keiner durch, ist er überzeugt.

Der 40-jährige diplomierte Holztechniker weiss, wovon er spricht. 2001 hat er selbst als Möbelschreiner an den World Skills in Seoul (Südkorea) teilgenommen. Seit 2015 ist er Experte. «Die Berufsweltmeisterschaften haben mich nicht mehr losgelassen. Und ich habe Freude an der Arbeit mit den Jungen und daran, ihnen meine Erfahrungen weiterzugeben.» In Russland wird er von aussen darauf achten, dass es seiner Kandidatin gut geht und sie ungestört arbeiten kann. «Wir Experten beobachten den Wettkampf, abends steht die Bewertung an.» Gross betreuen kann er seinen Schützling allerdings nicht. «Wir dürfen uns am Morgen und dann am Abend schnell austauschen. Während des Wettkampfs ist jedoch kein Kontakt erlaubt.»

Das Werkzeug muss genau aufgelistet sein
Am 27. Juli muss die Thurgauerin ihr Werkzeug abgeben. Dieses wird dann nach Kazan transportiert. «Jeder hat 1,5 Kubikmeter für seine Sachen zur Verfügung», erzählt Samanta Kämpf. «Ich nehme alles Mögliche mit. Das ganze Material muss wegen des Zolls genau aufgelistet und dokumentiert werden.» Sie selber fliegt am 16. August mit den anderen Schweizer Teilnehmern nach Kazan. «Ich denke nicht, dass uns viel Zeit bleibt, um die Stadt anzuschauen. Aber dafür sind wir ja nicht da.» Nach einem Pre-Camp dürfen die jungen Berufsleute endlich aufs Wettbewerbsgelände, ehe am 22. August die Eröffnungszeremonie stattfindet. Vom 23. bis 26. August steht der Wettkampf an. Die Resultate werden am 27. August bekanntgegeben.

Nervös sind die beiden noch nicht. «Das kommt dann vor Ort», glaubt Samanta Kämpf. «In der Nacht vor dem Start wird wohl niemand ein Auge zu machen», sagt Tobias Hugentobler. Auch er nicht. Er hofft, dass sein Schützling eine Medaille gewinnen wird. «Wenn sie die Leistungen aus dem Training abrufen kann, sollte sie weit kommen.»

An den World Skills im russischen Kazan treten 42 junge Schweizer an. An den Berufsweltmeisterschaften, die alle zwei Jahre stattfinden, kämpfen rund 1600 Teilnehmende aus der ganzen Welt in über 50 nicht-akademischen Berufen um Medaillen. Teilnahmeberechtigt sind junge Berufsleute bis maximal 22 Jahre. Der Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten (VSSM) ist mit zwei Teilnehmern vertreten: Der Möbelschreinerin Samanta Kämpf aus Dettighofen (TG) und Massivholzschreiner Jérémie Droz aus Blonay (VD). Sie werden von den Experten Tobias Hugentobler aus Rickenbach (TG/Möbelschreiner) und Roger Huwyler aus Bex (VD/Massivholzschreiner) betreut. Die nächsten World Skills finden 2021 in Shanghai statt.

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