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Stein für Stein

Oberhofen – Ist das Interesse gegenüber den Lego weg, landen sie im Keller, auf einem Flohmarkt oder schlimmstenfalls im Müll. Andreas Krähenbühl aus Oberhofen gibt den Legosteinen eine zweite Chance. Er kauft kiloweise Lego, wäscht sie und stellt die ursprünglichen Sets in Detektiv-Arbeit wieder zusammen. Dabei fielen ihm schon Raritäten in die Hände oder er machte eklige Funde in den gekauften Kisten.

Während des Sortierens lässt Andreas Krähenbühl Hörbücher oder Radio-Sender laufen. Natürlich mit einem Lego-Radio.  (Bilder: Andrea Vieira)

Steigt man in das Reich von Andreas Krähenbühl ein, erwartet man ein Chaos und Berge von bunten Steinen – dem ist nicht so. Er kauft kiloweise alte Legosammlungen, bereitet sie auf und verkauft die Sets weiter. Auf die Idee kam der Hausmann aus Oberhofen durch den Nachhaltigkeits-Gedanken und als 2017 jemand auf Ebay 50 Kilogramm Lego verkaufte. «Ich sprach es mit meiner Frau ab, bevor ich diesen Haufen Legos kaufte», erzählt Krähenbühl. Seine zwei Söhne seien so oder so von den bunten Bausteinen begeistert. Diese Kiste von Ebay stehe jedoch immer noch unsortiert mit anderen vollen Kisten herum, so Krähenbühl mit einem Lächeln auf den Lippen. Auf einen Schlag kamen immer mehr Legosteine hinzu. Ab und an hilft ihm die Familie beim Sortieren. «Wie viele es sind kann ich nicht sagen, aber es sind einige Badewannen voll», sagt der 42-Jährige. Eine Badewanne fasst im Schnitt 150 Kilogramm. Mehrere Räume und Plätze im und ums Haus sind mit den kleinen, bunten Bausteinen belegt. Jedoch fein säuberlich in Boxen mit kleinen Fächern sortiert, nach Farbe, Grösse, Form, Gegenstand und was es sonst noch für Möglichkeiten gibt. Die Boxen sind allerdings nicht angeschrieben. «Ich führe keine Inventarliste. Ich weiss ungefähr, wo ich was finde und sonst bleibt es erst einmal verschollen, taucht aber später wieder auf», sagt Krähenbühl zu seinem System.

Durch den Schonwaschgang

Es gibt zwar keine Inventarliste und die Boxen sind nicht angeschrieben, aber es ist alles so ordentlich sortiert, dass jedes Stück wieder gefunden wird.

Die auf Flohmärkten oder im Internet gekauften Kisten voller Lego sortiert der Oberhofer grob nach Original- und Fremdteilen sowie anderen Herstellern. «Die Asiaten stellen unglaublich gute Plagiate der einzelnen Legosteine her, aber sie waren zumindest nicht so dreist, das Lego-Logo zu kopieren», erklärt er zum Aussortieren. Anstelle steht ihre Hersteller-Firma. Zugleich trennt er sie nach Farbe. Defekte sowie stark abgenutzte Teile sondert er aus. «Es kommt auch schon mal vor, dass ein verendeter Käfer in der Lego-Kiste auftaucht. Weil die Leute die Kiste im Keller gefunden und ohne sie zu öffnen direkt verkauft haben», sagt Krähenbühl. Dies ist einer der Gründe, weshalb er die bunten Steinchen wäscht. Beim verwendeten Waschmittel achtet er auf Inhaltsstoffe, Herstellungsverfahren, biologische Abbaubarkeit und auf ein sozial vorbildliches Unternehmertum. Hat der Waschgang nicht gereicht, reinigt Krähenbühl die Steine noch mit einer Zahnbürste oder legt die vergilbten Teile in Reinigungsmittel für Augenlinsen.

Die nassen Steine breitet er auf Frotteetüchern auf der Terrasse aus und bei schlechtem Wetter drinnen. Auch beim Strom hat der Lego-Virtuose recherchiert und gelesen, dass der Strom der Gemeinde Lengwil aus nahezu 100 Prozent erneuerbaren Ressourcen stammt.

Seit neustem hat er ein Showroom eingerichtet. Besichtigung nur nach Vereinbarung: 071 688 78 91.

Auch für die Zusammenstellung der ursprünglichen original Lego-Sets tätigt er intensive Recherche-Arbeiten. «Ich kaufe nur Sammlungen, welche eine Bauanleitung haben, um zumindest einen Anhaltspunkt zu haben, was sich in der Kiste verbergen könnte», sagt Krähenbühl zu seinem Vorgehen. In den neueren Anleitungen sind Stücklisten abgedruckt, was die Suche vereinfacht, ansonsten findet er auf Lego-Fan-Internetseiten weitere Stücklisten der jeweiligen Sets. «Lego erstellte auch teilweise falsche Stückzahllisten, besonders bei den Wikinger-Sets ist es mir aufgefallen», so der Oberhofer. Fehlt ein Stück und findet er es in seinem Lego-Lager nicht, bestellt er es nach: «Ich möchte nur vollständige, saubere und intakte Sets weiter verkaufen.» Er achtet sogar auf die Farbnuancen, denn zum Beispiel war es in den 80er-Jahren ein anderes Grau, welches Lego verwendete, als heute.

Auf Ricardo oder seiner Website www.kraehenstein.ch verkauft er die gebrauchten Sets. Nicht in der original Schachtel, die fehle so gut wie immer. Bei den Kartons weiss er noch nicht, ob sie aus einer nachhaltigen Produktion stammen. Er hat sich für die entschieden, weil er mit einem fertigen Set bei der Firma in Weinfelden vorbeigehen kann, um zu testen, welche Kiste am besten passt. Fehlt trotz der unglaublich sorgfältigen Zusammenstellung ein Lego-Stück kann der Käufer sich bei Krähenbühl melden.

Die Perlen unter den Lego

Er lüftet die alten Bauanleitungen aus, um den Keller-Mief rauszukriegen.

Bei ihm gibt es auch besondere Einzelstücke, wie eine intakte Antenne eines Raumschiffs aus den 70er-Jahren, die wird für 20 Franken gehandelt. So hoch ist sonst der Preis eines neuen kleinen Sets im Handel. «In der Regel sind die Speichen abgebrochen. Auch habe ich mal in einer Sammlung die Figur ‹Hochseekapitän› samt Möwe, die intakt war, gefunden», erzählt Krähenbühl erfreut. Denn ältere intakte Figuren werden ebenfalls unter Fans hochgehandelt. Er verkauft die aufbereiteten Sets durchschnittlich 30 Prozent günstiger als der Neupreis. Rechnet er die aufgewendete Zeit für das Waschen, Recherchieren und Zusammenstellen nicht mit ein, decken sich die Kosten. Und das, was vom Verkauf übrig bleibt, landet im Familien-Ferien-Kässeli. Er widmet mehrere Stunden pro Tag, auch am Wochenende, seinem Hobby. Der Verkauf geht zwar noch schleppend voran. «Ich muss keinen grossen Profit daraus schlagen, denn ich mache es aus Freude, der Kreativität halber und mit einem Nachhaltigkeits-Gedanken», sagt Krähenbühl. Er gab seine Stelle als Assistent bei einer Bank auf, weil ihm diese Arbeit zu wenig kreativ war, und ist nun Hausmann.

Sein letztes grosses Bauprojekt mit Lego war die Lengwiler Kirche zu ihrem 500. Geburtstag. Auch sonst ist er an Messen und Ausstellungen unterwegs. Aktuell in der Erlebniswelt Toggenburg in Lichtensteig SG. In der Region ist er wieder an der Spielstrasse in Kreuzlingen im September mit einem Stand am Start.

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