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Steuergeld-Verschleuderer in Kreuzlingen

Leserbrief – Gerda Imesch-Rohrbach aus Kreuzlingen findet, dass die investierten Millionen nicht einfach zum Fenster hinausgeworfen werden dürfen, nur weil es Leute gibt, die, ohne Rücksicht auf Verluste, ihren Willen durchsetzen wollen.

Lerserbrief (Bild: Archiv)

Als ich am Samstag die Zeitung las, glaubte ich, meinen Augen nicht trauen zu können. Da feiert doch wieder einmal das für Kreuzlingen leider so typische Querulantentum und die Verhinderungs-Unkultur fröhlich Urständ. Es ist nicht zu glauben, da lanciert doch eine Gruppe eine Initiative, um ein Projekt, in das schon Millionen von Franken gesteckt wurden, zu verhindern. Die Begründung, die Einsprachen gegen das neue Stadthaus würden die Realisierung noch Jahre verzögern, ist zynisch, ist doch zu vermuten, dass diese Einsprachen von der gleichen Gruppe stammen. Glauben denn diese Verhinderer, mit einem «Plan B» gehe es schneller? Dann muss nochmals alles von vorn beginnen und wir stehen wieder am selben Ort wie vor bald 30 Jahren. Weitere Millionen müssten investiert werden. Alle bisherigen Kosten in Millionenhöhe wären für nichts und wieder nichts. Es ist geradezu absurd.

Und dann noch der Titel: «Volksinitiative zur Freihaltung der Festwiese beim Bärenplatz»; das ist ein beschönigendes Mänteli für das Vorhaben, den Bau eines in einer Volksabstimmung (zwar knapp) angenommenen Projekts zu verhindern. Auch wenn das Stadthaus gebaut wird, gibt es eine Wiese beim Bärenplatz, wo heute nur Parkplätze das Gelände beherrschen.

Ich hoffe sehr, dass die Kreuzlinger Bevölkerung nicht auf diese Zwängerei eingeht und sich dafür einsetzt, dass das Begonnene wie geplant ausgeführt werden kann. Meiner Meinung nach geht es einfach nicht, dass man investierte Millionen zum Fenster hinaus wirft, nur weil es Leute gibt, die, ohne Rücksicht auf Verluste, ihren Willen durchsetzen wollen.

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3 Gedanken zu „Steuergeld-Verschleuderer in Kreuzlingen

  1. Christoph Meier

    Ich kann diesem Leserbrief von Gerda Imesch nur zustimmen. Als zugezogener Zürcher (vor 20 Jahren), bin ich immer wieder erstaunt was für ein Querulantentum hier in Kreuzlingen vorherrscht. Da wird versucht, das Projekt Stadthaus zu verhindern resp. zu torpedieren, obwohl es bei der Volksabstimmung angenommen wurde. Es war zwar knapp, aber die Mehrheit hat entschieden das Stadthaus in vorgelegter Form zu bauen. Ich bin auch nicht immer einverstanden, aber als überzeugter Demokrat habe ich gelernt zu akzeptieren, auch wenn es mir nicht passt. So funktioniert unser System. Auch nicht immer über allen Verdacht erhaben, aber wohl das Beste.

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  2. Frischknecht Ernst

    In einere funktionierenden Demokratie gibt es das Recht, eine Initiative gegen ein Projekt zu ergreifen. Kommt sie zustande, dann gilt es das Pro und Contra sachlich abzuwägen. Die Initianten als „Querulanten“ abzuqualifizieren, ist abwegig und entspricht überhaupt nicht den Gepflogenheiten.

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  3. Bruno Neidhart

    Nur mal langsam, Frau Gerda Imesch-Rohrbach! Was die von Ihnen skeptisch beurteilte „Initiative“ einzusetzen versucht, ist ein höchst demokratisches Instrument, das es glücklicherweise noch immer in Kreuzlingen gibt. Mit „Querulantentum“, wie Sie sich ausdrücken, hat das gar nichts zu tun und ist letztlich Ihre persönliche Interpretation (die „verschleuderten Millionen“ sind noch eine ganz andere Sache).

    Ja, es stimmt, das Projekt wurde damals (demokratisch) angenommen. Ob die fünf Stimmen, die zur Mehrheit führten, ausgerechnet vom damaligen Stadtrat stammten, bleibt indes Geheimsache. Gut so. Der seinerzeitige Stadtpäsident war es allerdings, der dieses Projekt wohl als sein „Meisterstück“ in die Stadtgeschichte einordnen wollte (kurze Zeit darauf seilte er sich bekanntlich vorzeitig in eine Generalbauunternehmung ab). Bereits von Anfang an muss die Skepsis in weiten Teilen der Bevölkerung gross gewesen sein, ob auf dieser Fläche überhapt gebaut werden sollte. Und andere Bedenken, ganz unabhängig vom „Stadort der Begierde“, kamen im Zeitverlauf hinzu (Ästhetik, Ausmass, usw.)

    Die Bauverzögerung, wie sie heute wirkt, ist nicht zuletzt auch dem Umstand geschuldet, dass zwar ein gewisses Baurecht auf dieser letzten Freifläche der Stadt besteht, doch nur für einen Bau, der maximal 50 Meter beanspruchen sollte. Das Werk wurde jedoch täglich länger, so dass es final mit über 111 Meter das überkommene grüne Areal zu bedecken hätte. Wie dieses Berechnungsdilemma baurechtlich zu bewerten ist, ist eine viel gestellte Frage in diesem Zusammenhang. Sie beschäftigt sogar den Kanton, wie man hört! Eine diffuse Erklärun der Denkmalbehörde, „flach“ mache die Klosterkirche sogar noch sichtbarer, geht an der Frage grandios vorbei, ob diese Stadtfläche als geschichtlich historisches (Stadt-) Ambiente es nicht verdient, grundsätzlich freigehalten zu werden. Diese Art von „Sichtachsenargumentation“ ist somit der kläglicher Versuch, den Bau für die Stadt zu retten. Die schon immer bestehenden, glücklicherweise noch ziemlich unverbauten Sichtachsen sind dagegen das Original, das es zu pflegen gilt. Die Stadt wird hier in ihrem Innern grosszügig raumästhetisch geprägt.

    Im Kern geht es also tatsächlich nicht mal um diese phänomenale architektonische Aufblähung, sondern darum, ob dieses Bauwerk überhaupt auf diese Örtlichkeit passt, fasst man u.a. die vielen ökologischen, stadtklimatischen und kulturhistorischen Bedenken nochmals zusammen. Immerhin war praktisch die Hälfte der Abstimmenden letztlich diesen Negativargumenten (wohl auch weiteren) gefolgt. Wenn nun eine Gruppe versucht, nach der langen Verzögerung, die sich die Stadt durch unsichere Planung eingehandelt hat, zu agieren, so setzt eine Gruppe nicht „ihren Willen durch“, Frau Imesch-Rohrbach, sondern sie hält sich, wie ich das verstehe, an ein demokratisches Initiativ-Instrument, das immer dann sinnvoll eingesetzt werden kann, wenn berechtigte Zweifel in einer Angelegenheit bestehen. So werden oft auch neue Sichtweisen (z.B. aktuell stadtklimatische) vorgelegt. Das übergeordnet Konzeptuelle bezieht sich hier, wie ich die Initiative deute, besonders auf einen anderen, in vielem sinnvolleren Standort des Stadthauses, als auch auf eine zweckdienlichere Grösse des Vohabens. Argumente zu einer Neubewertung gibt es also tatsächlich reichlich. Eine solche Neubwertung ist zukunftsorientiert, nicht rückwärtsgewandt (wie vermeintlich angedeutet). Bausünden sind auf lange Zeit bekanntlich nicht zu korrigieren. Eine Initiative kann mit Argumentation versuchen, dagegen zu halten.

    Die Wirksamkeit eines demokratischen Instruments zur Neubewertung von Vorhaben hat sich, um diesen Gedanken kreuzlingerisch konkret mal anzusprechen, zum Beispiel beim Seeburgpark überaus bewährt. Als die Abstimmenden 1958 zum (historischen) Parkgelände mit Schloss äusserst knapp „Ja“ sagten, somit das Areal also von der Stadt gekauft werden konnte, machte sich der Stadtrat kurze Zeit später daran, im südlichen Teil des Areals, zwischen Schloss, Promenadenstrasse und Hörnlibergareal eine Grossüberbauung zu lancieren. Vorgesehen waren u.a. drei 18-stöckige Hochhäuser, dazu einige Wohnblocks, ein Coop-Einkaufszentrum, Strassen Parkplätze. Eine Initiative argumentierte vielschichtig, dieses Parkgelände gänzlich frei zu halten. Es kam zur Volksabstimmung. Heute kann man sich kaum vorstellen, dass dort einst eine Betonlandschaft das Seeburgparkgelände „dekorieren“ sollte. Demokratie ist manchmal auf Umwegen tatsächlich zielführender.

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