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«Ich fühle mich geehrt»

Kreuzlingen – Gestern Abend wurde dem Theater- und Opernregisseur Jossi Wieler der mit 20 000 Franken dotierte Thurgauer Kulturpreis 2019 verliehen. An der Feier in Kreuzlingen würdigte Laudator Hajo Kurzenberger den Preisträger als Menschen, der zuhören und genau hinschauen kann. Ausserdem habe er jenen spielerischen Humor, den das Leben und das Theater brauche.

Jossi Wieler erhält den Thurgauer Kulturpreis von Monika Knill. (Bild: Foto Gaccioli Kreuzlingen)

Jossi Wielers Arbeiten sind still, sensibel und eindringlich. Sie stehen immer im Dienst des Theaterstücks oder der Opernpartitur. Dabei gelingt es Wieler, Situationen und Bilder zu schaffen, die in den Köpfen von Publikum und Kritikern hängen bleiben. Gestern Abend nun standen nicht nur Wielers Werke im Vordergrund, sondern vor allem auch der Mensch Jossi Wieler. Denn der 68-jährige, international schon mehrfach ausgezeichnete Theater- und Opernregisseur erhielt aus den Händen von Monika Knill, Chefin des Departements für Erziehung und Kultur, den Thurgauer Kulturpreis. «Ich fühle mich geehrt. Im Andenken an meine Grosseltern und Eltern bedeutet mir dieser Preis sehr viel», sagte Wieler sichtlich gerührt und erfreut. Vor allem auch darüber, dass viele Verwandte und frühere Bekannte die Feier im Seemuseum Kreuzlingen für ein Wiedersehen nutzten.

Bevor der Preis überreicht wurde, blickte Laudator Hajo Kurzenberger auf Jossi Wielers Wirken zurück und beschrieb auch dessen Wesen. «Jossi Wielers Sozialkompetenz ist, wie man sich denken kann, die fundamentale Voraussetzung für die soziale Kunstform Theater, die er so hingebungsvoll und eigensinnig gekonnt ausübt.» Eindrücklich zu sehen sei dies in seinen Opernchören: «Sie sind oft Meisterwerke der gelungenen Vielfalt und Integration, weil jedes einzelne Chormitglied sichtbar wird im künstlerischen Kollektiv. Niemand verschwindet bei ihm in einer regiegesteuerten chorischen Masse.» Kurzenberger bezeichnete das gemeinsame Erinnern der jüdisch-deutschen Unheilsgeschichte, dem Zivilisationsbruch des Holocaust, als eines der wichtigsten Themen von Jossi Wieler für die Bühne. Das kommt nicht von ungefähr. Denn Wieler stammt aus einer jüdischen Familie. Seine Grosseltern sind einst von Konstanz nach Kreuzlingen gezogen. Später durften einige Familienmitglieder nicht mehr in die Schweiz einwandern und mussten emigrieren. Gelang ihnen das nicht, wurden sie deportiert.

Zurückhaltend aber hartnäckig
Monika Knill wies in ihrer Begrüssung auf Parallelen zwischen dem Thurgau und dem preisgekrönten Regisseur hin. Jossi Wieler passe mit seiner Art in den Thurgau: «Jossi Wieler ist kein Regisseur, der diktiert und sich mit Händen und Füssen und lautstark durchsetzt. Er ist als Mensch zurückhaltend. Er ist leise, sanft, aber auch hartnäckig. So ist auch die Thurgauer Regierung: Wir machen ruhig unsere Arbeit und verfolgen hartnäckig unsere Ziele. Das einander Zuhören ist wichtig.»

Die Verleihung des mit 20’000 Franken dotierten Thurgauer Kulturpreises fand im Seemuseum Kreuzlingen statt. Musikalisch umrahmt wurde die stimmungsvolle Feier von Helene Schneiderman (Mezzosopran), Matthias Klink (Tenor) und Andrea Wiesli (Klavier).

Jossi Wielers wichtigste Schritte
Jossi Wieler, 1951 geboren und in Kreuzlingen aufgewachsen, studierte am Theatre Department der Universität Tel Aviv Regie. Anschliessend war Wieler an vielen wichtigen Häusern im deutschsprachigen Raum tätig, unter anderen am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, an den Münchner Kammerspielen, an der Schaubühne Berlin, bei den Salzburger Festspielen, am Theater Basel und am Schauspielhaus Zürich. Von 2011 bis 2018 war er Intendant der Staatsoper Stuttgart.

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