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Kirchbehörde verabschiedet Theologisches Leitbild

Kreuzlingen – Das Pressegespräch im evangelischen Kirchgemeindehaus am Montag, 19. Juni, war ganz dem neu verabschiedeten Theologischen Leitbild gewidmet. Die Pfarrer Damian Brot und Gunnar Brendler sowie Diakon Hanspeter Rissi nahmen Stellung zu aktuellen Themen wie der Bewahrung der Schöpfung, dem Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigungen, dem Einsatz für Arme und der Sexualität.

(V.l.) Pfarrer Gunnar Brendler, Pfarrer Damian Brot und Diakon Hanspeter Rissi stellen das neue Leitbild vor. (Bild: Sandro Zoller)

«Es ist wichtig sich zu definieren, zu zeigen wofür wir stehen und wer wir sind», betonte Pfarrer Gunnar Brendler zu Beginn des Gesprächs. Im Frühling stand eine erste Vorlage zur Diskussion. Die Kirchenvorsteherschaft war damit einverstanden und ebnete den Weg für das Theologische Leitbild der Evangelischen Kirchgemeinde Kreuzlingen.

Kirchengänger hatten nur indirekt Einfluss
Die Kirchgemeindemitglieder hatten keine explizite Diskurs- und Teilnahmemöglichkeit. «Die Kirchenvorsteherschaft und die beteiligten Gremien sind demokratisch gewählt und vertreten somit die Meinungen der Kirchengänger», sagte Pfarrer Damian Brot dazu.

Inklusion wird gemäss Brendler tagtäglich gelebt: «Egal welcher Hauttyp, welche Nationalität oder Gesinnung, wir wollen für alle da sein.» «Wir pflegen den Dialog und besuchen daher Orte wie etwa das Agathu und das Asylzentrum», fügte Diakon Hanspeter Rissi hinzu. Der Punkt «Einsatz für die Armen und Schwachen» ist nicht neu. Die Kirchgemeinde hat Geld zur Verfügung, um Personen mit Einschränkungen zu unterstützen.

Gemeindeautonomie
Der Austausch mit den Katholiken sowie den Angehörigen der Freikirchen funktioniert sehr gut. Gerade Mitglieder, die ursprünglich einer Freikirche angehörten, hätten eine sehr offene und liberale Einstellung. Brendler bestätigte, dass es dort aber auch sehr konservative Strömungen hat. «Klar, Extremisten akzeptieren die Andersartigkeit nicht und grenzen damit Menschen aus.»

Pfarrer Brendler sieht ein grosses spirituelles Bedürfniss, auch etwa in der Psychiatrie. «Ich höre Menschen sagen, dass ihnen etwas fehlen würde ohne die Kirche.»

Im Gegensatz zur Katholischen Kirche haben die Evangelischen Kirchgemeinden eine hohe Autonomie. «Man sagt ja nicht einfach so, dass die Katholiken einen Papst und wir mehrere haben», sagt Rissi. Solange das Kirchenrecht nicht angetastet wird, besteht ein grosser Spielraum. Dieser ermöglichte das Theologische Leitbild für Kreuzlingen. Brot meinte dazu: «Es ist nötig, dass wichtige Themen den Weg aufs Blatt finden.»

Nicht mehr schweigen
Bei der Veranstaltung und Lesung aus dem Buch «Nicht mehr schweigen» von Herausgeber und Mitautor Timo Platte, am Samstag, 7. September, im evangelischen Kirchgemeindehaus, geht es nicht um Rechtliches, sondern um offene umgängliche Diskussionen zum Thema sexuelle Orientierung und Outing im kirchlichen Kontext. «Der Mensch steht im Fokus», betonte Rissi.

Der Ratspräsident der Schweizerischen Evangelischen Kirche, Gottfried Locher, trat öffentlich für die Ehe für alle ein. Denn bei einem Ratstreffen stellte sich heraus, dass es doch auch unter den Evangelisten konservative Kreise hat. «Die Ehe ist kein Sakrament, sondern eine weltliche Angelegenheit», argumentiert Brendler und fügt hinzu: «In der Bibel steht nirgends, geht hin und heiratet.» Pfarrer Brot schaltete sich ein und ergänzte: «Auch wenn wir in einem Rechtsstaat leben, heisst das nicht, dass wir nie dagegen steuern, wenn Rechtliches nicht Bibelkonform ist.

«Gott sei Dank.» Brendler ist froh, dass die Kirche sich nicht mehr ins Private von Menschen einmischt. «Wer sind wir, um urteilen zu können.»

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