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Freie Festwiese

Leserbrief – Xaver Dahinden aus Kreuzlingen sieht es als legitim, richtig und notwendig, nochmals nachzufragen, wenn sich im Nachhinein etwas als zweifelhaft und gewisse Aussagen als irreführend herausstellen.

(Bild: pixelio)

Die Fragezeichen rund um das Kreuzlinger Stadthausprojekt mehren sich. Ein Beispiel: Das Vorhaben braucht nicht nur eine, sondern mindestens fünf Ausnahmebewilligungen, weil es in mehreren Punkten dem Baureglement widerspricht. Wie konnte es da als vorzügliches, abstimmungsreifes Projekt eingestuft werden?

Die Botschaft aus dem Jahre 2016 ist voller Lobesworte für diesen «hochstehenden städtebaulichen Akzent». Auch die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege befürworte angeblich diesen Standort. Wer aber die Beurteilung der EDK (2012) genau liest, stellt fest, dass von den zahlreichen Bedingungen kaum eine erfüllt wurde, im Gegenteil. Die Aussagen der Denkmalpflege wurden bruchstückhaft oder gar nicht und ohne Gesamtzusammenhang wiedergegeben.

Die Einsprecher wehren sich aus guten Gründen dafür, dass das Recht, das Baureglement, für alle gleichermassen gilt und dass die Empfehlungen der Denkmalpflege berücksichtigt werden. In der Botschaft ist das überdimensionierte Gebäude sehr niedlich und aus grosser Distanz virtuell dargestellt. Wer aber die Visiere von der Hauptstrasse aus zu einer bildlichen Vorstellung verbindet, sieht eine ganz andere Realität.

Weil sich die Versprechungen und die Laudatio in der Abstimmungsvorlage im Nachhinein als zweifelhaft und gewisse Aussagen als irreführend herausstellen, ist es legitim, richtig und notwendig, nochmals nachzufragen.

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One thought on “Freie Festwiese

  1. Bruno Neidhart

    Die ehemals der Bevölkerung präsentierte Visualierung des Projekts, diese Verniedlichung, die keiner Realität standhalten konnte – und kann, ist in der Tat ein Lehrstück visueller Desinformation. Dabei ist heute die Technik soweit, die der Realität sehr nahe kommen kann. Oder noch besser: Man präsentiert ein Bauwerk der Bevölkerung durch eine Umhüllung so mass- und detailgerecht (bedrucktes Tuch), wie der Bau später durch seine Kubatur (Masse) und mit seinem architektonischen Erscheinungsbild tatsächlich in das Stadtensemble einwirkt. Eine solche Methode ist besonders dann sinnvoll – und hat sich in anderen Städten bewährt -, wenn es, wie vorliegend, auch um einen höchst diffizilen „Ensembleschutz“ geht!

    Und die Denkmalpflege? Sie eierte seit Beginn der Aktion „Neues Stadthaus“ um den ganzen Komplex herum: verwarf – beschönigte – verwarf, usw. Letztlich hatte sie nicht wortführend ausgesprochen, dort zu bauen, sondern legte der Stadt dieses Bonbon vorsichtshalber als „kleineres Übel“ (anstelle anderer, existierender Vorstellungen) vor die Füsse. Auf diesem unsicheren Terrain („kleineres Übel“) bewegte sich und frohlockte der damalige Stadtrat. Dann jedoch türmten sich bald, wie Herr Xaver Dahinden gut beschreibt, u.a. auch Fragen des Baureglements auf, die ein weiteres, womöglich enscheidendes Fenster in dieser Angelegenheit öffnen, ein Fenster, das Einblick geben könnte, was da eventuell – und dann wie – nicht gesetzeskonform abgelaufen sein dürfte.

    Und jetzt beginnt aktuell die Hinterfragung eines Objekts, das zwar von der Bevölkerung (wider besseres Wissen?) demokratisch durchgewinkt wurde (die berühmt-berüchtigten 5 Stimmen!), das ganze Prozedere nun jedoch einen fahlen Geschmack hinterlassen könnte, welcher im nachhinein auch politisch zu bewerten wäre. Somit ist es nur verständlich, dass sich eine Gruppe aufmacht, den Dingen mal auf den Grund zu gehen. Demokratisch – versteht sich!

    Für grosse Teile der Bevölkerung dürfte es spannend sein, was sich da aufzutürmen droht. Praktisch die Hälfte der Abstimmenden war ja damals bekanntlich gegen das Projekt. Vielleicht waren sogar manche darunter, welche bereits die fehlerhafte Visualisierung erkannten und daher schon die Bau-Örtlichkeite als „verwegen“ empfanden (Stadtbildfrage). Nebst anderen Zweifeln!

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