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Im Namen der Literatur

Region Untersee – «Literatur am Untersee» steht unter neuer Leitung. Am 14. und 15. September findet das Wochenende mit fünf Lesungen in privaten Räumen nach einem Jahr Pause zum 11. Mal statt.

(V.l.) Barbara Müller, Felix Müller, Margit Koemeda-Schulz und Jens Koemeda. Es fehlt Irene Ballmoos. (Bild: Judith Schuck)

Für Barbara Müller bedeutet Literatur «eintauchen in eine andere Wirklichkeit», sich in verschiedene Sichtweisen hineinzulesen, sich darin wiederzufinden oder auch davon abzugrenzen. Die Psychologin leitet dieses Jahr zum ersten Mal gemeinsam mit ihrem Mann Felix Müller und Irene von Ballmoos «Literatur am Untersee».

Die Kulturveranstaltung riefen 1997 Margit und Jens Koemeda ins Leben. Dadurch, dass die Lesungen im Wohnzimmer stattfänden und nicht in einem Theater oder einem öffentlichen Veranstaltungsort, sei das Angebot niederschwellig und spreche auch Leute an, die für gewöhnlich eher weniger zu Lesungen gehen: «Es ist ein vereinfachter, aber liebevoller Zugang zu einem Buch», findet Jens Koemeda.

Leitung geteilt durch drei
Schon seit längerem auf der Suche nach einer Nachfolge, konnten sie das Zepter nun endgültig an die drei «Neuen» übergeben. Wobei, so neu sind sie gar nicht. Das Ehepaar Müller stammt ursprünglich aus dem Aargau und lebt seit 30 Jahren im «Alten Debrunner-Haus» in Ermatingen. Ebenso lange kennen sie schon die Familie Koemeda. Irene von Ballmoos ist eine langjährige Berufskollegin mit einem «Flair für Literatur».

Die Müllers stellten von Anfang an ihr Haus für die Lesungen zur Verfügung. Aus der Gastgeberrolle haben sie nun den Schritt zur Leitung und Organisation gewagt: «Wir wollen, dass es weitergeht», sagt Barbara Müller zu ihrer Motivation. «Uns war aber auch wichtig, dass wir das nicht zu zweit machen», weswegen sie froh sind, dass Irene von Ballmoos mit im Boot sitzt. Als Besonderheit an «Literatur am Untersee» schätzt Felix Müller den familiären Rahmen in den historischen Privathäusern: «Der Kontakt mit den Autoren ist unkompliziert und man trifft andere Literaturinteressierte. Wir haben hier schon Freunde gewonnen, die wir sonst nie getroffen hätten.»

Lesende und Schreibende vereint
Als Margit und Jens Koemeda die Literaturveranstaltung begründeten, sprachen sie sich mit dem Konstanzer Stadttheater-Schauspieler Frank Lettenewitsch ab, dass es zu keinen Terminüberschneidungen kommt. Denn in der Nachbarstadt gibt es mit «Literatur in den Häuser» eine ähnlich Reihe. Während in Konstanz viele Lesungen zeitgleich stattfinden, können die Besucherinnen und Besucher von «Literatur am Untersee» an zwei Tagen zu allen fünf Lesungen kommen – die Qual der Wahl bleibt hier somit aus. «Am Anfang lasen meist Autoren aus unserem Freundeskreis», erzählt Jens Koemeda über die Ursprünge. Sowohl er als auch seine Frau sind Schreibende und pflegen zahlreiche Kontakte zu Gleichgesinnten. Bei den Solothurnern Literaturtagen holen sie sich seit vielen Jahren Inspirationen für mögliche Autoren, die am Untersee lesen könnten.

Barbara Müller findet es gar nicht so einfach, Autorinnen und Autoren zu finden. Man müsse ein bisschen spüren, was möglich ist. «Viele gute Autoren sind sehr begehrt, erwarten hohe Gagen und möchten nicht unbedingt aufs Land, wenn sie in der Stadt lesen könnten», meint sie hierzu. Dennoch ist den drei Neulingen mit Hilfe ihrer Vorgänger dieses Jahr gelungen, ein abwechslungsreiches, hochkarätiges Programm zusammenzustellen. Am Samstag interpretiert der Schauspieler Volker Ranisch «Die Schachnovelle» von Stefan Zweig. «Uns war wichtig, dass ein Klassiker vertreten ist», so Barbara Müller. Ebenfalls am Samstag liest die Exil-Slowakin Irena Brežná. Der Thurgauer Peter Stamm läutet den Sonntag ein. Ebenfalls aus dem Kanton stammt Eva Maria Hux. Inzwischen lebt sie in Stockholm und wird ihr Publikum nicht nur mit ihrer Schreibkunst, sondern auch mit Musik unterhalten, denn Hux ist auch Konzertcellistin. Karl-Heinz Ott, Schwiegersohn von Martin Walser, beschliesst das lange Literaturwochenende.

Porgramm:
Samstag, 14. September
15.30 Uhr, «Haus zum Gries» Berlingen: Volker Ranisch verkörpert Stefan Zweig «Die Schachnovelle»
19 Uhr, «Breitenstein» Ermatingen: Irena Brežná «Wie ich auf die Welt kam, In der Sprache zu Hause»

Sonntag, 15. September
11 Uhr, «Altes Debrunner -Haus» Ermatingen: Peter Stamm «Seerücken»
16 Uhr, «Haus zur Glocke» Steckborn: Eva Maria Hux «Die Hand der Mirjam»
19 Uhr, «Steinhaus» Tägerwilen: Karl-Heinz Ott «Und jeden Morgen das Meer»

Judith Schuck

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