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Ein Mekka für Sportler am See

Kreuzlingen – Im vollbesetzten Rathaussaal hat die Stadt den Entwurf des Gestaltungsplans Seezelg II vorgestellt.

So sehen die Pläne im Seezelg aus. (Bild: ig)

«Das grosse Interesse zeigt, was für ein sensibles Gebiet der Seezelg ist», sagt Stadtbaurat Ernst Zülle. «Jeder kennt und liebt das Areal neben dem Hörnli am See. Es befindet sich in der Erholungs- und Freizeit-Zone, und dort soll es auch bleiben, aber es hat ein Riesen-Potential, das derzeit noch ungenutzt ist.» Der Anstoss, gerade jetzt über den Seezelg nachzudenken, kam von aussen: Die Reka-Genossenschaft möchte auf einem Grundstück im Besitz der Seeleben AG ein Feriendorf bauen. Die beiden Investoren versprechen der Stadt 50.000 Übernachtungen pro Jahr und zwölf Vollzeitstellen. «Schon mit dem heute gültigen Gestaltungsplan wäre das umzusetzen», erklärt Zülle, «allerdings nicht auf optimale Weise.» Da gleichzeitig die Betreiber der Tennishalle am See an die Stadt herangetreten sind, die am Seezelg ein neues Tenniszentrum mit Halle errichten wollen, lohnte es sich doppelt, den Plan aus dem Jahr 2002 anzupassen.

Rekadorf würde höher, aber hübscher
Die Bauherren des Reka-Dorfs visieren siebzig Ferien-Wohnungen mit entsprechender Infrastruktur an. Auf Basis des alten Plans hatten sie zwei Gebäude vorgesehen – nur drei Geschosse hoch, aber sehr lang. «Mit dem revidierten Plan könnten wir zum Teil auch vier Stockwerke bauen, dafür aber aufgelockerter. Die Gebäude sind vom See stufenweise erhöht, so dass sie sich gut in die Landschaft einpassen», erklärt Reka-Direktor Roger Seifritz. Der neue Plan legt auch fest, wie die Umgebung des Feriendorfes aussehen soll. Das Gebiet bleibt öffentlich zugänglich. Die bisher wild genutzte Bucht würde zur offiziellen Badestelle, das Areal davor soll ökologisch aufgewertet werden. Statt Ackerflächen soll es blühende Wiesen geben.

(V.l.) Landmitbesitzer Fabian Munz, Reka-Direktor Roger Seifritz und Stadtrat Ernst Zülle warben für die Änderungen zugunsten des Reka-Feriendorfs. (Bild: ig)

Tennishalle gibt Schallschutz
Am anderen Ende des Seezelgs, neben den Plätzen des TC Hörnli, ist die Tennishalle eingeplant. «Wir wollen sowohl den Breitensport stärken als auch den Spitzensport fördern», sagt Bernhard Hochstrasser vom Investor «Tennishalle am See AG». «Die Spieler der Nationalen Elitesportschule Thurgau brauchen optimale Bedingungen, und wir finden es schade, dass immer noch Kreuzlinger nach Konstanz fahren, um dort zu spielen.» Die Halle soll vier Spielfelder haben, zusätzlich Räume für Badminton. Architekt Ueli Wepfer will sie mit einer Holzfassade versehen, auf dem Dach wollen die technischen Betriebe eine Photovoltaikanlage einrichten. «Die Halle schirmt gleichzeitig die offenen Tennisfelder gegenüber den Anwohnern ab», wirbt Ernst Zülle. «Die Stadt wird jedenfalls darauf achten, dass die Lärmemissionen durch die Sportler nicht zu gross werden.»

Fussballplätze in den Sternen
Zwischen Tennisanlage und Reka-Dorf gibt es genug Platz für drei Fussballfelder. «Falls die Plätze in Klein-Venedig in 15 oder 20 Jahren tatsächlich verlegt werden müssen, könnten die Fussballspieler hier eine neue Heimat finden», so Ruedi Wolfender vom Departement Gesellschaft. «Bis dahin sollen Landwirte die Pachtflächen extensiv bewirtschaften.» Vorgesehen wären jetzt schon ein Tribünengebäude und ein Clubhaus, ob sie aber jemals realisiert würden, müsse die Zukunft weisen. «Mal sehen, ob wir 2040 immer noch 700 aktive Fussballspieler haben», so Wolfender.

Zuwegung gab zu reden
Das Reka-Dorf und die Tennishalle werden unstrittig zu mehr Auto-Verkehr führen, auch wenn Ernst Zülle betonte, die Feriengäste würde sicher zum Teil mit der Bahn anreisen und Tennisspieler würde bestimmt auch mal mit dem Velo fahren. Der bisherige Velo-Weg soll deshalb auf fünf Meter verbreitert werden, um Mischverkehr Platz zu bieten. Das Reka-Dorf wird eine eigene Tiefgarage bauen, die Tennisspieler sollen vor allem die gerade ertüchtigen Parkflächen am Hörnli mitnutzen.

Ehrgeiziger Zeitplan
Bis 20. September ist der revidierte Gestaltungsplan «Seezelg II» in der Bauverwaltung einsehbar. Im Herbst werden u.a. Anmerkungen aus der kantonalen Vorprüfung eingearbeitet. Danach erlässt der Stadtrat den Plan, er wird er öffentlich aufgelegt. «Es könnte ja für einmal ohne Einsprachen gehen», wünscht Ernst Zülle. Dann spräche der Kanton binnen drei bis fünf Monaten wahrscheinlich seine Genehmigung aus und der Stadtrat könnte den Plan in Kraft setzen. «Mitte 2020 würden die Architekten und Bauherren dann mit gesicherten Vorgaben weiterplanen können.»

Von Inka Grabowsky

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One thought on “Ein Mekka für Sportler am See

  1. Bruno Neidhart

    Die Einzwängung des Fussballsportgeländes zwischen der Bahnlinie und dem (dazu südlich verkleinerten) Schwimmbad ist nur bedingt eine siinnvolle Option für die Zukunft. In diesem Raumangebot ist z.B. kein ansprechender „Platz Nr. 1“ zu erstellen, der Anspruch erheben könnte, auch nur einigermassen die Stadt fussballsportlich zu repräsentieren. Die Ansprüche an eine solche Anlage – ich sage mal flott (und vielleicht erschreckend!) „zukünftiges Städtisches Stadion“ -, sind bereits heute beachtlich, was z.B. allein schon der zuständige Sportverband als Minimalforderung vorträgt (Zu-/Abfahrten, Bauten, Platzumgebung, Abschrankungen, Sicherheitvorgaben, usw.). Dies alles ist platzintensiv.

    Herrn Wolfenders Frage nach der Zahl „aktiver Fussballspieler im Jahr 2040“ ist in diesem Zusammenhang mindestens seltsam. Impliziert das etwa, dass die Stadt warten möchte, bis sie eines Tages für diesen Sport vielleicht kaum mehr zur Verfügung zu stehen hätte? Eine Antwort darauf kann nur lauten: Macht endlich konkret vorwärts mit der Planung – nicht erst übermorgen! Ein gesellschaftlicher Auftrag!

    Somit wäre bereits heute folgende Option aktiv einer Planung zuzuführen, um schliesslich möglichst zügig mit einer in Etappen zu erfolgenden Realiserung zu beginnen (aber „abgesichert“, das da überhaupt gebaut werden darf!):

    1. Das Hauptfeld für die Spiele erster Mannschaften (bei Gelegenheit auch weiterer) bleibt auf Klein Venedig. Hochbauliche Infrastruktur (2 bis 3-stöckig): Längsseitlicher Tribünenbau mit Umkleideräumen und allen Nebenräumlichkeiten entsprechend den Anforderungen. Auf beiden seitlichen Platzseiten, ebenso auf der der Tribüne gegenüberliegend Längsseite: (3-4) Stehstufen.

    2. Auf Seezelg entstehen allgemeine Trainings-und Spielplätze. Hier tragen vorzugsweise „unterer Teams“, sowie Jugendmannschaften ihre Spiele aus. Hochbauliche Infrastruktur (1-2-stöckig): Umkleideräume, Nebenräume (Material, usw.). Ein Spielfeld ausgerüstet mit längsseitlichen Stehstufen.

    Zu: „Städtisches Stadion“ auf Klein Venedig! Eine solche Anlage in stadtensprechender Grösse (3000) stünde der nach wie vor wachsenden, selbsterklärten „Sportstadt“ gut an. Der Umgebungsraum für eine solide Anlage wäre auf Klein Venedig, im Gegensatz zu Seezelg, ausreichend vorhanden. Auf einer solche Anlage könnten auch andere Veranstaltungen durchgeführt werden (wie es heute in vielen Städten üblich ist). Die Platzhoheit und Pflege/Solar, usw., läge bei der Stadt. Sie könnte zum Beispiel auch gleichzeitig das Markenrecht ausüben (etwa: „Städtisches Bauamt-Stadion“!).

    Vision? Ich meine „Nein“! Eher eine ziemlich realstische (und notwendige) Option zur Zukunft zugunsten einer aktiven Stadt und ihrer wachsenden Bevölkerung!!

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