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Das Hörnli – ein Haifischbecken?

Wasserball – Aus heiterem Himmel kam am vergangenen Wochenende die Meldung, der SCK habe seinen Meister-Trainer Benjamin Redder entlassen. Von einer «Meuterei» der Spieler war daraufhin in der Thurgauer Zeitung zu lesen. Die Spieler distanzierten sich postwendend auf der SCK-Webseite – weigern sich aber, Fragen zu beantworten und Licht ins Dunkel zu bringen. Die Kreuzlinger Zeitung hat es trotzdem versucht.

Coach Benjamin Redder wurde ins kalte Wasser gestossen.  (Bild: Gaccioli)

Man kann nur erahnen, was für ein Schlag ins Gesicht diese Entlassung für Chefcoach Benjamin Redder bedeutet. Er hat vier Jahre lang erfolgreich für die Kreuzlinger Wasserballer gespielt. Dann wurde er Trainer, führte die U-17-Mannschaft ebenso wie die 2. Mannschaft zu Meisterschaftssiegen. 2016 wurde er Nachfolger von Trainer-Legende Sirko Röhl. Als Chefcoach der 1. Mannschaft gelang ihm in der vergangenen Saison das Doppel aus Cupsieg und langersehnter Meisterschaft. Seine Bilanz ist also ausgezeichnet: Kreuzlingen ist aktuell die Nummer Eins im Schweizer Wasserball.

Warum also wurde Redder auf der Höhe seiner Karriere entlassen?

Nachfragen bei den Spielern führen ins Leere. Zur Vorgeschichte will sich Kapitän Robin Pleyer nicht äussern. Er verweist auf das offizielle Statement des Vereins: Darin ist von «verschiedenen Vorstellungen wie man weiterhin Erfolg haben will», die Rede. Vager geht es kaum. Doch was hat der Trainer falsch gemacht? Wie sehen die konkreten Meinungsverschiedenheiten aus? Auch dazu keine Antworten.

«Keine Zukuft möglich»
Für den Leiter Wasserball beim SCK, Dominik Egger, jedenfalls eine Sache, die «nicht spurlos an einem vorbei geht», wie er sagt. «Ich kenne Benjamin Redder, seit er als Spieler nach Kreuzlingen kam. Und hinter jedem Trainer steckt immer ein Mensch.» Doch der Wunsch der Spieler nach einer Trennung von Redder, den musste auch er akzeptieren – das schwingt in Eggers Antworten mit, auch wenn er den Schritt offensichtlich sehr bedauert. «In jeder Teamsportart sind es zwei Parteien, welche zusammen einen Weg gehen. Und dazu müssen beide Ja sagen. In dieser Konstellation schien eine Zukunft jedenfalls nicht mehr möglich zu sein.»

Auch Vereinspräsident Max Wicker musste die Entscheidung mittragen. «Aber da ich als Mensch ein ausgezeichnetes Verhältnis zu Benjamin Redder habe, fiel mir diese natürlich äusserst schwer. Er hat es mir aber leicht gemacht, da wir in jeder Phase gut und respektvoll zusammen gearbeitet haben.» Nun wird eine Findungskommission aktiv, um einen Nachfolger zu organisieren.

Nüchtern abgesägt
Für die Spieler scheint der Rausschmiss augenscheinlich eine weniger emotionalere Angelegenheit als für die Offiziellen zu sein. Im Gegensatz zu Coach Redder selbst, der dem Vorgehen ratlos zusehen musste: «Wir wurden Meister und Cupsieger, das schafft man nicht, wenn man nicht gut zusammenarbeitet», sagt er zur Vorgeschichte. Anzeichen von Meinungsverschiedenheiten habe es nicht gegeben: «Ich war sehr überrascht und hätte nie damit gerechnet.» Wie fühlt er sich nach der ganzen Sache? «Es ist schwer, das zu verdauen und wird sicher noch lange dauern. Meine Familie fängt mich auf, aber auch sie ist schwer erschüttert von der Art und Weise der Trennung.»

Für den ausgebildeten Sportlehrer wird das Leben nach 26 Jahren Wasserball nun erstmals ohne weitergehen. «Meine Kinder freuen sich, dass der Papa so oft zu Hause ist», sieht er das Positive der neu gewonnenen Freizeit.

Seiner Liebe zum Wasserball und zum SCK wird selbst dieser unschöne Abschied nichts anhaben können, sagt er abschliessend: «Den SCK werde ich immer im Herzen tragen. Zwölf Jahre lang habe ich versucht, dem Verein zu geben, was in meiner Macht steht. Wer weiss, wann das wieder gefragt wird …»

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Ein Gedanke zu „Das Hörnli – ein Haifischbecken?

  1. Bruno Neidhart

    Das Haifischbecken ist zugefroren. Wer enteist es? Einfach auf die Tagesordnung übergehen und weiter siegen? Wasserballbewegte bräuchten schon noch zusätzliche Informationen. Offene Gesellschaft: „Die kritische Fähigkeite des Menschen freisetzen“ (nach Karl Popper). Betrifft auch den Sport.

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