/// Rubrik: Polizeimeldungen | Topaktuell

Der Kanton Thurgau hat schweiz­weit am wenigsten Polizisten

Region – Der Regierungsrat des Kantons Thurgau legt dem Grossen Rat eine Botschaft vor betreffend Erhöhung des Bestandes der Kantonspolizei innert zehn bis zwölf Jahren von heute 384 auf maximal 475 Polizistinnen und Polizisten. Die Erhöhung ist notwendig, da die Polizeiarbeit komplexer und anspruchsvoller geworden ist. Zudem ist die Bevölkerung im Kanton Thurgau deutlich gewachsen.

Regierungsrätin Cornelia Komposch und Jürg Zingg, Kommandant der Kantonspolizei
Thurgau, präsentieren die Botschaft zur Erhöhung des Bestandes der Kantonspolizei. (Bild: zvg)

Die Kantonspolizei Thurgau ist eine gut aufgestellte Organisation, die bei Bevölkerung und Behörden in hohem Masse akzeptiert ist. Die Polizeiarbeit wird jedoch immer komplexer, die Belastung und die Anforderungen an die Polizistinnen und Polizisten steigen. In einem Reorganisationsprojekt hat die Kantonspolizei die aktuellen und künftigen Herausforderungen erhoben und bewertet. Organisation, Aufgaben, Abläufe und deren Wirkung wurden überprüft, und es wurden erste Schritte zur Optimierung umgesetzt. Ein Beispiel für eine solche Effizienzsteigerung ist die Straffung des Postennetzes Anfang 2019. Im Rahmen der Reorganisation wurde Handlungsbedarf in sechs Themenfeldern definiert: «Prävention», «Einsatzbewältigung», «Cybercrime», «Gefährder und Extremisten», «Dienstleistung und Support» sowie «Doktrin und Kompetenz».

Starkes Bevölkerungswachstum – niedrigste Polizeidichte

Innerhalb von zehn Jahren ist die Wohnbevölkerung im Kanton Thurgau um fast 15 Prozent gewachsen. Am 1. Januar wies die Kantonspolizei Thurgau bei 385 Polizistinnen und Polizisten einen minimalen Überbestand aus. Bei 276’000 Einwohnerinnen und Einwohnern resultiert eine Polizeidichte von 1:717 (1 Polizist je 717 Einwohner). Somit rangiert der Kanton Thurgau bei der Polizeidichte nach wie vor an letzter Stelle aller Kantone – und dies, obwohl die Kantonspolizei Thurgau neben der «klassischen» präventiven und repressiven Arbeit mit ihren seepolizeilichen Tätigkeiten, Bewältigung der Grenzkriminalität und einem Bundesasylzentrum zusätzlich ausserordentliche Aufgaben zu bewältigen hat. Zudem ist auch in den kommenden Jahren von
einem weiteren Anstieg der Wohnbevölkerung im Kanton Thurgau auszugehen.

Mehr Menschen, mehr Fahrzeuge: Mit sechs Polizeipatrouillen, wie sie heute jeden Tag
rund um die Uhr im Kanton unterwegs sind, können die Bedürfnisse und Erwartungen
der Bevölkerung nicht mehr erfüllt werden – deshalb muss die Kantonspolizei ihre
Basisversorgung und damit die sichtbare Polizeipräsenz im ganzen Kanton ausbauen.
Gleichzeitig hat sich die geografische und technische Mobilität stark verändert. Auch in
Zukunft ist mit einem steigenden Fahrzeug- und Verkehrsaufkommen zu rechnen.
Zudem hat die Zahl der Grossveranstaltungen, bei denen für die Sicherheit des
Publikums eine starke polizeiliche Präsenz benötigt wird, deutlich zugenommen.

Digitalisierung und technologische Entwicklung

Die Digitalisierung der Gesellschaft und die technologische Entwicklung haben massive
Auswirkungen auf die Polizeiarbeit; deren Komplexität hat zugenommen und wird weiter
zunehmen. Dies gilt im Umgang mit den eigenen Einsatz- und Arbeitsmitteln und
aufgrund der weitverbreiteten Nutzung neuer Technologien im Allgemeinen sowie bei
der Begehung von Straftaten im Speziellen. Nicht alleine die Internet-Kriminalität stellt
die Kantonspolizei vor neue Herausforderungen: Bei jeder polizeilichen Tätigkeit, an der
Front oder im Support, sind die Polizistinnen und Polizisten mit digitalen Geräten
konfrontiert, und bei fast jedem Unfall oder Delikt gibt es digitale Spuren, die gesichert
und ausgewertet werden müssen.

In allen Bereichen der Polizeiarbeit kommt der Qualifikation aller Mitarbeitenden eine
zentrale Rolle zu – das heisst, die Kantonspolizei wird in Zukunft noch mehr in die
Kompetenzen ihrer Mitarbeitenden investieren müssen. Grosser Handlungsbedarf
besteht im rückwärtigen Bereich. Auch im Support hat die Komplexität der Aufgaben mit
der technologischen Entwicklung der Systeme und Geräte zugenommen.

Vor diesem Hintergrund beantragt der Regierungsrat beim Grossen Rat einen Ausbau
des Korpsbestandes um 91 Polizistinnen und Polizisten über einen Zeitraum von zehn bis zwölf Jahren. Ausserdem sollen 25 zusätzliche Stellen für Zivilangestellte
geschaffen werden. Die jährlich wiederkehrenden Mehrkosten nach einer vollständigen
Umsetzung der Bestandserhöhung betragen rund 16,3 Millionen Franken.

Derzeit beschäftigt die Kantonspolizei Thurgau 453 Mitarbeitende. Von den 384
Polizistinnen und Polizisten (Sollbestand) arbeiten mehr als die Hälfte in der
Regionalpolizei mit den 16 Polizeiposten. Die anderen sind in der Kriminalpolizei, der
Verkehrs- und Seepolizei, der Einsatzabteilung, der Abteilung Kommunikation und
Prävention sowie in den drei Support-Abteilungen tätig.

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