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Das allmähliche Verschwinden der Seezelg

Leserbrief – «Zelg» bedeutet Ackerland, bewirtschaftete Fluren; spätestens aber nach der Präsentation von «Seezelg II» ist klar, dass sich im Gebiet Chogenbach - Grenze Botttighofen einschneidende Massnahmen ankündigen.

Lerserbrief (Bild: Archiv)

Wer vom Radweg her auf Raps- Zuckerrüben- Soja- oder Sonnenblumenfelder schaute, muss sich umstellen, denn dieser weitläufige Landstrich am See wird künftig seinem Flurnamen nicht mehr gerecht. Erklärte Absicht der Stadt ist es, an seiner Stelle ein quasi verlockendes Freizeitparadies aufzubauen, oder, wie es am Infoabend sinnigerweise hiess, die Grünflächen zum «Mekka des Sportes» werden zu lassen!

Die Planer haben für die verschiedenen Parzellen ganze Arbeit geleistet: Schon bald wird eine grosse Tennishalle mit vier Innen- und ausserdem sechs Aussenplätze entstehen. Angedacht sind neu drei Fussballplätze, davon einer gar mit Tribüne und darüberhinaus im Osten das hochgelobte Reka- Ferienzentrum, welches mit 70 Wohnungen einen zweifelhaften Akzent so nahe am See setzen wird. Der zu erwartende Freizeitbetrieb auf diesem Areal wird trotz allen Beteuerung das Gebiet belasten und kann für Natur und Fauna wenig bewirken. Die nötige Erschliessung für Autos, Fussgänger und Radfahrer erfolgt in Fortsetzung der neuen Strasse beim Schwimmbad. Dabei sind Konflikte mit dem internationalen Radweg vorauszusehen; doch in Sachen Langsamverkehr versagt die Planung einmal mehr.

Insgesamt bringt diese zentralistische Freizeitplanung neuen Druck auf das Seeufer; sie bringt Lärm- und Lichtimmissionen und verzichtet ohne erkennbaren Grund auf bestehende Fussballplätze im Döbeli, bei der Arena und auf die Tennisanlage am Rande des Seeburgparks.
Just in diese Planungszeit von grossflächiger Verdichtung der Böden in der Seezelg fällt die Nachricht, dass Lebensräume und Brutplätze für die Vögel am Bodensee erschreckend zurückgingen, weil die Insekten fehlten. Die ganze Seezelgplanung nimmt auf solche Alarmzeichen in keiner Weise Rücksicht; der vorgelegte Gestaltungsplan atmet einen Geist des Immer-noch-mehr; er zerstört Tausende von Quadratmetern an gewachsenen Böden und setzt sich über den dringenden Erhalt von Hecken und einem naturbelassenem Seeufer und der Schaffung von Ersatzflächen hinweg.

Eine Korrektur ist angesagt – spätestens an der Urne!

Ernst Frischknecht, Kreuzlingen

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2 thoughts on “Das allmähliche Verschwinden der Seezelg

  1. Bruno Neidhart

    Dass auf „Seezelg“ dereinst Fussballplätze entstehen könnten, Herr Ernst Frischknecht, ist seit rund 20 Jahren bereits Akten- und Plankundigen bekannt. Selbst eine veritable Tribünenzeichnung existiert (auf Blog „Hafetschutter“ nachzuschlagen). Zu der Zeit war weder von einer starken Erweiterung der Tennisanlage gross die Rede, schon gar nicht von einem „Feriendörfli“ (letzteres ein Produkt der „Netzle-Zeit“). Im Verlauf wurde dann auf die „Tribüne“ (1000 Sitzplätze!) mit dem Verweis verzichtet: „Zu dezentral gelegen“ (übrigens ist in der Ur-Zeit der Kreuzlnger Fussballszene schon einmal seenah gekickt worden – beim Seegarten!).

    Die Fussballfelder auf Seezelg blieben all die Jahre weiterhin im Plan bestehen. Bis eben heute. Ur-Motiv: Wenn auf Klein Venedig die Plätze eines Tages wegfallen sollten, wäre Seezelg eine Alternative. Der auf Klein Venedig spielende FCK hängt leider durch diese Unsicherheit „schon seit ewigen Zeiten“ in der Luft. Wie lange er hier noch Gastrecht haben kann, weiss niemand. Derzeit ist die Formel der Stadtbehörde so ausgelegt: „Nicht vor (weiteren!) 15 Jahren sei eine Verlegung der Plätze vorstellbar. Somit herrsche Planungssicherheit“ (!). Aufgrund der ungeklärten Situation machte ich bereits 2016 den Versuch, mal abzuklären, was sich denn auf Seezelg (und Umgebung), wo bereits heute viele Sportangebote bestehen, für den Fussballsport noch übrig bleiben könnte, wenn eines Tages auf Klein Venedig tatsächlich „Schluss“ sein müsste (Blog „Hafetschutter“ unter: „Eine FCK-Arena für Jahrzehnte, eingebettet in einen Sport- und Freizeitpark Seezelg Kreuzlingen“, Texte/Bilder). Meine optimale (mit Sporthotel!) Vorstellungen berücksichtigten (durch Unwissenheit) allerdings nicht die realen Besitzverhältnisse in diesem Gebiet.

    Seezelg wäre in der Tat noch die einzige Möglichkeit, fiele Klein Venedig weg, „im unteren Teil von Kreuzlingen“ noch eine Fläche zu finden, welche gross genug wäre, um einen Flächensport betreiben zu können. Im Döbeli lässt sich bekanntlich das Angebot nicht stärker erweitern, als auf die bescheidene Art, wie es nun die Stadtbehörde dem dortigen AS Calcio versprechen konnte (Die Stadt Konstanz kann dort historisch mitbestimmen). Solange also Kreuzlingen – die Stadt – nicht imstande ist, konkrete Pläne für Klein Venedig vorzulegen, wie das (innenstadtnahe!) Gebiet auf Jahrzehnte hinaus zu gestalten wäre, ist für den Fussballsport die Option Seezelg unabdingbar, Herr Ernst Frischnecht. Das muss man einfach so sehen. Oder haben Sie eine andere Lösung? Dabei verstehe ich Ihre „naturbezogenen Bedenken“ durchaus!

    Es ist tatsächlich markant, wie Sie feststellen, dass nun zusätzlich mit der Erweiterung der Tennisanlage, besonders jedoch durch Reka (!), eine starke Verdichtung durch unterschiedliche Anlagen in diesem seenahem Gebiet entstehen könnte, die einige Bewegung (in die Umwelt) bringen dürfte. Der Stadtrat versucht aus diesem Bewusstsein heraus schon mal auf „Renaturierung“ zu verweisen, die das Ganze abmildern soll. Was Reka betrifft, so hätte meines Wissens eine solche Familien-Ferienanlage ev. auch in Altau entstehen können. Es wäre wohl – nach heutiger Erkenntnis -, aus mancherlei Gründen sinnvoller gewesen. Auch regional-entwicklungspolitisch. Wie der „Deal“ zwischen Reka, Bottighofen (Mühle) und der damaligen Stadtbehörde diesbezüglich „lief“, entzieht sich meiner Kenntnis.

    Was ein Ausufern einer Fussballsportanlage auf Seezelg betreffen würde – Herr Ernst Frischknecht (Ihre Tribünenangst) -, so darf ich Sie beruhigen. Das Rest-Gebiet, das durch die Einengung zwischen Tennis-, Schwimmbad-, Bahn-, See- und Reka-Anlage noch für diesen Flächensport vorgesehen ist, eignet sich schlecht dazu, hier noch eine (sportstadtgerechte) Fussballanlage (mit allem drum und dran) erstellen zu wollen. Es könnten hier aus meiner Sicht lediglich (oder immerhin noch) einfache Trainings- und Spielplätze erstellt werden, nicht jedoch eine repräsentative Anlage mit einem stadtgerechten Hauptspielfeld. Dazu reicht weder der Raum, noch u.a. die (wichtigen) Zu-und Abgangsmöglichkeiten aus. Daher plädiere ich heute (nach neuesten Erkenntnissen), das Hauptspielfeld als schönes, kleines „Städtisches Stadiönli“ innenstadtnah auf Klein Venedig zu planen und zu realisieren. Eine solche Anlage wäre auch für andere Veranstaltungen (ausserhalb sportlicher „Events“) sinnvoll nutzbar. Ein veritabler Zugewinn für die Stadt.

    Wieweit sich der „Familienbetrieb Reka“ auf Seezelg wohlfühlen würde (Güterzüge, Licht von Lichtmasten, Sportllärm, usw.), sei der Betreiberorganisation überlassen. So „gmögig“, wie z.B. in Urnäsch, wird es aber wohl nicht hergehen! Bei der Alternative Altnau wären die Voraussetzungen womöglich einiges „gesünder“. Aber vielleicht reizte einfach der attraktive Zusammenhang Kreuzlingen-Konstanz und Umgebung als – für die Organisation – ungewöhnlicher Versuch, es auch mal „urban“ probieren zu wollen. Und auf diesen Zug sprangen schliesslich Stadtrat und „Mühle-Bottghofen“ auf. Dass dieser urbane Zug für zukünftige Nutzer sogar attraktiv sein könnte – nun, davon gehe ich aus. Rousseau modern!

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  2. Fabian Munz

    Das Rekadorf am Bodensee werden alle Naturfreunde schätzen und gerne haben. Wir werden nicht nur die sichtbare und unsichtbare Artenvielfalt durch Vernetzungskorridore stärken, sondern auch heimische Bäume pflanzen, welche dem lokalen Wald gut tun werden. So, dass das Stück Land am See wieder mehr zu dem werden kann, bevor man diesem überhaupt den Namen Seezelg gab. Die Bewirtschaftung zentriert sich, da haben Sie recht. Dies wirkt sich aber besonders bei uns positiv auf die Umwelt aus, da die Siedlung verdichtet an der Bahnlinie entstehen soll. Das Ufer wird durch die ökologische Renaturierung wieder frei atmen können und durch eine ökologische Dämmung direkt vor der Siedlung geschützt. Der Wald bleibt bestehen und der Boden wird durch die sich ausweitende Sukzessionsfläche an wertvollen Nährstoffen gewinnen. Nitrate und Pestizide von der ehemaligen Landwirtschaft stammend, werden sich mittel- bis langfristig auflösen, was wiederum den Insekten und damit auch den Vögeln zu Gute kommt. Die Artenvielfalt gewinnt und wir leisten damit auch einen Beitrag für gutes Trinkwasser. Felder werden weiterhin, vor allem in der langfristigen Zwischennutzung, einen schönen Anblick bieten, allerdings landwirtschaftlich extensiviert, was hier doch auch vernünftig ist.

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