/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

Etwas «härter»

Kreuzlingen – 18 Monate bedingte Freiheitsstrafe wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung erhielt ein junger Mann vom Bezirksgericht Kreuzlingen. Auf Antrag des Opfers verhandelte das Gericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit (einschliesslich Medien) den Fall, in dem der Beschuldigte laut Anklage mit seinem Opfer insgesamt viermal gegen dessen Willen den Geschlechtsverkehr ausgeübt und es zu weiteren sexuellen Handlungen genötigt haben soll.

(Bild: Archiv)

Der Beschuldigte soll laut Anklage das Opfer am Ende ihrer (langjährigen) Beziehung in vier Fällen zu nicht einvernehmlichem Geschlechtsverkehr und sexuellen Handlungen gezwungen haben; dabei filmte er die sexuellen Handlungen bei drei der vier Anklagepunkte. Das Opfer teilte anlässlich der Hauptverhandlung sein Desinteresse an einer Verurteilung des Beschuldigten mit und zog den Strafantrag wegen Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnahmegeräte und alle Anträge betreffend Schadenersatz- oder Genugtuungsansprüche zurück. Ferner machte es von seinem Recht Gebrauch, nicht über die Vorfälle sprechen zu müssen.

Umstrittene Rollenspiele
Umstritten war, ob es sich bei den Gewaltanwendungen um gespielte oder echte Gewalt handelte. Laut dem Beschuldigten waren die sexuellen Handlungen einvernehmlich; das Opfer hätte jederzeit die Möglichkeit gehabt, zu intervenieren. Die Handlungen seien auf Wunsch des Opfers und nach vorgängiger Absprache etwas «härter» ausgefallen. Man habe vorgängig besprochen, was man machen möchte, und hinterher die Videos zusammen angeschaut. Ausserdem hätten sie nach einem der Vorfälle zusammen gebadet und auch zusammen in einem Bett geschlafen.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass bei einem der Vorfälle die sexuellen Handlungen und der Geschlechtsverkehr zumindest zeitweise nicht im Einverständnis mit dem Opfer stattgefunden hatten. Bei den drei weiteren Anklagesachverhalten erkannte das Gericht keine Anwendung von physischer oder psychischer Gewalt. Es ging zugunsten des Beschuldigten davon aus, dass er – auch aufgrund der langjährigen Beziehung – nicht davon ausgehen musste, das Opfer habe die sexuellen Handlungen mit ihm nicht gewollt; zumindest habe es diese gebilligt.

Das Bezirksgericht verurteilte den nicht vorbestraften Beschuldigten zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Der Entscheid ist rechtskräftig.

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.