/// Rubrik: Leserbriefe | Topaktuell

Liebe Leute, wachet auf!

Leserbrief – Ueli Trösch aus Tägerwilen hat uns eine Fotomontage geschickt mit der Frage: «Soll unsere schöne Landschaft in Zukunft wirklich mit solchen Ungetümen besetzt werden?

Fotomontage von Ueli Trösch aus Tägerwilen.

Lassen wir uns wirklich unsere noch intakten Naherholungsgebiete derart verunstalten? Sind wir wirklich bereit, unseren schönen Thurgau der Windlobby zu opfern? Werden nicht unsere Kinder dereinst uns dafür anklagen? Sechs Windpotenzialgebiete für insgesamt 33 Windkraftanlagen stehen im Thurgau zur Diskussion. Am 20. September entscheidet die Raumplanungskommission darüber und anschliessend der Grosse Rat. Stimmen sie zu, steht der kostspieligen und lange andauernden Projektierung durch Windenergiefirmen nichts mehr im Wege.

Keine andere Energieproduktionsmethode hat ein solch grosses Potenzial zur nachhaltigen massiven Beeinträchtigung unserer Landschaft, der Tierwelt, der Natur und von uns Menschen wie Windkraftanlagen. Das Bild vom Schloss Weinfelden zeigt, was auf uns zukommen wird. Da braucht es keine weiteren kontroversen Diskussionen zu Immissionen, Wirtschaftlichkeit, Windstärke, Vogelsterben, Eiswurf, Lärm, Infraschall, Abstandregelungen usw., allein das Bild genügt. Unsere Landschaft wird nicht mehr sein, was sie war. Dabei fordert der Regierungsrat in seiner Strategie 2040 einen langfristig orientierten, schonenden Umgang mit dem ländlichen Raum und will dieser Landschaft Sorge tragen. Was für ein Widerspruch!

Haben wir Volksvertreterinnen und Volksvertreter gewählt, die Sand in den Augen haben, mutlos der Botschaft des Regierungsrates folgen und sich vor die Windlobby spannen lassen mit dem fadenscheinigen Argument, wir hätten doch der Energiestrategie 2050 zugestimmt, das sei nun halt die Konsequenz? Oder haben wir Politiker gewählt, die noch gesunden, klaren Verstand sowie den Mut haben, gegen diese unsagbare Absicht zu entscheiden. Denn in der Schweiz gibt es eine Alternative: Sonnen- und Wasserkraft, wie eine hoch aktuelle Studie belegt!

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3 thoughts on “Liebe Leute, wachet auf!

  1. Bruno Neidhart

    Ich muss mit Ihrem letzten Satz beginnen, Herr Ueli Trösch. Es rennen selbstverständlich auch „Sonnnen- und Wasserkraftlobbyisten/-lobiistinnen“ zuhauf herum! Lobbyismus ist kein Privileg nur der Windkraft. Bern wimmelt. Ich verstehe Ihre Problemstellung gut, möchte jedoch betonen, dass, wenn Sie von „massiver Beeinträchtigung unserer Landschaft, der Tierwelt, der Natur und von uns Menschen“ schreiben, die mit solchen Anlagen verbunden seien, sein können, es tatsächlich sind, es bei der Elektrokraftgewinnung immer „kolaterale Schäden“ geben wird – und gegeben hat!

    Ich möchte dies nur anhand von drei Beispielen kurz erwähnen: 1. Sihlsee (flächenmässig grösster Stausee der Schweiz), u.a. mit Verlust grosser Flach- und Hochmoorgebiete. 2. Mamorera, Kultureller Verlust eines bereits im Mittelalter besiedelten Talraums (mit Kirche, Schulhaus, 29 Wohnhäuser, 52 Ställe). 3. Rheinau, Verlust einer natürlichen Stromlandschaft im Bereich einer Stromschleife um historische Kulturbauten herum.

    Wobei zu erwähnen bleibt, dass in allen drei Gebieten sich „Lobbyisten“ eine gesellschaftlich günstige Situation zunutze machen konnten: Beim Sihlsee Arbeitslosigkeit, bei Marmorera das Ende der Postkutschenzeit, bei Rheinau u.a. das wirtschaftliche „Zückerli“ einer Verlängerung der Rheinschifffahrt ab Basel. Gegen das Rheinau- Projekt (CH/D) wurden 60’000 Unterschriften nach Bern überstellt. Letztlich stimmten gerade mal gut 30 % der Stimmberechtigten Schweizer für den Schutz dieser Stromlandschaft. Sieht man heute den traurigen Zustand der Rheinschleife um die Rheinauer Klosergebäude herum, kann man dies kaum glauben. Doch da sich die Schweiz gesamtwirtschaftlich wohl noch immer weiter entwickel möchte, braucht es eben auch mehr Strom. Und wenn man autark sein will, ist der Hang zu Kompromissen gross (Zu sehr von der Leipziger Srombörse abhängig sein, wollen die Stromanbieter wohl auch nicht).

    Es bliebe noch zu erwähnen, dass Kraftwerke ganz allgemein für einen Ort, eine Region, nicht unerhebliche Einnahmen bedeuten können. Auch entstehen in der Regel langsfristig sichere Arbeitsplätze. Somit werden nicht selten Kompromisse gemacht, die sich dann eben letztlich (mehr oder weniger) gegen die Natur, die Tierwelt, den Menschen, die Landschaftsästhetik, gegen den Menschen richten können. Ein ziemlich fataler Weg.

    Ob man heute noch mit „gut zureden – oder Geldversprechen!“ so einfach „Lobby-Handel“ betreiben kann, ist insofern fraglich, als die drei oben erwähnten Werke, wie erwähnt, besonders zeitbedingt entstehen konnten. Heute geht es der Schweiz gut bis sehr gut. Und das „Bewahren“ dessen, was besonders „Landschaft“ ausmacht – einige sprechen von „Seele“ – ist womöglich besser ausgeprägt als früher (So ganz sicher bin ich mir allerdings nicht, wenn ich z.B. den gigantischen Walliser Bergbahnbau bis auf fast 4000 Meter als Referenz nehme! – dies nebenbei).

    Ihre beiden Windräder, Herr Ueli Trösch, die sie hoch über das Schloss Weinfelden schweben lassen, müssten (theoretisch) in der Nähe des Stelzenhofs gebaut sein – oder? Ob es im Thurgau überhaupt windgünstige Gegenden gibt, bei denen die Landschaft – mindestens von der ästhetschen Seite her beurteilt -, durch Windräder nicht sehr stark verunstaltet werden könnten, entzieht sich meiner Kenntnis. Sicher ist nur: Je höher eine Anlage zu stehen kommt und je höher sie gebaut ist, umso effektiver erzeugt sie Strom (was wiederum bedeutet, dass der Landbesitzer – sagen wir ihm einmal „Herr Bauer“ – höhere Einnahmen hätte!). Da im kleinräumlichen Thurgau wohl besonders Höhenlagen solche Anlagen aufzunehmen hätten, bräuchte es eine schier unendliche Portion Sorgfalt, um auch nur einen Bruchteil der Befürchtungen von Ihnen, Herrn Ueli Trösch, nicht aufkommen zu lassen. Doch politisch besteht womöglich eine Verpflichtung gegenüber der Gesamtschweiz. Es mag schon sein, dass Windkraftanlagen z.B. auf eher abgeschiedenen Jurahöhen landschaftsräumlich gesehen vielleicht nicht vergleichbar wären mit Anlagen auf dem Ottenberg, Wellenberg oder Kohlfirst. Aber letztlich düfte es eben zu politischen Kompromissen zugunsten der Gesamtschweiz kommen. Ein schwieriges Feld.

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    1. Claudio Graf

      Hier wird der Windkrafträder wegen nur wirtschaftliche Argumentation geführt, die Gesundheit von Fauna, Tier und Mensch bleibt aussen vor. Das ist Täuschung der Leser und Stimmbürger, die von den Risiken vorsätzlich ferngehalten (dumm gehalten) werden. Infra-Schall ist ebenso Schwingung wie 5G-Technologie, wie Mikrowellen-Ofen, wie Elektrosmog, wie Hochspannungsleitungen, wie BlueTooth, wie WLAN, die alle ausnahmslos auf das Wohlbefinden (notabene die Gesundheit) negativ auswirken. Anderslautende Studien sind nicht wissenschaftlich unterlegt, sondern reine Propaganda der Lobby und wenn nicht bereits der Zweifel an solchen Aussagen (Lügen) genug Grund dazu gibt, dass man der Sache fundiert nachgeht, dann ist den Menschen nicht mehr zu helfen.
      Wacht endlich auf und nehmt Zweifel und Widersprüchliche Aussagen als Aufforderung wahr, das abzuklären und zu erkennen, wem die Sache schlussendlich nützt. Der Schein-Nutzen für die angebliche Stromversorgung auf Kosten der Volksgesundheit ist jedenfalls nicht gerechtfertigt.
      Es gibt auch noch ein strafrechtliche Seite zu beachten: Unterlassung oder Förderung für oder gegen gesundheits-schädigende Massnahmen ist bereits in der Definition nach Art. 122 StGB »qualifizierte Körperverletzung«, welche von Amtes wegen verfolgt werden müsste.

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    2. Ueli Trösch

      Sehr geehrter Herr Neidhart
      Auf dem Ottenberg ist ein Windpark mit sechs über 200 Meter hohen Windrädern verteilt auf vier Kilometer vorgesehen, sofern der Grosse Rat im November zustimmt. Die zwei Windräder auf der Visualisierung stehen 300 Meter nördlich vom Schloss im Wald und 250 Meter südöstlich vom Weiler Dattenhub, ebenfalls im Wald.

      Eine Bemerkung zu Ihrem Beispiel Sihlsee: 1937 erbaut, entspricht dieses Werk dem damaligen Zeitgeist. Ein Hochmoorgebiet musste für den Energiebedarf geflutet und Menschen umgesiedelt werden. Undenkbar, dass dies heute eine Mehrheit erhielte. Doch nun erfreut sich die Gegend einer beliebten Wohn-, Ausflugs-, Freizeit- und Erholungsfunktion, es gibt keine nachhaltigen Immissionen und die Landschaft ist in harmonischem Zustand. Ich denke, niemand wünscht sich den Urzustand zurück. Zudem liefert das Werk seit 82 Jahren ununterbrochen und verlässlich jederzeit abrufbaren Strom im Umfang von 270 GWh jährlich.

      Für die gleiche Leistung wären 54 Windkraftwerke von ca. 180-200m Höhe mit einer durchschnittlichen Jahresleistung von 5 GWh notwendig (Haldenstein bei Chur produziert 4,3 GWh Jahresdurchschnitt). Diese 54 Windkraftwerke hätten für ihre Fundamente doppelt so viel Beton gebraucht wie die Staumauer des Sihlsees und hätten in den 82 Jahren 3-4 x erneuert werden müssen. Nicht zu vergessen ist der immense Platzbedarf. Pro WEA werden mind. 10ha Raum gebraucht, was heisst, dass für 54 Windkraftwerke eine Fläche von 5,4 km2 benötigt wird. Dazu ist Windstrom Flatterstrom, also nicht jederzeit abrufbar oder dann im Überfluss vorhanden, die Durchschnittsleistung also trügerisch. Abgesehen davon würden die umliegenden Gemeinden permanent mit Rotorlärm, Infraschall, Schattenwurf usw. penetriert. Von Wohn-, Ausflugs-, Freizeit- und Erholungsfunktion der Gegend könnte keine Rede mehr sein, im Gegenteil.

      Die wichtige Frage ist, ob es Alternativen zur Windkraft gibt. Ja, die gibt es, wie eine hochaktuelle Studie belegt (PlusEnergieBau-Gebäudestudie 2019): Mit Solar- und Wasserkraft wäre der gesamte Energiebedarf der Schweiz abdeckbar.
      Tipp: Fahren Sie mal nach Hilpensberg, 25 km nördlich von Konstanz. Dort wurden 2017 drei Windkraftwerke von 200 Meter Höhe in Betrieb genommen. Nähern Sie sich zu Fuss ab 1 km Distanz. Wetten, dass Ihr Denken ändert.

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