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Lohngleichheit chancenlos?

Kreuzlingen – 868 Personen haben in weniger als drei Monaten die Petition «Gleicher Lohn für gleiche Arbeit» der SP Fraktion Kreuzlingen unterschrieben. Viel konnten sie nicht bewirken, denn der Gemeinderat war bereits mit einer knappen Mehrheit im Jahr 2018 gegen die Unterzeichnung der Charta. Dem zu widersprechen entspräche nicht seinen Grundprinzipien, so die Stellungnahme des Stadtrats. Die SP-Fraktion bedankt sich dennoch für die grosse Unterstützung in der Bevölkerung.

Lohnungleichheit zieht sich durch alle Branchen und macht auch keinen Halt vor dem öffentlichen Sektor. (Bild: Werner Heiber/Pixabay)

Am 15. März 2018 reichte Gemeinderätin Charis Kuntzemüller-Dimitrakoudis im Namen der Fraktion SP/GEW/JUSO beim Stadtrat ein Postulat zum Thema Lohngleichheit im öffentlichen Sektor ein. Der Kreuzlinger Stadtrat stand voll und ganz hinter der Sache, nahm ausführlich Stellung und empfohl dem Gemeinderat die Annahme des Postulats. Er wollte mit der Unterzeichnung der Charta ein Zeichen setzen. An der Sitzung vom 15. November 2018 hat der Gemeinderat das Postulat nach einer eingehenden Besprechung abgelehnt.

Erneuter Appell an den Stadtrat
Rund ein Jahr später, am 25. März, ging bei der Stadt Kreuzlingen eine Petition zur Lohngleichheit bei Frau und Mann ein. Mit «Gleicher Lohn für gleiche Arbeit» appellierte die SP-Fraktion Kreuzlingen erneut an den Stadtrat. Er soll die Charte der Lohngleichheit im öffentlichen Sektor doch noch unterschreiben und damit gegen Lohndiskriminierung einstehen.

Der Stadtrat antwortete darauf am 26. Juni, dass er weiterhin hinter den Grundanforderungen der Charta steht. Weiter ist er auch bereit, als gutes Beispiel voranzugehen und sich sichtbar zu engagieren, sowie nach den Punkten dieser Charta zu handeln und zu leben. Dafür benötige es keine Unterschrift unter die Charta.

Urteil nicht bindend
Auch wenn der Entscheid des Gemeinderates in diesem Fall nicht bindend ist, möchte sich der Stadtrat nicht über dessen Urteil hinwegsetzen. «Ihre erneute Petition mit der Aufforderung, die Charta doch zu unterzeichnen, widerspricht unserem Demokratieverständnis», antwortete der Stadtrat auf die Forderung der SP Fraktion.

Der Entscheid des Gemeinderats müsste durch die nächsthöhere Instanz bestätigt oder korrigiert werden. In diesem Fall wäre das eine Volksabstimmung.

Neubewertung legitim
Für die SP-Fraktion stellte der grosse Zuspruch, durch die 868 in rekordverdächtiger Zeit gesammelten Stimmen, einen Grund dar, über den Entscheid des Gemeinderats hinwegzusehen. Alleine schon der schweizweit abgehaltene Frauenstreik vom 14. Juni, mit mehreren Hunderttausend Frauen und Männern, legitimiere bereits eine Neubewertung des Gesuchs.

Gemäss dem Bundesamt für Statistik erhalten Frauen monatlich für gleichwertige Arbeit und mit selbem Pensum im Durchschnitt 1455 Franken weniger als ihre männlichen Arbeitskollegen. 56 Prozent der Fälle können durch Faktoren wie berufliche Stellung, Ausbildungsniveau oder Dienstjahre erklärt werden. Die restlichen 44 Prozent beinhalten keine objektive Begründung.

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One thought on “Lohngleichheit chancenlos?

  1. schiesser

    «Ihre erneute Petition mit der Aufforderung, die Charta doch zu unterzeichnen, widerspricht unserem Demokratieverständnis», antwortete der Stadtrat auf die Forderung der SP Fraktion.“ Da hatten wir ja vor ein paar Jahrzehnten total Glück, dass diese Haltung nicht von allen geteilt wurde. Sonst gäbe es noch heute kein Frauenstimmrecht in der Schweiz. Spätestens als die Abstimmung 1959 verloren ging, hätte man das Frauenstimmrecht endgültig zu den Akten legen müssen, hätte man sich an die Maxime des Kreuzlinger Stadtrats gehalten, wonach „die erneute Petition“ seinem Demokratieverständnis widerspricht. Man darf also nicht gescheiter werden – eine einmal gefällte Entscheidung muss auf anscheinend jeden Fall erhalten bleiben.

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