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Politik aus bürgerlicher Sicht

Kreuzlingen – Ständeratskandidat Jakob Stark moderierte vergangenen Samstag einen Polittalk in den Hallen der Neuweiler AG. Dazu lud er zusammen mit Christian Neuweiler Thurgauer Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft ein.

Der Polittalk wurde von Regierungsrat Jakob Stark (m.) moderiert. (Bild: Sandro Zoller)

Um 11.15 Uhr drückte der Kameramann des Kreuzlinger Fernsehens die Aufnahmetaste. Ständeratsanwerter Jakob Stark befragte die Gäste zur Wirtschafts- und Bildungspolitik, Altersvorsorge (AHV/BVG) sowie Gesundheitspolitik. Mit dabei waren Oliver Dürr, Managing Director der GDELS-Mowag GmbH, Mitinhaberin und Delegierte des VR der Ernst Fischer AG, Nationalrätin SVP Diana Gutjahr, CVP Ständerätin Brigitte Häberli, SVP Nationalrätin Verena Herzog und Christian Neuweiler, Mitinhaber und CEO der Neuweiler AG und Präsident des IHK Thurgau. Weiter auf der Bühne standen Pascal Schmid, Rechtsanwalt, Bezirksgerichtspräsident, Kantonsrat und SVP Nationalratskandidat sowie FDP Nationalratskandidat Attila Wohlrab, Inhaber der Immokanzlei AG und Präsident des Arbeitgeberverbands Kreuzlingen und Umgebung.

Für ein konkurrenzfähiges Thurgau
Etwa ein Drittel der Thurgauer im arbeitsfähigen Alter pendeln nach Zürich. Um dem entgegenzuwirken sucht Neuweiler mit der Uni Konstanz nach Lösungen im Digitalen Bereich. Gutjahr steht hinter dem Schweizer System eines Milizparlaments und kämpft dafür, dass der Thurgau an den Rest der Schweiz angebunden ist. «Nur Personen, die aus der Wirtschaft kommen, setzen sich auch wirklich für sie ein.» Wohlrab bekräftigte dies und meinte: «Eine florierende Wirtschaft kann nur bestehen, wenn die Infrastruktur und das Verkehrsnetz genügend ausgebaut ist.» Auch Herzog sieht den Verkehrsnetzausbau für das Gewerbe aber auch die thurgauische Bevölkerung als sehr wichtigen Punkt.

«Wenn ein Kind sich für eine Lehre interessiert, dann sollen die Eltern es dazu motivieren», meinte Häberli. Kinder lernen, gerade im ersten Lehrjahr, viele wichtige Kompetenzen und können danach doch noch studieren gehen. Dieses duale Bildungssystem hat die Schweiz anderen Ländern voraus, und darf es auch regelmässig Interessierten näherbringen. Herzog fügte hinzu, dass Sprachen immer mehr gefördert und handwerkliche Tätigkeiten abgebaut werden. Dies sei gerade für Jungs ein Problem.

Rettung AHV durch spätere Pensionierung
Fragen zum Pensionsalter sind immer heikel. Dennoch waren sich alle einig, dass es strukturierte Anpassungen im Bereich AHV benötigt und das Rentenalter heraufgesetzt werden muss. «Meine Mutter war mit 65 im Altersheim, heute lernt man in diesem Alter noch Harley fahren», sagte Wohlrab. Im Detail sieht es für Neuweiler so aus, dass bis 2030 das Pensionsalter für alle schrittweise auf 66 erhöht wird. «Die linke Seite wollte nur schon für 65 als Rentenalter für Frauen zustimmen, wenn sie im Gegenzug Zusagen bei den Löhnen erhält», sagte Häberli zu den Anwesenden. Herzog ging noch weiter und meinte, dass sie nicht verstehe, warum die linken Parteien sogar die Pensionskasse abschaffen wollen. «Man kann den Sozialstaat nicht ständig ausbauen», fügte Schmid hinzu. Und genau darum seien bürgerliche Parteien notwendig.

Gemeinnützigkeit
«Ich bin beileibe kein Linker, aber die Bürgerlichen erwarten einen zehn prozentigen Ebit, zum Beispiel bei Spitälern, die eigentlich einfach nur kostendeckend arbeiten sollten», sagte Dürr zum Thema Erwartungen an die Wirtschaft. Stellung nahm er auch zur Arbeitslage von Personen über 50. In seinen Augen gibt es keine Probleme bei der Arbeitssuche für Arbeitnehmer kurz vor der Pensionierung. «Wir stellen jemanden nach seinen Fähigkeiten und nicht dem Alter ein.» Auch Gutjahr unterstützte diese Aussage. Wohlrab hingegen verlangte das Mikrofon um dem zu widersprechen. «Bei einem KMU bis 20 Mitarbeiter ist die Neueinstellung einer Frau oder eines Mannes über 50 Jahren nicht finanzierbar.» Es dauere etwa zwei Jahren bis die Kosten gedeckt sind. Darum brauche es da neue Möglichkeiten. Herzog, wie auch ein Zuschauer der Podiumsdiskussion waren der Meinung, dass die junge Generation wegen dem Thema Rente nicht vergessen werden darf.

Den Polittalk dominierte eine Partei – die SVP. Wahlpropaganda kam deshalb nicht zu kurz, dafür gegensätzliche Ansichten, die zu einem abwechslungsreicheren Diskurs geführt hätten.

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