/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

Neureröffnung an der Piazza

Kreuzlingen – Am Samstag, 12. Oktober, eröffnet der neue Laden von Natur Konkret an der Piazza Cisternino – allerdings ohne Kioskwirtschaft und viel später als ursprünglich geplant. Die Beiz hat nämlich keine Baubewilligung erhalten. Deswegen sind Mieter Guido Leutenegger und sein Projektleiter Jost Rüegg enttäuscht vom Stadtrat.

Vor der Eröffnung gab’s Beef mit dem Stadtrat. Trotzdem freuen sich Guido Leutenegger und sein Team (links: Projektleiter Jost Rüegg) auf das Fest.  (Bild: sb)

Das neue Ladengeschäft von Natur Konkret verkauft Produkte, die im Einklang mit der Natur hergestellt wurden: Fleisch, Käse, Pasta, Wein und Öl sowie vieles mehr. Hauptsächlich werden die Leckereien über das Internet bezogen. Es gibt aber auch Kunden, die ihre Ware gerne vor Ort abholen. Damit sie ihre Wartezeit mit einem Snack verkürzen können, war eigentlich eine Kioskwirtschaft angedacht.

Doch diese bis zur Eröffnung zu realisieren, scheiterte an den Bauvorgaben des Kreuzlinger Stadtrats.

Schikane oder Gesetz?
Streitpunkt Nummer eins sind die Toiletten: Wie Stadtrat Ernst Zülle gegenüber der Thurgauer Zeitung sagte, sind zwei getrennte WCs Pflicht für Betreiber einer Kioskwirtschaft. Nur in begründeten Härtefällen könne das Bauamt eine Ausnahme machen. Ein solcher liege aber nicht vor, sagte er.

Jost Rüegg sieht das anders. «Es gibt kein kantonales Gesetzt, das für diese Art von Wirtschaft zwei WCs vorschreibt», lässt der Projektleiter wissen. Darum habe man im Erdgeschoss ein Universal-Klo «für Frauen, Männer sowie allfällige Mischformen» eingerichtet» und in Betrieb genommen. Sogar behindertengerecht ist es.

Die Forderung des Stadtrats, nun im Untergeschoss, in 25 Metern Distanz zum Showroom, «um vier Ecken und zwei Treppen», ein zusätzliches WC für Herren einzurichten, betrachten er und Natur-Konkret-Gründer Guido Leutenegger «als schikanösen Unsinn». Kunden würden das WC wohl kaum finden und darum auch nicht benutzen. Rüegg: «Ausserdem müssten sie durch das Treppenhaus laufen, welches nicht mehr zum Mietbereich von Natur Konkret zählt. Das setzen wir nicht um und verzichten lieber auf Bewirtung.»

In der Thurgauer Gastgewerbeverordnung steht indes klipp und klar: «Jeder Gastgewerbebetrieb muss seiner Grösse entsprechend über die nötige Anzahl nach Geschlechtern getrennte Toiletten verfügen.» Aber auch: dass die Gemeinde Ausnahmen bewilligen kann.

Streit wegen Parkplätzen
Streitpunkt Nummer zwei waren Halteplätze am Sonnenweg für die Kunden. Eigentlich liegt das Gebiet in der Blauen Zone. Hier schnell halten und eine Parkscheibe aufzulegen, ist erlaubt. Doch kaum hatten die Handwerker in der Liegenschaft mit ihrer Arbeit begonnen, stellte der Stadtrat dort ein Halteverbots-Schild auf. Begründung: Rettungsfahrzeuge kommen sonst nicht mehr durch. Rüegg zückte daraufhin seinen Meterstab und kam zu dem Ergebnis, dass dies nicht stimmen kann. Als das Vorhaben in der Praxis geprüft wurde und extra ein Feuerwehrfahrzeug anrollte, musste ihm der Stadtrat Recht geben.

Das Verbotsschild wurde daraufhin um einige Meter verschoben, so dass die Natur Konkret AG nun zwei «Pick-up»-Parkplätze für ihre Kunden ausweisen darf.

Das brachte dem Kreuzlinger Grünen-Gemeinderat prompt den Spott des Gewerbevereins ein. «Uns freut es deshalb ganz besonders, dass inzwischen auch bei Jost Rüegg glücklicherweise die Erkenntnis gereift ist, dass es im Detailhandel ohne genügend nahe Parkplätze und eine gute Verkehrsanbindung nicht funktioniert. Bravo Jost für diese (späte) Einsicht!», so der schadenfreudige Leserbrief des Vereinsvorstands.

Spitze Worte
Aber auch der Stadtrat musste sich wegen seiner Argumentation spitze Worte gefallen lassen: Wenn im Falle der Beiz von Natur Konkret keine Ausnahmebewilligung erstellt werden kann, was ist dann erst mit dem Stadthaus, welche bekanntlich wegen seiner Überlänge einer solchen bedarf, fragte Ruedi Anderegg in einem Leserbrief (siehe Seite 11). Der Stadtrat misst wohl mit zweierlei Mass, so Anderegg.

Im Lager von Natur Konkret konzentriert man sich trotz des – zugegeben öffentlichkeitswirksam – ausgetragenen Streits nun lieber mit voller Kraft auf die bevorstehende Eröffnung. Als Festrednerin und Moderatorin führt am 12. Oktober Ex-Miss Schweiz Christa Rigozzi charmant durch den Anlass. Die Basler Formation «Pipes and Drums» sorgt für schottische Musik passend zu den schottischen Rindern, dem Markenzeichen des Unternehmens. Kantonsrat Toni Kappeler erklärt den Zusammenhang zwischen Biodiversität und Essen, während die eigentliche Festrede sicher zum Schmunzeln anregen wird: gehalten wird sie von einer Delegation der Narrengesellschaft Emmishofen. Und Gratiswürste gibt’s auch.

Beendet ist der Streit mit dem Stadtrat damit aber nicht: Die Angelegenheit wird gemäss Leutenegger ein juristisches Nachspiel haben. «Der Ball ist nun bei unserem Anwalt. Dieser leitet die entsprechenden Schritte ein.»

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