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Prävention rettet Leben

Münsterlingen – Aktuell erkrankt in der Schweiz jede achte Frau im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Präventive Massnahmen retten nachweislich Leben oder erleichtern zumindest die Therapie. Dennoch nehmen zu wenige Frauen am kantonalen Mammographiescreening teil. Um darauf aufmerksam zu machen, färbt eine Lichtinstallation die Fassade der Klosterkirche Münsterlingen für zwei Wochen im Farbton der «Rosa Schleife».

Prof. Dr. med. Mathias Fehr (2.v.l.) und sein Team. (Bild: Sandro Zoller)

Ab diesem Jahr findet jährlich eine standortübergreifende Laienveranstaltung zum Thema Brustkrebs statt. Brustzentren sind dazu verpflichtet, alle zwölf Monate ein Seminar für die Ärzte und eine öffentliche Veranstaltung zu organisieren. Das Kantonsspital Münsterlingen machte gestern den Anfang, da in Frauenfeld derzeit umgebaut wird. Das diesjährige Thema heisst «Brustkrebs überlebt!? … und jetzt? – Was bedeutet das für mich und mein Umfeld». «Wir setzen bewusst die Person, das familiäre Umfeld und das Leben während und nach der Therapie in den Fokus», sagte Dr. med. Markus Kuther, Chefarzt Gynäkologie und Geburtshilfe am Kantonsspital Münsterlingen sowie Stellvertreter der Ärztlichen Leitung Brustzentrum Thurgau. Auch wenn die Krankheit der schlimmste Aspekt ist, darf die Belastung für Familienmitglieder und die Betroffenen selbst nicht vernachlässigt werden, so Kuther. Deshalb ging es am Informationsnachmittag unter anderem um Strategien zur Angstbewältigung, sinnliches Wohlbefinden alleine und in der Partnerschaft und praktische Yoga-Übungen.

Warum lassen Frauen sich nicht screenen?
Trotz vieler Bemühungen nehmen nur um die 40 Prozent der eingeladenen Frauen zwischen 50 und 75 Jahren am kantonalen Mammographiescreening teil. Für die Ärzte ist das unverständlich. «Eine Untersuchung alle zwei Jahre verkleinert das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, um 20 Prozent», erklärte Kuther und fügte an: «Je früher der Krebs entdeckt wird, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Chemotherapie schwächer ausfällt oder gar nicht benötigt wird.» Hinzu kommt, dass die kosmetischen Eingriffe ebenfalls geringer sind.

Prof. Dr. med. Mathias Fehr, Chefarzt Gynäkologie und Geburtshilfe am Kantonsspital Frauenfeld und Ärztlicher Leiter Brustzentrum Thurgau, sieht mehrere Gründe für das Fernbleiben von Untersuchungen: «Manche Frauen meinen, dass der Test sie nicht vor dem Erkranken retten kann, oder sie wollen das Screening nicht durchführen, weil niemand in der Familie Brustkrebst hat.» Dann gibt es noch einen Gruppe, die Angst vor den Nebenwirkungen einer Mammographie hat und das nicht unbegründet. Fehr bestätigt, dass das Screening ab einer gewissen Häufigkeit die Wahrscheinlichkeit, an Brustkrebs zu erkranken, erhöht. «Es gibt deshalb Spezialisten, die in der Magnetresonanztomographie die Zukunft sehen», berichtete der Ärztliche Leiter Brustzentrum Thurgau. Das dafür genutzte Kontrastmittel lagert sich im Hirn ab. Es ist noch ungeklärt, welche Auswirkungen dies auf den Menschen hat. Deshalb findet er diese Alternative suboptimal. Das Mammographiescreening alle zwei Jahre sei nicht gesundheitsschädigend. Dennoch wäre es ab dem 35. Lebensjahr, so wie früher, zu viel.

Kleine aber dennoch grosse Schritte
In der Früherkennung sowie in der massgeschneiderten Therapie sind kleine, aber in der Summe beachtliche Erfolge zu sehen. «Tests haben ergeben, dass hormonbedingte Tumore antihormonelle Therapien benötigen. Die Hormonzufuhr kann einen Rückfall vergrös-sern», sagte Dr. med. Wieland Sell, Leitender Arzt Gynäkologie und Geburtshilfe am Kantonsspital Münsterlingen sowie Leitender Arzt Brustzentrum Thurgau. Patientinnen, die einen Östrogenentzug verschrieben bekommen haben, sollen vermehrt walken und spazieren gehen. Der Mangel an Hormonen wirkt sich negativ auf die Gelenke aus. Studien haben gezeigt, dass Bewegung die Verschlechterung abbremst. Was die Ärzte ebenfalls freut, ist die Tatsache, dass ehemalige Brustkrebspatientinnen vermehrt auf einen gesünderen Lebensstil achten. Denn auch das hilft das Rückfallrisiko zu minimieren.

Die versammelten Ärzte richteten zum Abschluss des Treffens das Wort an alle Frauen. Brustkrebs ist ein Thema, das niemand gerne anspricht. Sich davor zu verschliessen ist aber die schlechtere Lösung. Die medizinische Qualität sei heute top und der Fokus liege auf der Lebensqualität der Patientin. Sie appellieren deshalb an jede einzelne Frau, das Mammographiescreening alle zwei Jahre durchzuführen.

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