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Krieg ist keine Lösung

Leserbrief – Joachim Kohler aus Kreuzlingen ist besorgt, da keine der Parteien, beim Thema Stadthaus, auf das Gegenüber eingeht.

Lerserbrief (Bild: Archiv)

Wer, wie ich, den Beitrag «Initiative Freihaltung der Festwiese», der letztes Wochenende im Kreuzlinger Fernsehen gesendet worden ist, aufmerksam verfolgt hat, wird mir sicherlich zustimmen, dass die eingeladenen Gruppen (Stadtrat und Initiativkomitee) mit hohem Engagement und Herzblut für ihr jeweiliges Anliegen einstehen. Im Verlaufe dieses spannenden medialen Versuches eines öffentlichen Diskurses wurde aber auch deutlich, dass beide Seiten ausschliesslich ihre eigenen Positionen vertreten und nicht einmal ansatzweise dazu in der Lage waren, die Argumente der anderen Gruppe in ihre eigene Sichtweise zu integrieren. Wenn kein Argument mehr gefunden wurde, dann wurde sehr schnell in die Kiste «Abwertungen und Beschimpfungen» hineingegriffen, um das Gesicht zu wahren, was aber bei Zuschauern, die sich durch die Sendung eine eigene Meinung bilden möchten, nicht gut ankommt. Und so fiel dann unterm Strich bei diesem im Prinzip interessanten und sinnvollen Versuch der Anteil sachlicher Informationen im Verhältnis zur Sendezeit eher bescheiden aus. Die Initiative hat aufgezeigt, dass sie formale Möglichkeiten hat, den Stadtrat über Jahre hinweg effektiv zu behindern und angedeutet, dass es ihr dabei aber nicht ums Blockieren gehe, sondern dass man sie ernst nehmen und einbeziehen müsse, weil sie sich sonst auf anderem Weg Gehör verschaffe (was ihr ja bisher durchaus gelungen ist). Der Stadtrat verteidigte sein Vorgehen und beharrt stur darauf, alles korrekt und richtig gemacht zu haben. Die Visiere sind heruntergeklappt. Es geht nicht (mehr) darum, eine bestmögliche Lösung zu finden, sondern sein vermeintliches Recht durchzusetzen. Dabei weiss jeder geschichtsbewusste Mensch, wie so etwas endet. Die Sendung zeigte deshalb eine Tatsache klar und deutlich auf. Bei so viel Diskrepanz und Intoleranz ist das Projekt «Stadthaus» auch nach so vielen Jahren zum Scheitern verurteilt. Es wird nämlich keine Gewinner geben!

Mein Fazit nach dieser Sendung: Die eheähnliche Zwangsgemeinschaft zwischen Stadtrat und Initiativkomitee, die ja noch nicht einmal die Möglichkeit hat, sich scheiden zu lassen, sollte sich so schnell wie möglich einem professionell geführten Mediationsprozess unterziehen, damit das gemeinsame Kind «Stadthaus» nicht mit dem Bade ausgeschüttet wird.

Ein nicht stimmberechtigter aber besorgter Wahlbürger Kreuzlingens.

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One thought on “Krieg ist keine Lösung

  1. Bruno Neidhart

    Ich meine nicht, Herr Joachim Kohler, dass im jetzigen Moment bereits ein „aufeinander zugehen“ möglich sein dürfte. Aber noch ist kein Krieg in Kreuzlingen ausgebrochen!

    1. Der Stadtrat ist noch immer überzeugt, dass auf der Festwiese zu bauen sinnvoll sei.
    2. hofft er, z.B. besonders mit den 111,3 Metern bald die Gunst von ausserhalb zu erhalten, auch wenn hier ein Baugesetz bis zum Überreizen ausgehebelt werden müsste.
    3. geht er nicht davon aus, das es stringent notwendig gewesen wäre, den Abstimmenden ein mögliches Scheitern des Projekts für den Fall anzukündigen, wenn seine Projektdarstellung durch irgend eine Instanz ausgehebelt würde.
    3. Dass praktisch die Hälfte der Abstimmenden bereits grunsdsätzlich diesen Bau nicht wollte, schert den Stadtrat wenig. Er pocht auf die (demokratische) Mehrheit von gerade mal 5 Stimmen.

    Andererseits: Die von den offensichtlich aufkommenden Schwierigkeiten inspirierten „Initiaten“ versuchen ein allfälliges politisches Desaster bereits im Vorfeld zu einer praktikablen Lösung umzubiegen. Wobei sie wohl davon ausgehen, dass diese Schwierigkeiten ziemlich unabwendbar seien oder das Ganze vielleicht das Zeug hätte, zu einer unendlichen Geschichte zu werden. Dass die gesamte historische Festwiese zu erhalten sei, ist dabei ein paralleler Gedankenstrang, der gleichzeitig zu einer Neu- oder Wiederbewertung führt, ob hier überhaupt die Idee einer Überbauung hätte aufkommen dürfen. Um zu zeigen, dass es auch Alternativen gegeben hätte – und gibt -, werden Möglichkeiten aufgezeigt.

    Nur das Eingeständnis, dass die gesamte Festwiese für alle Zeiten der Stadt dienen soll und im Zusammenhang mit der Klosterkirche ein inneres Gepräge markiert, das von der Bevölkerung sowohl als Veranstaltungsort, wie auch bewuss als historisches Ensemble wahrgenommen werden soll, ein Ensemble, das sogar der Denkmalbehörde wieder voll gerecht würde, könnte einen Neubeginn schaffen. Eine solches Eingeständnis ist im Moment von der Stadtbeörde nicht zu erwarten.

    Andererseits: Wieweit die Gegenpartei in der Analyse einer unendlichen Geschichte, die die Stadt politisch auf viele Jahre lähmen könnte, richtig liegt, ist noch nicht zu beantworten. Die Initianten sind davon überzeugt. Auch sie können daher im Moment von ihrer Vorstellung nicht abweichen, sind sich jedoch sicher, jederzeit im guten Sinn für die Stadt zu handeln.

    An diesen zwei Sichtweisen wird erkennbar, dass es derzeit nicht möglich erscheint, auch nur den geringsten Nenner zwischen den beiden Gruppen erwarten zu können. Es herrscht quasi politisches Roulett.

    Dies zeigt abschliessend auf, dass die stadträtliche Idee der damaligen Maximalforderung (nur auf der Festwiese und sonst nix) das Grundübel beherbergt: Hätte eine Alternative bestanden, wo denn zu bauen wäre, lägen die Dinge heute mit der grössten anzunehmenden Sicherheit anders. Das neue Stadthaus würde bald eingeweiht. Womöglich eben nicht auf der Festwiese…….

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