/// Rubrik: Leserbriefe | Topaktuell

Klimaerwärmung: Unwort des Jahres?

Leserbrief – Walter Heider aus Ermatingen will keinen Systemwechsel, sondern besonnenes, angemessenes Handeln beim Thema Klimaerwärmung.

(Bild: archiv)

Unbestritten ist: Klimaerwärmung findet statt, fand aber immer schon statt.
Der Historiker Prof. Wolfgang Behringer zeigt in seinem Buch: «Die Kulturgeschichte des Klimas» die geschichtliche und wissenschaftliche Erforschung der Klimaveränderungen auf. Ein von der «Eiszeit bis zur globalen Erwärmung» faszinierender Streifzug über die vergangenen Klimaänderungen bis zum 21.Jahrhundert. Erwärmungen und Eiszeiten in stetigem Wechsel.
Geschickt und marktschreierisch greifen gewisse politische Kreise das Thema der Klimaerwärmung auf. Es ist aber kaum anzunehmen, dass die unzähligen Jugendlichen, welche an Demos teilnehmen, genügend Sachverständnis über die geschilderten Klimabefunde aufweisen und den Wissenshintergrund über die Klimaschwankungen je gelesen haben. Selbst Schüler, sogar Vorschulpflichtige (sehen Sie sich die Bilder in der Presse und Filmaufnahmen an), werden für die Demos missbraucht !

Auch ist zu bezweifeln, dass die älteren Demonstranten von den steten klimatischen Veränderungen Kenntnis haben. Einige Exponenten geben sogar zu, dass es ihnen bei den Demos um einen Systemwechsel in unserem Lande geht ! Einen Systemwechsel will ich nicht. Besonnenes, angemessenes Handeln ist gefragt. Das böse Erwachen bei Systemwechsel möchte ich mir ersparen.

Share Button

10 thoughts on “Klimaerwärmung: Unwort des Jahres?

  1. Bruno Neidhart

    Wenn Sie, Herr Walter Heider, den Jugendlichen schon ein „ungenügendes Sachverständnis“ bescheinigen, bei den älteren Demonstranten an „Kenntnissen“ zur Sache zweifeln, dabei von „gewissen politischen Kreisen“ schreiben (ohne diese zu nennen), so ist nebenbei festzuhalten, dass zu vielen Argumenten des von Ihnen zitierten, gelobten Historikers Behringer ebenso viele Gegenposititionen bestehen (wie es bei einem wissenschaftlichen Diskurs üblich ist). Immerhin findet auch bei Ihnen, Herr Heider, die „Klimaerwärmung statt“. Ist ja schon mal was.

    Auffallend, dass diese Erwärmung erstaunlich rasch von statten geht. Gerade die Schweiz spürt die Veränderung markant. Wo man als Jugendlicher vor gut einem halben Jahrhundert noch neben einer Gletscherzunge zelten konnte (Morteratsch), läuft man heute fast eine Stunde dem Gletscher hinterher. Einzelne Skipassagen sind nur zu halten, in dem in den Sommermonaten mit Tüchern versucht wird, touristisch vom Resteis noch eine Weile profitieren zu können (Andermatt). Der Permafrost zieht sich überall zurück. Wanderwege müssen neu angelegt werden. Berghänge werden instabil, fangen an zu rutschen. Daher ist (z.B.) die Gefahr von Flutwellen unterhalb von künstlichen Stauseen nach Hangrutschen oder Felsabstürzen in den See nicht mehr auszuschliessen. So gibt es denn viele Beispiele, die in rascher Folge durch die rapide Erwährmung auch in der Schweiz zu beobachten sind. Ganz zu schweigen von bereits betroffenen Inselbewohnern der Ozeane oder den klimatischen Wärmeveränderungen für die Landwirtschaft, was mit der Ernährungsfrage der weiter wachsenden Weltbevölkerung in Beziehung zu setzen ist.

    Wieweit diese raschen Veränderungen mindestens zum Teil „menschengemacht“ sind, wird breit diskutiert, jedoch grundsätzlich nicht bestritten! Dazu ist die Wissenschaft, die sich intensiv damit beschäftigt, zu gut aufgestellt. Mit (z.B.) Computersimulationen sind heute Aussagen deutlich aussagekräftiger und sicherer. Sie stehen der Politik zur Verfügung. Dass die Politik nicht unbedingt zu den handlungsschnellsten Gebilden gehört, ist dazu Fakt.

    So gesehen liegt es durchaus an der kommenden Generation (den heutigen Jugendlichen!) , der älteren Garde etwas Dampf (sogar viel!) zu machen. Manche Jugendliche haben sich erstaunlich gut in das entsprechende Fachgebiet eingelesen und wissen sehr genau, warum sie demonstrieren (müssen). Und sogar „einige ältere Damen und Herren, die des Lesens kundig sind „, machen sich intensiv mit der Materie vertraut, können sich ein Urteil bilden, denken voraus an ihre Enkelkinder, unterstützen die Jugendlichen!

    Mit dem verschwurbelten Begriff „Systemwechsel“ hat das alles nichts zu tun – mit „Vernunft“ als einzige Grösse die es uns ermöglicht, Perspektiven aufzuzeigen, wie und wie stark wir das Klima mindestens mit beeiflussen (!) und wie wir darauf zu reagieren hätten, dann schon. Und dass nur ein rascheres konkreteres Handeln zu den gewünschten Erfolgen führen kann, ist Konsens. Die Jugendlichen liegen voll richtig. Und sogar einige Ältere unter uns!

    Antworten
    1. Walter Heider

      Einen Kommentar, wie von Herr Bruno Neidhart verfasst, überrascht mich nicht, doch die Gegenpositionen der geschichtlichen und wissenschaftlichen Erläuterungen von Prof. Behringer werden nicht dargelegt. Zeigen Sie mir die Gegenpositionen auf ! Sie werden auch mit dem faulen Argument der Gegenpositionen in Zweifel ziehen, dass alle Fakten des „Historischen Lexikons der Schweiz: Untertheme: Eiszeiten“ und die Erklärungen „Eiszeitalter (Wikipedia) “ wohl nicht stimmen. Es ist nun halt Mode, gebetsmühlenartig die Problematik mit Gletscherschwund, Permafrost, Ueberschwemmungen, etc. abzuhandeln, als sich geschichtlich fundiert einzulesen und den Verlauf der Erdgeschichte zu kennen.
      Da stellen sich mir doch noch ein paar Fragen: Sagen Ihnen die Eiszeiten: Günz, Mindel, Riss und Würm etwas ? Wer war am Verschwinden dieser Eiszeiten schuld ? Sind Sie sicher,dass die berühmt gewordene Greta ihre Texte und Reden selbstgeschrieben hat, oder wurde sie doch nur intrumentalisiert ? Haben die plakattragenden Vorschulkinder ihre Texte selber formuliert und geschrieben ? Kennen Sie die Exponenten der Hysterie, „Operation Libero“ und ihre Trabanten nicht, welche einen Systemwechsel der Schweiz anstreben ? Es ist ein Leichtes auf den Themakarren aufzuspringen, ohne sich einzulesen und mit der grossen Meute zu heulen. Glauben Sie wirklich, wenn in der Schweiz kein Flugzeug mehr startet , kein benzin- oder diesel-betriebenes Fahrzeug mehr herumkurvt, keine Oel- oder Gasheizung mehr betrieben werden, dass dann der globale Klimawandel aufgehalten wird ?
      Die übrige Welt ist ebenso gefragt, nach nachhaltigen Lösungen zu suchen. Dass es wir Schweizer schaffen werden, tönt etwas überheblich. Helfen wir aber vernünftig mit !

      Antworten
      1. Bruno Neidhart

        Lieber Herr Heider. Noch ist uns kein absoluter Klima-Papst oder Klima-Kaiser geboren worden! Doch, dass sich Kalt- und Warmzeiten abwechseln können, ist Standard – selbst Laien verständlich, u.a. da unsere Erde „eiert“ wenn sie sich um die Sonne dreht, sich dadurch die Sonnenenergie die auf die Erde strahlt, langzeitperiodisch verändern kann. Es gibt noch weitere natürliche Beeinflussungsarten, blättert man in der Wissenschaft (Sie kennn sich darin wohl aus).

        Zur Klarheit: Um was im Komplex „Klimawandel“ der Jugend (und einigen Alten) besonders zu gehen scheint – geht -, ist die „anthropogene“ (also menschengemachte) Mit-Beeinflussung des Klimas. Da steht u.a. unser Kohlendioxid-Fussabdruck im Vordergrund. Dieser Aussstoss hat sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts messbar fast vervierfacht (was daraus folgert, muss ich Ihnen nicht erklären). Stark auffallend damit verbunden ist die derzeit festgestellte Geschwindigkeit, mit der sich das Klima verändert (Ihnen auch bekannt). Was dies für die kommenden Generationen (weltweit!) bedeuten könnte, respektive was für aktive Möglichkeiten bestehen dem entgegen zu wirken (Nachhaltigkeit), und wie das möglichst rasch zu geschehen hätte: Dazu äussert sich nun die Jugend vehement. Eine wertvolle Fragestellung bei einer sich lohnenden, halt mal auch etwas laut postulierten Zielsetzung – oder? Dass dies nicht allen passt, Ist klar.

        Sie, Herr Walter Heider, stellen dies noch in einen politischen Zusammenhang („Systmwechesel“). Damit hat die grosse Aufgabe die vor der Welt steht (und so auch vor der kleinen Schweiz), gar nichts zu tun (auch wenn die gestrigen Wahlen es vielleicht anders vermitteln könnten……..).

        Antworten
      2. schiesser

        Uiuiui Herr Heider – was Sie anderen empfehlen, sollten Sie selbst berücksichtigen: informieren. Allein Ihr Hinweis auf die Würm-Kaltzeit (letzte Kaltzeit im Alpenraum von 113’000 bis 8000 v.Chr.) macht den Unterschied zur heutigen Klimaerwärmung deutlich. Bis aus der Jahresdurchschnittstemperatur der Würm-Kaltzeit von -3 Grad die heute herrschende Jahresdurchschnittstemperatur von +7 Grad wurde, dauerte es über 100’000 Jahre. Der derzeitige Temperaturanstieg dagegen verläuft erheblich schneller als alle bekannten Erwärmungsphasen seit 66 Millionen Jahren. So erwärmt sich die Erde beim Übergang von einer Eiszeit in eine Zwischeneiszeit innerhalb von etwa 10’000 Jahren etwa um 4 bis 5 °C. Bei der menschengemachten globalen Erwärmung wird jedoch erwartet, dass die Temperatur vom Ende des 20. bis Ende des 21. Jahrhunderts um 4 bis 5 °C steigt; die Erwärmungsgeschwindigkeit wäre also etwa 100-mal größer als bei historischen natürlichen Klimaveränderungen. Das sind Aussagen, denen über 97 Prozent der Forschenden und Wissenschaftler zustimmen, die sich mit der Klimaveränderung beschäftigen. Die übrigen 2 bis 3 Prozent sind etwa so ernst zu nehmen, wie jene 2 bis 3 Prozent die auch heute noch behaupten, die Erde sei eine Scheibe.

        Ihr Hinweis darauf, dass die Handlungen der Schweiz zur Eindämmung dieses Temperaturanstiegs wenig nützten, stimmt natürlich. Allerdings hat auch nie jemand erwartet, dass die Schweiz alleine diesen Anstieg verhindern sollte. Sie soll nur ihren Teil dazu beitragen. Wie sie das ja auch im Pariser Klimaprotokoll zugesagt hat. Oder wie der Bauer sagt: Kleinvieh macht auch Mist. China übrigens hat seine Ziele des Klimaprotokolls bereits erreicht. Natürlich kann das nicht das Ende der Bemühungen sein – nur bringt der ewige Hinweis darauf nicht, dass die anderen doch erstmal …. Würden Sie so eine Ausrede bei Ihrem Nachwuchs tolerieren, wenn der sich weigerte, einen Auftrag ausführen, weil doch erstmal die anderen sollen?

        Antworten
  2. Walter Heider

    Lieber Herr Neidhart. Gut zu wissen, dass die Erde etwas „eiert“. Doch „eiert“ sie nun halt wieder einmal. Dass Sie, Herr Neidhart, keine konkreten Antworten (ausgenommen die klimatichen Begründungen) auf meine Fragen geben, kann ich gut verkraften, wären doch nur ausflüchtige Antworten möglich. Wie heisst es doch so schön: Keine Antwort ist auch eine Antwort (auch wenn Ihr Kommentar unter Antworten erschienen ist).

    Antworten
  3. b

    Wenn Sie aufmerksam lesen, Herr Heider, steckt eine „Antwort“ (von tausend möglichen) bereits im ersten Satz. Oder sind Sie allenfalls „Paps oder Kaiser? Dann würde sich eine Diskussion zu dieser Causa erübrigen. Zur kleinen Kenntniserweiterung empfehle ich Ihnen (fakulkativ), auch mal kurz unter „schiesser“ nachzuschlagen. Grüße an den Untersee!

    Antworten
    1. Bruno Neidhart

      „b“ muss selbstverständlich „Bruno Neidhart“ heissen. Habe mich schlichtwegs vertippt. Entschuldigung! (Ereignis hatte für einmal wohl nichts mit der Klimaveränderung zu tun……)

      Antworten
  4. Walter Heider

    Vertippen kann vorkommen. Besonders gefällt mir die humorvolle Klammerbemerkung. Nachdem Sie mir ja vorgängig den Tip gaben, Schiesser zu lesen (seine Ausführungen sind mir längst bekannt) möchte ich Ihnen abschliessend auch noch einen Hinweis geben: Schauen Sie die SRF-Sendung „Der Club: Grün legt zu – wie weiter“, gesendet am 22. Oktober, an. Ich bin mir sicher, dass Ihnen die Stellungnahmen von NR Wasserfallen und NR Köppel nicht gefallen. Besser gefallen Ihnen wohl die Aktivitäten des Klimaaktivisten und die Zielsetzungen von Alt-NR Lang (ehemaliger Trotzkist) : Abschaffung des Kapitalismus. Da wären wir wieder beim Thema: Systemveränderung.

    Antworten
  5. Maria Bader

    Sehr geehrter Herr Heider, nur eine kleine Bemerkung am Rande. Bei dem Schreiber „Schiesser“ handelt es sich um ein Dame aus Kreuzlingen und nicht , wie vermeintlich von Ihnen angenommen, um einen Herren.

    Antworten
  6. christian Rutz

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    Umweltthemen sind wieder hoch Kurs. Aber wie stehts um die Umwelt des sozialen Klima. Seit der Eroberung des Weltalls und gewaltigen
    Ringens Ende der Sechzigern . Die Frage ist wie sieht es in unseren zu Hause oder im Arbeitsplatz aus. Je mehr wir erforschen wissen wir zwar mehr und die Komplexität und Unübersichtlichkeit wächst,damit wächst die Unsicherheit und die Gefahr des selbständigen Denken und Handelns. Nur alleine die Tatsache,dass wir unseren Kleidern, der Nahrungsmitteln, unseren technischen Geräten nicht sorge tragen können und es kommt etwas dazu: Wir haben alles und doch werden die Herzen der Menschen nicht warm, sondern es herrscht Eiszeit zwischen den Menschen. Ich sage es deutlich: Wir sollten uns mehr Gedanken und Sorge machen über die Atmosphäre zwischen den Menschen und dafür sind wir selbst verantwortlich. Gerade die Adventszeit und Weihnachten gibt uns Zeit darüber Nachzudenken und das die soziale Kälte in Güte und Wärme der sozialen Atmosphäre umschlägt und eine Erderwärmung in dem Sinne stattfinden

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.