/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

Mehr als eine Puppe

Kreuzlingen – Seit dem 29. September ist der Laden Think Pink im Haus zum Hammer offiziell eröffnet. Beate Rau aus Scherzingen stellt dort einen Teil ihrer umfangreichen Barbiekollektion der verschiedensten Jahrzehnten aus und bietet auch Sammlerstücke zum Verkauf an. Es soll zu einem Treffpunkt für Barbie-Sammler und Fans von Puppen werden. Leider war der Start alles andere als «pink».

Beate Rau neben einem eigens kreierten Kunstobjekt aus Barbie-Kleidern und viel Glitzer. (Bild: Sandro Zoller)

Als Kind der 80er Jahre spielte Beate Rau gerne mit Barbies vom US-amerikanischen Spielzeug-Konzern Mattel. Mit steigendem Alter verlagerten sich logischerweise ihre Interessen. Einige Jahre gingen ins Land, bis sie erneut auf die Kiste mit ihren Puppen stiess. Die Neugierde war sofort geweckt und sie stöberte zum Thema im Internet. Dadurch erfuhr Rau, dass es einen Markt für Barbies gibt, und gerade für solche aus den 60er Jahren. Mit Verpackung können die Puppen mehrere hundert Dollar wert sein. Da wusste sie, dass dies zu ihrer neuen Leidenschaft wird.

Sammlerrausch
Rau kaufte von da an aktuelle und alte Barbies, Kleider und Accessoires und einiges an Merchandising rund um die berühmte Puppe. Dabei ging es ihr nicht ums Spielen, sondern um die Leidenschaft am Sammeln und den Austausch mit Gleichgesinnten, was an Börsen im In- und Ausland der Fall ist. Wirklich gezählt hat Rau ihre Puppen nicht, sie füllen aber zu Hause zwei Räume. «Ich vermute, dass ich unterdessen um die 2000 Barbies habe». Das ist eine beachtliche Sammlung. Für den Weltrekord reicht es dennoch nicht. Rau zeigt auf einen Zeitungsausschnitt über eine anerkannte Puppendoktorin. Bettina Dorfmann aus Düsseldorf hat sage und schreibe 17’000 Barbara Millicent Roberts in ihrer Wohnung. Zur Info, das ist der offizielle Name. Barbie ist sozusagen der Spitzname.

Ein Treffpunkt für Barbie-Enthusiasten
Seit einiger Zeit hatte Rau die Idee eines eigenen Showrooms mit Verkaufsmöglichkeit im Hinterkopf. Die Vision erreichte am Sonntag, 29. September, ihren Höhepunkt. «Zur Eröffnungsparty kamen sogar Bekannte aus Frankfurt», erzählt die Barbie-Sammlerin freudig. Eigentlich sollte der Tag in guter Erinnerung bleiben. Denn es wurde gefeiert, Freunde begrüsst und Neuigkeiten aus der Szene ausgetauscht. Es kam aber alles anders. Eine ihr unbekannte Person «verpetzte» sie bei der Stadt, weil sie Getränke auf einem Tisch vor dem Laden sah. «Ich betreibe ja keine Gastwirtschaft und zudem war das eine Einweihungsparty», schildert Rau die Sachlage und fügt an: «Und dass ich eine Kaffeemaschine im Laden habe, macht es noch zu keiner Bar.» Es sei selbstverständlich, so wie bei einem Friseur, dass dem Kunden ein Kaffee oder Glas Wasser angeboten wird. Ein Kauf einer ihrer Barbies sei keine Sache von fünf Minuten. Es wird zuerst ein intensives Gespräch über Vorlieben und Wünsche geführt.

Die Party hallte noch nach, als bereits ein Schreiben der Stadt eintraf. Darin stand, dass Rau einen Antrag auf Ausschank bei der Stadt einreichen muss. «Das Verrückte an der Sache ist, dass die Stadt selber nie bei uns nachgefragt hätte», sagt Rau enttäuscht.

Trotz allem blickt die frischgebackene Ladeninhaberin positiv in die Zukunft und setzt ihre Energie da ein, wo sie sinnvoll gebraucht wird – bei ihrem Hobby dem Sammeln von Barbies und Accessoires.

Vitrine mit Lieblingsbarbies. (Bild: Sandro Zoller)

4000 Dollar Barbie
Rau öffnet eine der Vitrinen. Sie ist so etwas wie ein Schrein. Denn darin sind ihre besten Stücke wie etwa die Barbie No. 2. Sie ist aus der zweiten Hälfte des Jahres 1959 und gehört zur Serie, welche erstmals mit einem Ständer produziert wurde. Sie holt eine weitere Puppe heraus, diesmal die No. 3. Ihr Merkmal ist der weniger strenge Blick im Vergleich zur Vorgängerin. Für Sammler, die sich mit den Anfängen beschäftigen, ist nur noch die No. 1 begehrenswerter. Die Barbie hat Löcher in den Füssen und wird so mit der Stand-Platte verbunden, zum Anschauen weniger ansehnlich, für Kenner gerade deswegen so einzigartig. «Wer die No. 1 an einer Convention erwerben will, muss bereit sein, über 4000 Dollar hinzulegen. Ich wagte mich daher noch nicht an sie. Aber es lockt mich schon», sagt Rau lächelnd.

Ein Highlight ist die Miss Barbie von 1963. Sie sitzt nicht nur in einer funktionstüchtigen Hollywoodschaukel, sondern kann auch die Augen auf und zu machen. Ein teures Objekt ist auch die 1967er Black Francie. Sie war die erste schwarze Puppe von Mattel und nur in einer limitierten Auflage erhältlich. Zur damaligen Zeit musste ein normaler Arbeiter mehrere Tage werken, um sich für das Töchterchen eine Barbie zu leisten. Eine erschwinglichere Variante stellte in den 60er die Paper Barbie dar. Sie konnte ausgeschnitten und ebenfalls, wenn auch nur notbedürftig, mit Kleidern versehen werden. Der Preis lag mit 1,50 Dollar viel tiefer.

Wohlhabend müsste man sein
Das Spielhaus von 1961 ist grösstenteils aus Karton und ausgestattet mit Einrichtungsgegenständen wie Sofa, Fernseher, Kleiderschrank und Lampe. Nichtsdestotrotz war es eine kostspielige Angelegenheit, die nur betuchte Kunden sich erlauben konnten. Im Laden von Rau ist eines zu bestaunen. Wofür man heute immer noch genug hinlegen muss, ist für Barbies, die in den 60er Jahren in Japan hergestellt wurden. Durch die Verlagerung in klassische Produktionsländer wie China verloren die Puppen aus Sicht der Sammler an Wert.

In eine Kollektion gehören auch andere Produkte rund um die berühmte Puppe. So etwa die Schallplatte «Barbie Sings» mit Liedern im Swing Style. Die Sängerin und der Sänger haben jeweils Stimmen, wie sie von Barbie und Ken zu erwarten sind. À propos Ken, der steht auch im Think Pink mit unterschiedlichen Kleidern aus verschiedenen Jahrzehnten.

Beate Rau hat noch einiges vor mit ihrem Laden. Eines ihrer grossen Ziele ist am Ende des Monats die Kosten gedeckt zu haben. «Auch wenn es mehr ein Begegnungsort für Gleichgesinnte ist, wäre es schön, wenn ich mit den Verkäufen die Miete zahlen könnte.» Dafür hat sie schon einmal Shirts und Tassen mit ihrem Logo bedrucken lassen und hält einige Raritäten bereit.

Barbie-Spielhaus. (Bild: Sandro Zoller)

 

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.