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Beweise der Thurgauer Gegenwartskunst

Kreuzlingen/Arbon/Frauenfeld/Ittingen – Das Poster zur Werkschau der kantonalen Kulturstiftung zeigt einen Fingerabdruck. Dieser soll die Spuren symbolisieren, welche die ausgestellten Künstlerinnen und Künstler im Thurgau, aber auch anderswo hinterlassen haben.

Pferde, eine Frau und der Fluss: Die Installation von Rhona Mühlebach im Tiefparterre des Kunstraums Kreuzlingen lässt den Betrachter an eine Cowboy-Geschichte denken. (Bild: sb)

Rund 32 künstlerische Positionen zeigt die Werkschau Thurgau ab Samstag – das sind etwas weniger als im vergangenen Jahr, sagt der Kurator des Kreuzlinger Kunstraums, Richard Tisserand.

Künstlerinnen und Künstler oder -kollektive konnten ihre Vorschläge einreichen, wenn sie länger im Thurgau gelebt oder gearbeitet haben. Wenn diese den Gefallen der Jury fanden, besuchte sie deren Ateliers – dies auch, um den geeigneten Ort zu besprechen, an dem das Werk ausgestellt werden kann.

115 eingereichte Arbeiten
In der Jury sassen neben den Kuratoren der vier Ausstellungsorte auch eine externe Expertin, die Beauftragte der Kulturstiftung, eine Stiftungsrätin und deren Präsidentin. Nicht mal ein Drittel der eingereichten 115 Arbeiten hat es in die Ausstellung geschafft.

Diese enge Auswahl hat auch Kritiker auf den Plan gerufen, wie die Thurgauer Zeitung berichtete. So haben sich zehn Kunstschaffende aus dem Thurgau spontan entschieden, parallel zur Werkschau einen «Plan B» auf die Beine zu stellen. Sie reden von einem «schalen Beigeschmack», weil einige Künstlerinnen und Künstler bereits zum zweiten oder dritten Mal ausgewählt wurden. Ihre die Werkschau ergänzende Ausstellung ist vom 2. bis 24. November immer samstags und sonntags im Hafen Romanshorn zu sehen (Vernissage am 2. November, 15 Uhr).

Die ganz unterschiedlichen Werke der Thurgauer Werkschau – von Gemälden, Zeichnungen, Fotografien, Skulpturen über Audiostücke und Videoarbeiten bis hin zu wuchtigen Rauminstallationen oder flüchtigen Performances – sind an vier verschiedenen Ausstellungsorten zu sehen: im Kunstraum Kreuzlingen, in der Kunsthalle Arbon, im Shed im Frauenfelder Eisenwerk und im Kunstmuseum in der Karthause Ittingen.

Spannende Kreuzlinger Ausstellung
Für die Kreuzlinger Ausstellung hat Tisserand sieben Künstler ausgesucht, die mit Farbe, Foto- und Videofilm, aber auch mit Zeitungsausschnitten, Stoffen oder Alltagsgegenständen spannende Werke geschaffen haben.

Esther van der Brie hat unter anderem einige wie Flickenteppiche ausgebesserte Strassen in einer Fotoserie dargestellt. Martina Böttiger lädt die Betrachter mit ihrer Installation dazu ein, in eine Detektivgeschichte einzutauchen. Diese besteht aus mit Farbe besprühten Handtüchern auf einem Regal, Seifenblöcken und einer Kralle.

Susanne Hefti stellt in ihren Arbeiten Rekonstruktionsarchitektur, also die Wiederherstellung historischer Gebäude, ins Zentrum. Dieter Hall hat sich in Marokko von bunten Fliesenmustern und anderen vorgefundenen Strukturen zu seinen Bildern inspirieren lassen.

Halls Werke stehen in der Ausstellung vis-a-vis von Cécile Hummels Zeichnungen und Fotografien. Die in Gottlieben geborene Künstlerin kombiniert antike Vasen mit Kunst- und Kulturobjekten aus Papua Neuguinea und Benin. Auf diese Weise hinterfragt sie, wie andere Kulturen unser Kunstverständnis und die Kunstgeschichte beeinflusst haben. Auch Karin Schwarzenbeks minimalistische Werke können als Kommentar verstanden werden: Ihre mit Make-up eingefärbten, zusammengenähten Leinwänden zeigen verschiedene Hauttöne. Sie erinnert daran, dass der Hautfarbe auch immer ein politisches Moment anhaftet.

Rhona Mühlebach hat Film studiert, bevor sie in Glasgow ein Kunststudium absolvierte. Ihre filmische und installative Arbeit im Tiefparterre des Kunstraums entführt die Betrachter in die abgelegenen «Scottish Borders», die auch der Wilde Westen Schottlands genannt werden. Mit ausschliessliesslich weiblichen Protagonisten erzählt sie von den Beziehungen zwischen Frauen und ihren Pferden.

Vernissage mit vier Etappen
Als «Stafettenvernissage» bezeichnen die Organisatoren die morgen hintereinander stattfindenden Eröffnungen der vier Ausstellungen. Los geht es im Kunstmuseum Thurgau in der Karthause Ittingen um 14.15 Uhr mit einer Ansprache von Regierungsrätin Monika Knill. Die Vernissage in Kreuzlingen ist um 15.45 Uhr, in der Kunsthalle Arbon um 17.15 Uhr (mit einer Performance von Christoph Rütimann). Den Abschluss macht das Eröffnungsfest im Shed im Frauenfelder Eisenwerk, das um 19.30 Uhr mit einer Aktion des in Zürich lebenden Künstlers Florian Germann beginnt.
Alle vier Ausstellungsorte können natürlich auch individuell besucht werden und sind am Vernissage-Samstag von 14 bis 19 Uhr geöffnet. Die Ausstellungen sind bis 17. November zu sehen, in Ittingen bis 20. Dezember. Die Ittinger Ausstellung kostet Eintritt.

Rahmenprogramm
Tanzperformances, Aktionen, ein Rundgang mit den Künstlern oder ein Familiensonntag mit kreativem Workshop: an allen vier Ausstellungsorten finden bis zum 17. November Begleitveranstaltungen statt. Das Programm ist unter werkschautg.ch zu finden.

In Kreuzlingen findet am 9. November ein «Fondue des Artistes» statt (Beginn: 18.30 Uhr; Kostenbeteiligung: 25 Franken; Anmeldung bis 7. November an tisserand@kunstraum-kreuzlingen.ch)

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