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Unverwechselbare Kunst

Kreuzlingen – Seit 25 Jahren nutzen Kundry und Hans Niederhauser ein Geschoss in der ehemaligen Molkerei an der Hafenstrasse 4 als Ausstellungsort. Dort zeigt das Künstlerehepaar Jahr um Jahr neue Bilder. Beide nehmen sich Zeit für ihre Gäste und erzählen zu den unverwechselbaren Bildern Anekdoten aus ihrem bewegten Leben. Der Besuch in der Galerie «Bilder-Räume» ist ein erbauliches Erlebnis.

Kundry und Hans Niederhauser verwirklichen sich in ihren Bildern.  (Bild: sb)

Am vergangenen Sonntag feierten Kundry und Hans Niederhauser das Jubiläum ihrer besonderen Galerie mit rund 100 Gästen. Auch Stadträtin Dorena Raggenbass war gekommen, um den Künstlern zu gratulieren.

Die Eröffnungsrede von Dr. Hansjörg Lang aus Mammern war sehr emotional. Er schätzt Hans Niederhauser seit seiner Kindheit. Langs Vater erwarb damals ein Bild, die «Holzgant», und hängte es in der Stube auf. Der Sohn war beeindruckt von dieser neuen Technik, da hatte ein Maler die Farbe gespachtelt, nicht gepinselt. «Es entstanden Konturen, plastische Effekte – ein grossartiges Bild und der Beginn einer grossen Liebe zum grossen Kunstmaler aus Eschenz», berichtete Lang.

Konstante Weiterentwicklung
Auch in seiner Stube hing später «ein Niederhauser», ein Winterbild der Insel Werd, das hatten seine Frau und er sich zur Hochzeit gewünscht. Mehrere Phasen des Malers erlebte Lang hautnah mit: die Landschaften mit den hellen, leuchtenden Farben, später die Waldbilder. An den Bildern von Kundry schätzt Lang unter anderem «ihre Liebe zum Detail, den Fleiss, Wochen an Bildern und Details zu arbeiten und zu optimieren, diese Vielfalt an Motiven». Beide haben ihre Malerei stetig weiterentwickelt, lobte der Festredner. So beschäftigte sich Kundry im vergangenen Jahr mit Sternzeichen und schuf eine Reihe kleinformatiger Bilder zum Thema.

«Mich interessieren Sternzeichen und Horoskope schon lange», verriet sie an der Vernissage. «Ich glaube nicht wirklich an Astrologie, aber entdecke immer wieder etwas Wahres darin, beispielsweise die den Sternzeichen zugeordneten Charaktereigenschaften.» Sie selbst sei Schützin, diese gelten unter anderem als extrovertiert und begeisterungsfähig, dabei aber beständig. «Hans ist ein Zwilling. Wenn ich ihn frage, ob er mit einkaufen kommt, sagt er oft, er habe keine Zeit. Wenn ich dann los will, steht er plötzlich da und kommt doch mit. Typisch, die zwei Gesichter des Zwillings! Aber wir ergänzen uns gut», erzählte sie.

Mit den Händen arbeiten
Zur Kunst von Hans Niederhauser gehört auch der handwerkliche Aspekt: er stellt die Leinwände für seine grossen, gewölbten Bilder und die dafür nötige Holzstruktur selbst her. Diese «konvexe Malerei» entdeckte er einst durch Zufall. Für eine Ausstellung der Künstlergruppe Thurgau hätte er ein Bild anfertigen sollen, das genau einen Meter mal einen Meter gross sein musste. Sein Werk war aber einige Zentimeter zu breit. Also wölbte er es, damit es in den geforderten Rahmen passte.

Mittlerweile ist Niederhauser aus der Künstlergruppe ausgetreten. «Mich interessieren keine Trends, keine Strömungen. Wichtig ist nur, sich selbst auszudrücken, wahrhaftig zu malen», fasst der bald 90-Jährige seine Einstellung zur Kunst zusammen. Lieber leuchtende Farben als grosstuerische Worte! Einer habe mal zu ihm gesagt, er würde nicht zeitgemäss malen. Da antwortete er, das sei ihm egal, denn: «Das ist meine Zeit.» Seit Jahren schon malt Niederhauser nur noch gewölbte Bilder. Unter anderem fasziniert ihn die ständig wechselnde Perspektive, es mache süchtig, so zu malen, gestand er.

In seiner Rede spielte Lang auf diese Authentizität an. «Knorrige, charakterstarke Bäume mit kräftigen Wurzeln, sie stecken fest und bodenständig in der Erde», sehe er auf Niederhausers Bildern. Es seien Ansichten, mit denen man sich wohl fühlt und die das Kino im Kopf anregen würden.

«Ich danke euch für eure grosse Arbeit, für eure Ausdauer, für eure Kunst. Sie macht die Welt ein Stück schöner», schloss er seine bewegende Rede, welche Anwesende und Künstler sehr erfreute.

Die Ausstellung von Kundry und Hans Niederhauser ist noch bis 1. Dezember immer samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr zu sehen. 

www.bilder-raeume.ch

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