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Modefotografie ist Kunst

Kreuzlingen – Modefotografie hat sich in den letzten hundert Jahren zunehmend von dokumentarischer Produkt- oder Werbefotografie hin zu einer Kunstform entwickelt. Zu diesem Schluss kommt Kantonsschülerin Ellie Hutterli in ihrer über 100 Seiten starken Maturaarbeit.

Ellie Hutterli hat 100 Jahre Modefotografie unter die Lupe genommen. (Bild: sb)

«Ich bin sehr an Mode und Kunst interessiert und habe selbst auch schon gemodelt. Ausserdem hat meine Mutter Modedesign studiert und viele Freunde haben in diesem Bereich Weiterbildungen gemacht», beschreibt Ellie Hutterli ihre Gründe, sich mit der Modefotografie und ihrem Werdegang zu befassen. «Mode nehmen wir primär über Fotografien war», ist sie sich sicher.

In ihrer Arbeit versammelt die Maturandin Beispielbilder aus allen Epochen. Sie hat aber auch selbst Fotoshootings organisiert, und das Charakteristische der dargestellten Bilder nachgeahmt. Sie geht ausserdem auf die geschichtlichen Hintergründe jedes der von ihr untersuchten Modejahrzehnte ein. Etwa in den 20er-Jahren, als Frauen selbstbestimmter leben durften und mit den sogenannten «Flappers» erstmals der Typus eines Partygirls aufkam. Diese Entwicklung spiegelte sich in der Modefotografie, ebenso wie die Zurück-an-den-Herd-Mentalität der Zeit vor und während des 2. Weltkriegs.

Modebilder nach dem Weltkrieg zeigen Models in Ruinen, das Wirtschaftswunder setzt danach eine neue Entwicklung in Gang. In den 60er Jahren werden die Themen exotischer, Regeln werden gebrochen, die Models posieren erstmals breitbeinig und dynamisch. Mit der Gegenkultur der 70er Jahr kommen auch Nacktheit und Sex in der Modebranche an. Erstmals sind Models unterschiedlicher ethnischer Herkunft auf den Laufstegen zu sehen.

Die Lieblingsepoche der Verfasserin sind die «Eighties». «Modefotografie war damals so vielfältig wie nie zuvor», sagt Hutterli. «Die Inspiration dazu kam erstmals von der Strasse». Verschiedene Lebensbereiche wie Unterhaltung, Nachtleben oder Pop werden in der Modefotografie aufgegriffen.

Drogen halten Einzug
Digitalisierung, abgemagerte Models, Drogen und der sogenannte «Heroin Chic» oder, wie Kritiker bemängelten, eine allgemeine «Gorifizierung des Todes» waren dominierende Aspekte in der Modefotografie der 90er. Individualität und Authentizität waren stärker gefragt als Schönheitsideale vergangener Jahre, und spielten auch im folgenden Jahrzehnt eine grosse Rolle. Der Fotograf war immer öfter auch digitaler Künstler, der seine Werke fantastisch nachbearbeitete.

Die Hypothese ihrer Maturaarbeit lautet: Models in ihren teuren Kleidern abzulichten, ist mehr als nur Werbung. Es ist über die Jahre eine Kunstform geworden – auch wenn bestimmte Aufnahmen heutzutage mehr der Selbstdarstellung dienen. Etwa die Fotos von Influencern auf Instagramm: «Das ist nicht immer Kunst», stellt die 18-Jährige klar. «Es kann aber Kunst sein.» Wohingegen bei den bekannten Mode-Fotos eines Helmut Newton keine Zweifel bezüglich ihrer Künstlerischen Qualität bestehen. Bemerkenswert findet Hutterli die Demokratisierung, welche im Internetzeitalter möglich ist: «Während Profis für Shootings immer mehr Geld zur Verfügung haben, und die Modefotografie dadurch an Bedeutung gewonnen hat, können heute auch Durchschnittsbürger zu Trendsettern werden.»

Die Präsentation der Mautararbeiten findet an der Kantonsschule am Samstag, 2. November, von 9 bis 13.05 Uhr statt. In vier Blöcken kann jeweils eine Arbeit besucht werden (bitte pünktlich kommen).

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