/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

Mit Zufällen zum neuen Job

Kreuzlingen - Einmal im Monat erzählen geladene Gäste aus Kreuzlingen ein Stück aus ihrer Lebensgeschichte. Den Anfang am Erzählcafé machte Ernst Hofstetter. Der 83-Jährige kam durch Bekanntschaften, Zufälle und Schicksalsschläge zu Arbeitsstellen, die nicht unterschiedlicher hätten sein können.

Bereits in seiner Lehrzeit musste der junge Ernst Hofstetter seinen Beruf wechseln. Durch einen Unfall, bei dem er sich sein Handgelenk verletzte, konnte er seine Ausbildung zum Elektromechaniker nicht beenden. «Der Arzt sagte es, sei fürs Gelenk nicht gesund, wenn ich es beim Schrauben belaste», erläuterte der 83-Jährige. Er habe nicht gewusst, was er nun tun soll. Bis kurz nach ihm ein Elektrozeichner in Ausbildung aus derselben Firma bei einem Unfall ums Leben kam. «Der Chef kam zu mir und bot mir die freigewordene Lehrstelle an», berichtete Hofstetter über die damaligen Umstände.

Ein Raunen war von den rund 110 Zuhörern des Erzählcafés zu hören, als Hofstetter mit diesen Stücken aus seiner Lebensgeschichte begann. Er ist der erste Erzähler des neuen Zyklus des Erzählcafés zum Thema: «Geschichten, die das Leben schrieb».

Einige Jahre später und in einer anderen Firma verkrachte sich Hofstetter mit seinem Boss. «Ich kündigte das Arbeitsverhältnis, ohne dass ich eine neue Stelle hatte», erzählte Hofstetter. Er habe sich auf Stellen im Elektrobereich beworben, aber seine damalige Frau sagte ihm er solle doch Lehrer werden, weil Kinder auf ihn hören würden. «Wie es der Zufall so will, sah ich ein Inserat in der Zeitung für ein zweijähriges Lehrer-Seminar», sagte der Kreuzlinger und bewarb sich. Er hat die Aufnahme- und Abschlussprüfung bestanden. 30 Jahre lang war er Reallehrer in Bottighofen und half als Sek- und Gewerbeschullehrer aus.

Mit 61 Jahren erfand er sich zum letzten Mal neu. «Ich wollte schon immer etwas mit Film und Foto machen», kommentierte Hofstetter seinen Schritt in die berufliche Selbstständigkeit. Schon als Junge fotografierte und entwickelte er Bilder. Später produzierte er mit einer acht Millimeter Kamera seine ersten Kurzfilme in der Bereichen Industrie und Medizin. Gleichzeitig war er bei 13 Theaterinszenierungen in Bottighofen dabei – «Die kleine Niederdorfoper» von Paul Burkhard aus dem Jahr 1951 war eine seiner erfolgreichsten Produktionen. Durch die Eröffnung seines eigenen Fotostudios und die Workshops, die er gab, wurde er von Bekannten angesprochen, ob er bei der Gründung vom Kreuzlingen TV helfen wolle. Bis heute ist der 83-Jährige beim Kreuzlinger Fernsehen tätig.

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