/// Rubrik: Stadtleben

Urteil bleibt weiterhin offen

Kreuzlingen – Am Mittwochmorgen musste ein Treuhänder vor dem Kreuzlinger Gericht erscheinen. Ihm wird zur Last gelegt, in mehreren Fällen Urkunden gefälscht und sich selbst bereichert zu haben. Als Strafausgleich fordert die Staatsanwaltschaft über vier Jahre Haft.

Den Angeklagten könnten über vier Jahre Knast erwarten, wenn es nach der Staatsanwaltschaft geht. (Bild: av)

Der Beschuldigte bestätigte vor den Bezirksrichtern, die ihm vorgeworfenen Delikte begangen zu haben. Darunter fallen die mehrfache qualifizierte Veruntreuung, mehrfache ungetreue Geschäftsbesorgung in Bereicherungsabsicht, gewerbsmässiger Betrug, mehrfache Urkundenfälschung und Anstiftung zur Urkundenfälschung.

Die Verteidigung fordert eine angemessene Geldstrafe anstelle Gefängnis. Aber wegen den langen Plädoyers ist es noch nicht zu einem Urteil gekommen. Die Sitzung wurde auf Donnerstag, 14. November, 16 Uhr, vertagt.

Geschickt vorgegangen
Gemäss dem Angeklagten, sei sein schlechter Geschäftsverlauf der Auslöser für die Veruntreuung der von ihm verwalteten Geldern gewesen.

Ein Fall handelt um den Beistand einer unterdessen verstorbenen alten Frau. Über die Jahre hat er über 250‘000 Franken der verwalteten Gelder auf eigene Konten geschleust.

Der bekannteste Fall dreht sich um die Kinderkrippe Felsenburg. Das grosse Vertrauen in seine Arbeit ermöglichte es ihm ohne grosse Überwachung die finanziellen Mittel der Krippe auf eigene Konten zu verschieben. Es entstanden dadurch höhere Defizite, welche die Stadt sowie die Schulgemeinde Kreuzlingen in gutem Glaube ausglichen. Über die Jahre veruntreute der Angeklagte Gelder in Höhe von über 670‘000 Franken.

Bei einem weiteren Geschädigten war der Treuhänder als Revisor tätig. Da aus nicht klar ersichtlichen Gründen die Aktieninhaber unbekannt bleiben wollten, ergab sich für den Angeklagten die Möglichkeit eine Vollmacht auf dessen Konten zu erlangen. Dafür musste er bei der Bank angeben, dass er gegenüber den Vermögenswerten wirtschaftlich Berechtigter ist. Nebst der Urkundenfälschung ergab sich ein finanzieller Schaden von 415‘000 Franken.

Die als Beistand veruntreuten Gelder schienen entdeckt zu werden. Deshalb zeigte sich der Angeklagte selber an. Der angegebene Betrag von rund 42‘000 Franken bei der Selbstanzeige ist nur die Spitze des Eisberges gewesen. Er hoffte dadurch weiter zurückliegende Taten verschleiern zu können.

Die Geschädigten seien mitschuldig
Der Verteidiger erwähnte mehrmals in seinem Plädoyer, dass der Angeklagte immer nur dann deliktisch handelte, wenn er laufenden Rechnungen nicht nachkommen konnte. Mit den unrechtmässig angeeigneten Geldern sollten Darlehen und Geschäftsaufwände bezahlt und das private Leben finanziert werden. Nach den Aussagen des Verteidigers läge auch eine gewisse Schuld bei den Geschädigten. Denn die fehlenden oder unzureichenden Kontrollen hätten die Veruntreuung von Geldern begünstigt.

Der Angeklagte zahlte, auch mit neuen Darlehen von Freunden, alle unterschlagenen Mittel zurück. Dies betitelte dessen Anwalt als Geste des guten Willens und müsse in den Urteilsentscheid einfliessen. «Ich entschuldige mich bei allen Geschädigten und vor allem bei meinen Eltern, dass sie sich für mich schämen müssen», sagte der Beschuldigte am Schluss mit bewegter Stimme.

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One thought on “Urteil bleibt weiterhin offen

  1. Michael Pelzer

    Kann jemand ausführen, bei welcher Kapitalgesellschaft der Treuhänder als Revisor aufgetreten ist, die er dann mit Kontovollmacht zu schädigen versuchte. Hier wären sicherlich die einen oder anderen investigativ-journalistischen Anknüpfungspunkte zu finden, gerade in Bezug auf die dem Beschuldigten nachgesagten Kontakte zur Prominenz.

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