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Messer, Feuer und Cervelat

Lengwil – Das Gemeindeforum Lengwil lud zum Sackmesserkurs am Weiher. Unter der Leitung von zwei Pfadileitern schnitzen die Teilnehmer Spiesse, Gabeln, Löffel und was ihnen sonst noch in den Sinn kam.

Rund zwanzig Kinder zwischen vier und 14 scharen sich gemeinsam mit ihren Eltern um die Geschwister Anja und Martin Schneeberger. Die beiden erfahrenen Pfadileiter, die das Gemeindeforum engagiert hat, haben passende Holzstücke zur Grillstelle am Bärenhölzli mitgebracht. «Hasel und Feldahorn sind ganz gut geeignet. Tanne bricht zu schnell, Holunder hat weiches Mark und Eiche ist zu hart», erklärt Martin, bevor Anja das Tagesprogramm vorstellt: «Wir machen simple Sachen, die nicht gefährlich und für jedes Alter zu bewältigen sind», sagt die Studentin. «Und wir sagen euch, was man machen und was lieber vermeiden sollte», ergänzt ihr Bruder. «Schnitzt von euch weg, sonst ist die Klinge schnell mal im Bauch. Setzt euch hin zum Schnitzen. Und haltet zwei Meter Abstand zu jedem, der vor euch steht.» Die Hinweise finden Gehör: «Mama, du musst dich hinsetzen», ruft Marina Rüegge ihrer Mutter zu, die vor ihr und ihrem Bruder Lukas steht und einen Ast entrindet.

Zunächst einmal sollen die Kursteilnehmer einfach einen Stecken schnitzen. Anja hilft einem Vater bei der Auswahl des Rohmaterials: «Nehmen Sie den, der ist noch etwas grün. Da geht die Rinde leichter ab. Die anderen sind trocken. Das geht dann schwerer.» Als nächstes soll eine Gabel entstehen. Ein Stück Ast wird zurechtgesägt, entrindet, vorne abgeflacht, und es wird soviel von den eingesägten Spitzen weggeschnitzt, dass nur noch zwei Zinken übrigbleiben. Nico Gloor will drei Zinken schaffen. Das ist gar nicht so einfach – eine droht abzubrechen. Die zehnjährige Silja Hugentobler hat den Zweizack mit ihrem Vater Adrian schnell bewältigt. «Sie ist erfahrene Pfaderin» sagt er stolz. Er selbst setzt das Sackmesser auch nicht zum ersten Mal ein. «Beim Wildcampen früher musste ich einmal einen Löffel schnitzen, damit wir kochen konnten.» Löffel stehen an diesem Tag am Lengwiler Weiher später auf dem Programm. Ein Stück Ast wird gespalten, eine Mulde an ein Ende hineingeschnitten, und dort legt Anja ein glühendes Stückchen Holzkohle hinein. «Mit einem Zweig haltet ihr es in Position. Und jetzt gut pusten, damit es weiter glüht und sich in das Holz hineinbrennt», sagt Martin.

Kreativität bei den Könnern

Spiess, Gabel, Löffel: Das ist der Plan, den die meisten Kinder befolgen. Doch einige wollen lieber ihre eigenen Ideen umsetzen. «Kann ich ein Kanu machen?» «Das ist anspruchsvoll», warnt Anja Schneeberger und versucht, den jungen Bootsbauer auf einen bereits gespaltenen Ast herunterzuhandeln. Nein – es soll ein Einbaum aus einem Rundholz werden. Er muss sich etwas gedulden, bis sie ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen kann. Marina hat sich geschnitten. Sie wird fix mit Desinfektionsspray und einem Pflaster verarztet. «Wie bekomme ich ein Loch in mein Holz», fragt der nächste. «Wozu soll es dienen?», gibt Martin zurück. «Ich will einen Ast hineinstecken, wie einen Bootsmast.» «Dann nimmst du am besten die Ahle hinten am Sackmesser. Damit kannst du bohren.»

Die Eltern nehmen das Angebot des kleinen Lehrgangs gerne an. Roman Buob freut sich, dass sein sechsjähriger Sohn Denny lernt, mit dem Messer umzugehen: «Ich selbst bin früher als Kind viel mit meinem Onkel im Wald gewesen. Er war Jäger. Man schnitzt einfach, weil’s Spass macht.» Ein Vater mit drei Jungs stimmt zu: «Es geht weniger um das Produkt, sondern um das Messer. Ein Sackmesser gehört einfach dazu, wenn man wie wir gerne draussen ist.» Spätestens beim Bräteln der Cervelats über dem offenen Feuer ist der sauber gespitzte Spiess dann aber doch wichtig. Und das Sackmesser dient jetzt dazu, die Wurst in mundgerechte Stücke zu zerteilen.

Politischer Hintergrund

Kindern den sicheren Umgang mit dem Sackmesser beizubringen, war nur ein Gedanke bei der Planung des Kurses. Das Gemeindeforum als überparteiliche Gruppierung für das Organisieren von kulturellen und politischen Aktivitäten will gleichzeitig den Lengwilern Gelegenheit geben, Daniela Willner kennenzulernen. Sie kandidiert auf Bitten des Forums für den vakanten Posten der Gemeinderätin für Soziales und Gesundheit.

«Wenn wir bei der Planung schon gewusst hätte, dass sich auch Monika Linder bewirbt, hätten wir vielleicht eine Podiumsdiskussion organisiert, aber sie hat sich spät entschieden. Deshalb sind wir bei unseren Plänen geblieben, beim Schnitzkurs auch eine Begegnung mit Daniela Willner zu ermöglichen», erklärt René Schönholzer. Willner spielt zwar schon eine Weile bei der Volleyballriege mit, ist aber erst im März in die Gemeinde gezogen und dementsprechend recht unbekannt. Nach Ansicht der Kerngruppe des Gemeindeforums ist die 34-jährige Fachfrau für soziale Arbeit durch ihren beruflichen Hintergrund ideal für den Posten geeignet. Sie arbeitet als Berufsbeiständin in Märstätten mit einem 80 Prozent Pensum. «Ich habe mir erklären lassen, welche Aufgaben es gibt», sagt sie. «Die kann ich erfüllen. Und einen Teil der Arbeit kenne ich bereits aus anderer Perspektive.» Am 24. November entscheiden die Lengwiler, wer sich der Herausforderung des Amtes stellen soll.

Text, Bilder: Inka Grabowsky

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