/// Rubrik: Kultur | Topaktuell

Drei alte Männer und ein Meer aus Musik

Kreuzlingen – The Ithaka Chronicles über eine Odyssee durch die Welt des antiseptischen Idealismus zu ihrem neuen, fünften Album. Eine auf sympathische Art bescheidene, bemerkenswerte Band. in Interview mit Christian Rechsteiner, Bassist der Band und ein Rückblick auf eine Dekade des musikalischen Schaffens.

(V.l.n.r.) Bassist Christian Rechsteiner, Sänger Bräuer und Drummer Sergio stehen mit ihrer Band The Ithaka Chronicles seit zehn Jahren auf der Bühne.  (Bild: zvg)

Christian Rechsteiner, ihr seid eine dreiköpfige Band mit ungewohnter Aufstellung: Bass, Drums, Rhodes, Synthesizer und Gesang. Wie habt ihr eure Rollen innerhalb der Band gefunden?

Christian Rechsteiner: Das begann nach dem Ausstieg unseres damaligen Gitarristen. Wir empfanden den freigewordenen Raum nicht als Leere, sondern nutzten ihn, ohne ihn einfach auszufüllen. Das ergab die interessante Synergie der Instrumente, die uns heute noch Ideen anbietet.

The Ithaka Chronicles gibt es seit zehn Jahren. Wie lange macht ihr wirklich schon Musik?

Eine gefühlte Ewigkeit: Der Sänger Breuer und ich am Bass haben schon kurz nach der Ausbildung zusammen Musik gemacht, mit unserem Schlagzeuger, Serge seit 2002. Wir sind eine Familie.

Bezeichnet ihr euch deshalb als alte Männer?

Naja, weil wir das sind: Wir sind sicherlich älter als jene, die heute auf Tournee gehen und ihre Karrieren auf ganz andere Weise vorantreiben. Aus dieser Perspektive könnte man sagen, dass wir verhältnismässig erfolglos und eben alt sind (lacht). Wobei Erfolglosigkeit durchaus ein Privileg sein kann.

Wie kriegt ihr Familien-, Berufs- und Bandleben unter einen Hut?

Wir können uns natürlich nicht mehr wie früher für mehrere Sessions in unseren Proberaum zurückziehen, wann es uns gefällt. Wir haben einen fixen Termin pro Woche festgelegt und halten uns eisern daran. Das lässt uns in der Entwicklungsphase etwas langsamer werden, trotzdem sind wir in unseren Proben sehr effizient. Wir arbeiten in der wenigen Zeit, die wir haben, sehr intensiv und gut organisiert, weil wir mittlerweile genau wissen, wer wie tickt.

Wie arbeitet ihr zusammen?

Bei uns herrscht Demokratie pur: Jeder hat ein Vetorecht, das er jederzeit nutzen kann, wenn er von einer Idee nicht überzeugt ist und das wird respektiert. Der Chef-Seismograph, der ein sehr gutes Gespür für eine gute oder eben nicht so taugliche Idee hat, ist eindeutig Breuer. Wenn er etwas nicht gut findet, können wir uns darauf verlassen, dass daraus nichts werden wird. Wir haben immer viele Ideen und die Grundsubstanz ist schnell vorhanden, doch dann beginnt die eigentliche Arbeit erst. Diese Phase kann dann schon mal mehr und längere Zeit in Anspruch nehmen. Manche Ideen brauchen mehr Aufmerksamkeit und Ausarbeitung – gerade dann, wenn man sie einfach halten will- denn das bedeutet, dass viele Entscheidungen getroffen werden müssen.

Wie entsteht ein Song bei euch?

Der Input kommt meist instrumental von einem von uns und wir entwickeln ein Konstrukt aus einem Beat, einer Melodie, einem Riff. Danach fängt der Song an, sich zu bewegen, in Breaks die Form zu verändern oder wir merken, dass ein anderer Teil, auf den wir dann hinarbeiten, dazugehört. Der Text kommt zum Schluss.

Du gibst den Songs mit deinen Texten den letzten Schliff. Was inspiriert dich?

Ich höre genau hin und versuche zu erahnen, was der Song braucht, beispielsweise welche Geschichte erzählt werden muss und wer oder was sie übermitteln soll. Die Literatur ist ebenfalls eine grosse Inspirationsquelle. So hatten unter anderen Brecht wie der Film «der weisse Hai» ihren Einfluss auf den Text zu «Sharks», der von einem Super 8-Film begleitet wird.

Was bewegte euch nach vier selbst produzierten Alben dazu, euer fünftes extern bearbeiten zu lassen?

Wir wollten frisches Blut, einen anderen Blickwinkel auf unser eigenes Schaffen. Vor allem ging es darum, die Arbeit der Aufbereitung von innerhalb der Band ausserhalb erledigen zu lassen, was selbstverständlich nicht ohne unser Zutun ging. Dieses Mal haben wir auf CDs verzichtet, weil sie unserer Meinung nach einfach uncool sind. Unseren Sound gibt es aber auch auf iTunes , Spotify und Deezer zu hören und zu kaufen. Ein bisschen gehen wir also schon mit der Zeit mit. Tapes wären vielleicht auch was.

Welches Album gefällt euch selbst am besten?

Von den Songs her gefällt uns allen das erste Album «I» am besten und wir spielen ein paar von den Stücken an jedem Konzert. Wir versuchten auf dem fünften Album auch ein bisschen zurück zu diesen vielseitigen, nicht so konventionellen Songstrukturen unseres ersten Albums zu kommen. Unser drittes Album «III» finde ich persönlich deshalb sehr cool, weil es sich durch seine psychedelische, eher düstere Stimmung, die auf dem ganzen Werk präsent ist, ganz klar von den anderen abhebt. Sich davon wegzubewegen und wieder andere Einflüsse wahrzunehmen war gar nicht so leicht.

Was mögt ihr gar nicht?

Egotrips, antiseptische Konzertatmosphären, Gitarristen und den Zugaben-Zwang.

Was ist eine eurer besten Erinnerungen?

Da gibt es viele! Spontan fällt mir das «Chellerkonzert» im September in Herisau ein: Das erste Konzert mit unseren neuen Songs. Als wir ankamen, waren wir ein bisschen skeptisch und fühlten uns alt und eingerostet, da wir auch schon länger nicht mehr aufgetreten waren. Auf der Bühne dann erhielten wir grossartiges Feedback vom Publikum, das in einer super Laune war und unser Konzert genoss. Das war ein genialer Start, eine gute Bestätigung.

Und was kommt als nächstes?

Zuerst einmal spielen wir am 15. November im Kult-X in Kreuzlingen. Unsere Set List wird das neue Album vorstellen, zugleich aber auch unsere steten Begleiter repräsentieren. Dann werden wir uns wohl bald wieder in unserem Proberaum an Album «VI» setzen.

Christa Baumann

Zum Auftritt

Freitag, 15. November, 19 Uhr

Kult-X, Hafenstraße 8, Kreuzlingen

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.