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Applaus an der Eröffnung

Tägerwilen – Seit gestern hat das «Kilo+Gramm» in Tägerwilen geöffnet. Direkt vis-à-vis vom Rathaus bieten Hampi Baer und sein Team fair und nachhaltig produzierte Lebensmittel an. Zum Geschäft gehört auch ein Gastrobereich. Für das «LadenLokal» wurden die ehemaligen Schlachträume seiner Metzgerei umgestaltet: Die Mischung aus modernen Einrichtung und altem Flair ist ein echter Hingucker geworden.

Seit gestern bewirtet Hampi Baer (r.) Gäste im «Kilo+Gramm».  (Bild: sb)

Orientiert hat sich Hampi Baer an Markthallen, die er an vielen Orten – von Tägerwilen bis Marokko – kennengelernt hat. «Ich liebe das bunte Treiben, die vielen Produkte und den Konkurrenzkampf», sagt der Gründer des Antipasti-Unternehmens Ceposa. In dieser Funktion war er während 20 Jahren viel unterwegs, um aussergewöhnliche Produkte aufzuspüren. Mit Erfolg: Zuletzt erwirtschaftete Ceposa zehn Millionen Franken Umsatz. Nachdem er seine Firma 2018 verkaufte, liess ihn die Idee eines Ladens, der Produkte nach seinem Geschmack verkauft, nicht mehr los. In vielen nächtlichen Gesprächen arbeitete er diese zusammen mit seinem ehemaligen Mitarbeiter Georg Felber aus.

Felber ist heute Mitinhaber und Geschäftsführer. Er und sein Team wollen ausschliesslich Produkte aus der Nähe anbieten: Fleisch, Fisch, Käse, Obst, Gemüse und Brot. Dazu kommen Spezialitäten, die dort produziert werden, wo sie wachsen: feine Öle, Nudeln, Sos-sen, Gewürze, Bier und Wein stehen in den Regalen. Fleischerzeugnisse stehen im Fokus: Sie sollen die Menschen in den Laden locken und das übrige Angebot beleben.

Die Kunden können alles vor Ort verzehren; auch Frühstück, Mittagessen und Snacks gibt es. Das Feuer im Herzen des Ladens – der Küche – brennt dienstags bis freitags von 8 bis 18.30 Uhr, samstags von 8 bis 14 Uhr. «Qualitativ hochstehend, ausserordentlich, biologisch, ökologisch, leidenschaftlich», so soll das Einkaufserlebnis werden, «wenig statt viel, Handwerk statt Industrie».

Mit der Tägerwiler Metzgerei Baer schloss 2015 eine weitere Traditionsmetzgerei. Jetzt ist in den seitdem nur als Lager benutzten Räumlichkeiten wieder Leben eingekehrt. Das Team von «Kilo+Gramm» um Geschäftsführer Georg Felber (2.v.l.) und Inhaber Hanspeter Baer (3.v.r.) verfolgt ein einfaches Motto: Sie wollen das verkaufen, was viele gerne hätten, aber nicht allen zugänglich ist. (Bild: sb)

Gesund und lustvoll

Dazu gehört auch, dass nicht immer alles verfügbar sein muss und dass nur Fleisch von Tieren verarbeitet werden soll, die ein gutes Leben hatten. Die Gäste der Eröffnung quittierten das Konzept des etwas anderen Dorfladens mit Applaus. Besonders ins Auge fiel ihnen der gelungene Umbau der Räumlichkeiten. Architekt Bruno Felber liess viele Details der ehemaligen Schlachträume am Leben: etwa die Fliesen oder Decken – manchmal zum Erstaunen der Handwerker, wie er den Anwesenden verriet. Jetzt kontrastiert das Schlachthaus-Flair mit der hochwertigen, modernen Einrichtung und erzeugt eine besondere Atmosphäre. Sie unterstützt den Erlebniswert eines Besuchs an der Bahnhofstrasse 4.

Ökologisch und individuell

Übrigens: Im «Kilo+Gramm» kann man seine Waren im eigenen Geschirr wiegen lassen und kaufen. «Wir lieben das Leben und die Natur und versuchen, so wenig Abfall als möglich zu produzieren und nur so viel Plastik wie möglich zu verwenden», lautet das Credo. Um Lebensmittelverschwendung vorzubeugen, wird mit der App «To Good To Go» zusammengearbeitet.

Mindestens vier Mitarbeiter sollen ständig vor Ort sein, so Felber gegenüber der Kreuzlinger Zeitung. «Es handelt sich um ein ambitioniertes Projekt, das ist mir klar», räumt er ein. «Aber ich glaube, wir schliessen damit eine Bedarfslücke. Es wollen nicht alle nur beim Grossverteiler kaufen. In der Vergangenheit sind aber immer mehr kleine Läden und Metzgereien verschwunden.»

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