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Erneut Aufruhr in der Katholischen Kirchgemeinde

Kreuzlingen – Die Budgetversammlung endete mit einem Eklat. Pater Jan Walentek verlässt Kreuzlingen mit seinen Ordensbrüdern Ende Juli.

Pater Jan Walentek (m.) verlässt die Gemeinde. (Bild: Inka Grabowsky)

Der Präsident der Kirchenvorsteherschaft Beat Krähenmann musste ein Communiqué der Regionalverantwortlichen der Bistumsregion Margrith Mühlebach verlesen. Offenkundig kann es Pater Jan nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, Laien in der Eucharistie, dem Abendmahl, einzusetzen. Genau das aber verlangt der Bischof vom Leiter des neuen Pastoralraums. Der Pfarradministrator der Pfarreien St. Stefan und St. Ulrich war seit langen für den Posten im Gespräch. Sich auf die Rolle als Kaplan zurückzuziehen, kam für den Theologen aus Polen nicht in Frage, deshalb liess er sich von der Provinzleitung der Redemptoristen abberufen. «Die ganze Kirchenvorsteherschaft ist sehr enttäuscht, dass das Bistum keinen Kompromiss gefunden hat», so Krähenmann. «Wir haben die Eskalation nicht verhindern können.» Die Gemeindemitglieder waren schockiert: «Unglaublich», «Eine Katastrophe», «Das sollen wir uns gefallen lassen?», «Pater Jan war ein Glücksfall für uns, wenn er geht, ist das ein Desaster.»

Zunächst blieb den 66 Anwesenden nur, Pater Jan mit stehenden Ovationen moralisch zu unterstützen. Wer nach dem 31. Juli sein Amt übernehmen kann, ist noch ungeklärt. Auch die Zukunft des Priesterhauses in Bernrain, das eigentlich für die Redemptoristen modernisiert werden sollte, ist ungewiss. «Wir werden keine Kosten auf uns nehmen, wenn wir nicht wissen wie es weitergeht», sagte Krähenmann.

Budget einstimmig verabschiedet
Vor dem dramatischen Schlusspunkt hatte die Kirchgemeindeharmonisch über zukünftige Ausgaben beraten. Das Budget, das einen kleinen Überschuss von 1865 Franken vorsieht, wurde einstimmig beschlossen. Darin eingeschlossen ist eine Reinigung der Kapelle Bernrain. Pilze drohten hier Schäden an den Mauern zu verursachen. Der Nährboden aus Russ und Staub auf den Wänden soll ihnen nun entzogen werden.

Einstimmig genehmigte die Versammlung auch den Bauabrechnung vom Kirch- und Parkplatz vor St. Stefan, die rund ein Prozent günstiger ausgefallen war als budgetiert. In Sachen Steuerfuss war sich die Gemeinde ebenfalls einig. Er soll zunächst bei 16 Prozent bleiben. Aufgrund der Steuerreformvorlage, die im Februar zur Abstimmung kommt, könnten auf die Kirchgemeinde allerdings Mindereinnahmen von 220’000 Franken zukommen. «Wenn die Vorlage angenommen wird, können und müssen wir zunächst auf unser Eigenkapital zurückgreifen», erklärte Kirchenpfleger Simon Tobler, «aber im nächsten Jahr kommen wir um eine Diskussion über eine Steuerfusserhöhung nicht herum.»

Mit nur einer Gegenstimme verabschiedete das Gremium ein Regulativ zur Besoldung der Angestellten. Inhaltlich stellt es keine Neuerung dar. Ohne Widerspruch nahmen die Kirchbürger zur Kenntnis, dass zunächst auf dem Friedhof St. Ulrich und später auch auf dem Friedhof Bernrain im Auftrag der Stadt weitere unterirdische Grabkammersysteme aus Beton errichtet werden. Bei konventionellen Erdbestattungen konserviere der lehmige Boden Särge über Jahrzehnte.

Inka Grabowsky

Sprachlos
An der gestrigen Pressekonferenz, worin Pater Jan Walentek sich hätte aussprechen können, erschien er nicht.

Zur Planung der nächsten Schritte steht in den kommenden Tagen ein Treffen mit Margrith Mühlebach, Regionalverantwortliche des Bischofsvikariat St. Viktor, auf dem Plan.

Es ist keine Seltenheit, dass in der Schweiz «Laien», abgesehen von der Kommunion, die Messe oder Teile davon abhalten. Gemäss einem Statement des Bistum Basels ist diese Ausnahmeregelung von ganz oben abgesegnet und soll dem Personenmangel entgegenwirken.

Sandro Zoller

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3 thoughts on “Erneut Aufruhr in der Katholischen Kirchgemeinde

  1. Helga Reimers

    „Die Katholische Kirche schafft sich selber ab“ – sagte mir schon vor Längerem ein Priester. Und siehe – vor allem jene, die für unseren Zusammenhalt sorgen müssten – unsere Bischöfe – sind mächtig dabei, uns abzuwürgen statt zu fördern. Aber sie glauben, wenn mehr Laien an die Front kommen, dann wird alles besser. Diese Laien existieren schon – doch wo sind sie nur? Bei den Gebetsstunden, in der Eucharistiefeier? Ich sehe sie nicht! Sie werden gewiss auftauchen, wenn sie demnächst höhere Ämter einnehmen. Dafür kann man ja jetzt schon mal solche, die geweiht wurden nach dem Motto „Priester auf ewig“ – etwas mehr gängeln, wieder zu Kaplänen machen oder ihnen gar den Mund verbieten.
    Von solchen tief enttäuschten Priestern gibt es bereits mehrere – seltsamerweise gerade solche – die ihre Nachfolge Christi sehr ernst nehmen.
    Im Vollbesitz ihrer Kräfte werden sie nicht mehr gebraucht; gleichzeitig gibt es immer noch komische Katholiken (wie mich), die um Priesternachwuchs beten. – Der Heilige Geist wird mit gewaltiger Kraft wirken müssen, um bei solchen Zuständen noch junge Männer für Christi Kirche zu begeistern – von der sie womöglich bald danach einen Fusstritt erhalten, weil sie uns Laien nicht genehm sind. OREMUS!

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    1. Annelies Ricklin

      Liebe Frau Reimers
      Sie sprechen mir aus der Seele. Vielen Dank!
      Im Gebet verbunden grüsse ich Sie herzlich
      Annelies Ricklin

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  2. Andreas

    Das mit «dem Priestermangel entgegenwirken» durch den Laieneinsatz hat ja wohl fraglos hervorragend funktioniert (Ironie off).
    Wer will da noch in einem Bistum als Priester wirken. So vertreibt man noch schnell die wenigen.

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