/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

Naivität schützt nicht

Kreuzlingen – Ein aus Ungarn stammender landwirtschaftlicher Mitarbeiter stand am Montag vor Gericht. Wegen Besitz und Weiterleitung von verbotenem Bild- und Videomaterial, unter anderem Kinderpornografie, wurden ein Landesverweis von fünf Jahren und eine Geldstrafe.

Das Gericht hat einen Landesverweis ausgesprochen. (Bild: succo/Pixabay)

Der im Bezirk Kreuzlingen tätige Mitarbeiter eines landwirtschaftlichen Betriebes wurde wegen Besitz und Versendung von Bildern und Video-Dateien mit sexuellen Handlungen mit Minderjährigen, sexueller Gewalt und mehrfachen Gewaltdarstellungen angeklagt.

Witzige Sachen gesucht
Der verhängnisvolle Beitritt der «WhatsApp» Gruppe «Meanwhile-Party» mit unbekannten Personen, war die Folge einer Suche nach witzigen Sachen, so der Angeklagte. «Am Anfang war der Inhalt normal, erst später häufte sich der Upload von schlimmen Bildern und Videos», antwortete der Ungare auf die Frage der Richterin.

Da sich der 23-Jährige nicht bewusst war, dass «WhatsApp» Dateien automatisch auf dem Smartphone speichert, hatte er bald tausende von Bildern und Videos darauf – darunter auch das ihm zur Last gelegte Material. Nach eigenen Aussagen hatte er nur wenige Dateien angeschaut und sie alle gelöscht. Ein Video, worin zwei Knaben sexuelle Praktiken vollziehen, hatte der Angeklagte auf Facebook an Bekannte gesendet. In einem weiteren Film tackert ein Handwerker mittels Nagelpistole die Vorhaut seines Glieds auf ein Holzbrett. «Ich habe die Videos verschickt, um darauf aufmerksam zu machen, wie schlimm die Welt ist.» Es sei ihm bei dessen Anblick übel geworden. Die vorsitzende Richterin konnte dieser Methode des «Aufrüttelns» nichts Gutes abgewinnen. Auch der Staatsanwalt sagte in seinem Plädoyer, dass er sich noch nie so abscheuliches Material hätte anschauen müssen. Nebst einer Köpfung war auch Sex mit einer Leiche darunter. «Es war nicht möglich zu sehen, ob die Videos und Bilder echt oder gestellt sind», fügte der Staatsanwalt an.

Jugendlicher Leichtsinn
Der Arbeitgeber des Ungaren hatte nur gute Worte, so wie auch dessen Nachbarin. Er sei hilfsbereit, anständig und ein fleissiger Angestellter. «Er arbeitet 55 Stunden die Woche, geht mit seinem Bruder einkaufen und ist sonst zu Hause. Für mehr hat er keine Zeit», sagte der Chef. Zudem erwähnte er, dass sein Mitarbeiter noch sehr jung und naiv sei.

Auch dessen Anwalt sah den Landesverweis von fünf Jahren und die Verfahrenskosten von über 20’000 Franken als zu hoch an. «Ja, er hat einen Fehler begangen und bestätigt das auch. Er hat aber sofort alles gelöscht und ist aus der Gruppe ausgetreten. Dafür ist das geforderte Urteil zu streng.» Er könne auch die Geldstrafe nicht bezahlen, wenn er das Land verlassen müsse.

Kein Pardon
Die Richter wichen kaum von den Anträgen der Staatsanwaltschaft ab. Einzig ein lebenslanges berufliches und aus-serberufliches Verbot von Tätigkeiten mit Kindern wurde nicht ausgesprochen. Die Vorsitzende sah den Landesverweis als vertretbar, da sie den Angeklagten für nicht wirklich integriert und die wiederhergestellten Dateien als massiv einstufte.

Der Verurteilte hat zehn Tage Zeit beim Kantonsgericht Berufung einzureichen.

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