/// Rubrik: Stadtleben

Zu Huf am Chlaus-Einzug

Kreuzlingen – Heute Freitag stehen der Samichlaus und sein Schmutzli im Mittelpunkt. Aber was ist mit dem Esel? Ben zum Beispiel hat seinen grossen Auftritt am Chlaus-Einzug.

Der Esel Ben darf immer zuvorderst mit dem Schmutzli-Bischof laufen. (Bild: Thomas Meier-Löpfe)

Nicht nur für den Samichlaus und den Schmutzli ist jetzt die arbeitsintensivste Zeit, sondern auch für die Esel. Einer von ihnen ist Ben aus Altnau. Er ist einer der grössten pelzigen Begleiter des Chlaus-Einzugs am Sonntag, 8. Dezember.

Um 15.15 Uhr holt Thomas Ben von seinem Hof in Altnau ab. Thomas ist einer der Chläuse der Klausengesellschaft Kreuzlingen. Die zwei sind schon seit 20 Jahren gute Freunde. Nach einer Umarmung zur Begrüssung geht die Reise los. «Komm Ben ab in den Anhänger», ruft Thomas zur Eile auf. Die 15-minütige Fahrt nach Kreuzlingen nutzt Ben um sich die Gegend anzusehen. Denn es kommt sehr selten vor, das er auf Achse ist, sonst ist er nämlich zu Huf mit seiner Familie zu Hause unterwegs.

Beim Chlaus-Hauptquartier angekommen hinter dem Z88, legt Thomas eine Decke um Ben und darüber noch zwei Säcke. In den Säcken sind nur ein paar Mandarinli und dienen hauptsächlich als Dekoration, denn er soll nicht als Lasttier am Einzug mitlaufen. Auch Thomas schlüpft in sein Chlauskostüm. Nach einem letzten Styling-Check im Spiegel laufen sie mit den anderen der Klausengesellschaft zum Bärenplatz. Dort hat Ben noch Zeit seine drei Artgenossen anständig zu begrüssen und zu beschnuppern, denn sie sehen sich nur am Chlaus-Einzug.

Um 16 Uhr geht der Umzug los. Zuvorderst gehen die Kinder der Pfadi Kreuzlingen mit ihren Leiterwagen, aus denen sie Mandarinli, Nüssli und Schoggi an die Zuschauer verteilen. Dicht hinter ihnen darf Ben mit dem Bischof und seinem Schmutzli gehen, gefolgt von rund 30 Samichläusen, deren Schmutzlis und Bens pelzigen Kollegen. Dahinter zieht der Traktor das Chlaus-Hüsli aus dem zwei weitere Chläuse fleissig Mandarinli und Nüssli unter die Leute bringen. Das Schlusslicht ist ein Wagen, der von Pferden gezogen wird und in ihm sind prallgefüllte Säcke mit noch mehr Mandarinli.

Mit hocherhobenem Haupt stolziert Ben neben dem Bischof durch die Gassen, nur wenn er etwas Spannendes auf dem Boden sieht, senkt er seinen Kopf. «Komm Ben, wir müssen weiter», spricht ihm der Bischof zu. Wenn es nichts zu Fressen ist, verliert Ben sowieso schnell wieder das Interesse. Er braucht eigentlich auch nichts zu Fressen, denn er gönnte sich noch zu Hause ein Zvieri. Aber gegen ein Rüebli zwischendurch hätte er nichts einzuwenden. Deshalb kontrolliert er hin und wieder was die kleinen zweibeinigen Zuschauer in den Händen halten, dabei lässt er sich auch mal gerne streicheln.

Um 17 Uhr ist am Stadthaus auf dem Boulevard der Einzug zu Ende und der Bischof hält seine Weihnachtsrede. Die anderen Esel gehen währenddessen schon Mal auf den Nachhauseweg, Ben bleibt jedoch noch und hört dem Bischof zu. Aber danach hat auch er Feierabend. Thomas nimmt ihn wieder unter seine Fitiche und läuft mit ihm zum Chlaus-Hauptquartier zurück. Für die anderen Chläuse geht es mit den Hausbesuchen weiter, aber ohne Esel. Das wäre für Ben und seine Kollegen zu stressig.

Thomas chauffiert Ben wieder nach Hause. «Danke Ben, das hast du gut gemacht», bedankt er sich und umarmt ihn. Ben trottet zufrieden zurück in den Stall zu seiner Familie. Sie wartet schon gespannt auf ihn und seine Erzählungen vom Tag.

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