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Die Viertelstundenschläge fallen weg

Kreuzlingen – Die evangelische Kirchgemeinde entspricht einer Forderung der Stadt und stellt einen Teil der nächtlichen Zeitsignale ab.

Thomas Leuch bekommt im Frühjahr Konkurrenz bei den Erneuerungswahlen von Susanne Dschulnigg. (Bild: Inka Grabowsky)

Der Streit zwischen einigen Anwohnern der Stadtkirche und der Kirchgemeinde dauert schon einige Jahre. Die Glocken sind nachweislich zu laut. Die Stadt hatte der Kirchgemeinde nach diversen Ankündigungen im Oktober eine Verfügung zugestellt, nach der wenigstens nachts der Viertelstundenschlag abzuschalten sei. Allerdings lässt sich das 130 Jahre alte mechanische Werk, das Schläge eines gusseisernen Hammers auf die Aussenkante der Glocke auslöst, nicht einfach umprogrammieren. Ein Fachunternehmen kann aber für 12’000 Franken Elektromagnete anbringen, die das Signals zum Auslösen der Schläge unterbrechen. Dieser Kompromiss fand auf der Gemeindeversammlung eine Mehrheit. Als geradezu indiskutabel wiesen die 78 anwesenden Stimmberechtigen die Idee zurück, den Klang der Glocken beim liturgischen Läuten zu dämpfen. Das hätte einen Investitionskredit von 134’000 Franken bedingt. Der Klöppel in der Glocke hätte ausgetauscht werden müssen. «Das Läuten hat Tradition», «Es ist kein Lärm, sondern Kultur», lauteten Voten, denen sich die Meisten anschlossen.

Finanzielle schwere Zeiten
Auf die evangelische Kirchgemeinde kommen finanziell unsichere Zeiten zu. Die Unternehmenssteuerreform wird zu Einnahme-Einbussen führen. Gleichzeitig muss die Gemeinde Sanierungen bei diversen Liegenschaften durchführen. Heizungen sind zu ersetzen, das Pfarrhaus muss renoviert werden, das Dach der Stadtkirche ist von Moos zu befreien, der Sockel der Kirchen in Kurzrickenbach muss trockengelegt werden: Den zu erwartenden Ausgaben stehen nicht genug Einnahmen gegenüber. Die Versammlung beschloss deshalb, nach Senkungen in 2008 und 2016 den Steuerfuss von 14 auf 16 Prozent zu erhöhen. «Wir sind damit im Vergleich zu anderen Gemeinden immer noch günstig», betont Pascale Wallroth aus der Finanzkommission. Um zukünftig bei Renovationen besser vorbereitet zu sein, wurde die Einrichtung eines Erneuerungsfonds beschlossen. Er soll mit allfälligen Überschüssen gefüllt werden und dient zweckgebunden dem Erhalt der Liegenschaften. Ausserdem beantragten Stimmbürger, auf die Einrichtung des Streamings von Gottesdiensten zu verzichten. Das Projekt war mit einmalig 34.000 Franken und jährlich 13’800 Franken budgetiert. «Das können wir uns jetzt schlicht nicht leisten», hiess es nun. Der Antrag auf die Streichung der digitalen Übertragung wurde bei nur sieben Gegenstimmen angenommen.

Konkurrenz angekündigt
Im Frühjahr stehen – wie im ganzen Kanton – Erneuerungswahlen auch in der Kreuzlinger Kirchgemeinde an. Die frühere Präsidentin Susanne Dschulnigg kündigte an, bei der Wahl für das Präsidium wieder zur Verfügung zu stehen. «Ich bin 2016 mit Freude zurückgetreten, weil ich dachte, ich hätte einen guten Nachfolger gefunden. Heute stelle ich fest, dass es viele Situationen gibt, in denen es mir schwerfällt, loszulassen.» Sie werde keinen aktiven Wahlkampf betreiben. «Jeder möge selbst beurteilen, wie ihm die vergangenen vier Jahre gefallen haben.»

Inka Grabowsky

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One thought on “Die Viertelstundenschläge fallen weg

  1. Reto Meier

    „(…) für 12’000 Franken Elektromagnete anbringen (…)“
    ich kenne eine viel günstigere Alternative. Einfach den Stecker ziehen und alle können beruhigt durchschlafen. Das spart sogar noch Strom.

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