/// Rubrik: Stadtleben

Kreuzlingen auf zwölf Blättern

Kreuzlinge – Manch einer ist noch auf der Suche nach einem neuen Kalender und hat dabei vielleicht schon gedacht, dass es cool wäre, wenn es einen aus seinem Wohnort gäbe. Die Hobbyfotografin Gabi Emser fackelte nicht lange und veröffentlichte einen Kreuzlinger Kalender 2020.

Gabi Emser hier selbst in einem Motiv aus ihrem Kreuzlinger Kalender 2020. (Bild: Andrea Vieira)

«Am schwierigsten war ein Winterbild mit Schnee zu schiessen, denn es schneit hier bei uns so selten», sagt Gabi Emser und muss lachen. Diesen Frühsommer entschied sie sich aus ihrer grossen Bildersammlung ein Kreuzlinger Kalender 2020 zu machen und seit diesem Herbst ist er im Handel. Die meisten können ihr vermutlich zu stimmen, dass Schnee in den Wintermonaten ein rares Gut in Kreuzlingen ist. So ziert das Januar-Blatt ein älteres Bild aus dem Jahr 2017 vom schneebedeckten Seeburgpark. «So gut wie jedes Bild habe ich im jeweiligen Monat geschossen», sagt Emser.

Kreuzlingen im richtigen Bild

Die ambitionierte Hobbyfotografin ist häufig mit ihrer Canon auf der Pirsch nach einem guten Motiv. Dabei schreckt sie auch vor den frühen Morgenstunden nicht zurück: «Ich war auch schon um 6 Uhr am See.» Dies scheint eine gute Zeit zu sein, um ein Motiv im richtigen Licht der Sonne zu erwischen – wie auch das Wirtshaus zum Bären beim Bärenplatzkreisel. «Zunächst wusste ich nicht, aus welchem Winkel ich das Riegelhaus fotografieren soll, weil immer die Strassenschilder im Bild waren. Bis ich darauf kam, dass die genauso zum Bärenplatz gehören wie das Wirtshaus selbst.» Weitere bekannte Ecken sind auf den zwölf Blättern zu finden, sowie die Kunstgrenze und die Basilika St. Ulrich. «Die Grenze sowie die Kirche gehören für mich einfach zu Kreuzlingen und mussten im Kalender vorkommen», sagt Emser zu ihrem Motiv-Entscheid. Sie hat aber auch Sujets ausgesucht, die nicht gleich verraten wo sie sich verstecken – das Bild vom «Campus Bildung» zum Beispiel. Es gäbe viele schöne Ecken in Kreuzlingen, die mal gezeigt werden müssten, so die 58-Jährige. «Vom Campus habe ich bestimmt 50 Fotos gemacht bis ich das Gefühl hatte ‹jetzt passt’s›», sagt Emser. Sie hat so viele Fotos, die sie noch zeigen möchte, dass sie bereits an einem neuen Kalender mit Landschaftsbildern dran ist. Dieses Mal aber mit Gedichten zu jedem Bild.

Publizieren ohne eigenes Risiko

Wer mit solch Elan und Ehrgeiz an das Fotografieren herangeht, verspürt eines Tages den Drang seine Werke zu zeigen. Die Online-Plattform Instagram ist da das beste Beispiel. Emser entschied sich dagegen und machte, nebst dem Kalender, Postkarten und Büchlein mit Landschaftsaufnahmen und ein passendes Gedicht dazu. Wie die Bilder schreibe sie auch die Gedichte selbst, so Emser. Die Sachen bleiben aber vorläufig noch im Kreis der Familie. Der Kalender hingegen ist bei der Buchhandlung Bodan in Kreuzlingen erhältlich und wird vom deutschen Selbstverlag Calvendo Verlag GmbH publiziert. «Ich kenne keinen Schweizer Selbstverlag, deshalb habe ich mich für diesen entschieden», sagt Emser. Bei einem Selbstverlag muss der Autor keine Vorleistung erbringen, daher entsteht für ihn kein finanzielles Risiko. Dafür muss er alles selbst hochladen, beschriften und das Impressum schreiben. Der Kreuzlinger Kalender ist nicht der erste, den Emser veröffentlichte. Seit zwei Jahren gibt es einen aus den Urlaubsbildern der Kreuzlingerin. Der habe in den Jahren ein Ertrag von 100 Franken abgeworfen. Aber ihr gehe es so oder so nicht ums Geld. «Es ist ein schöner Gedanke zu wissen, dass mein Kalender irgendwo eine Küche oder ein Wohnzimmer schmückt und meine Bilder nicht im Computer versauern», sagt Emser und freut sich.

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