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Kinder von «Engelis» beschenkt

Kreuzlingen – Geschenke machen die Runde und auf dem Tisch steht der Festschmaus. Für finanziell schwache Familien ist die Weihnachtszeit besonders hart. Um bei deren Kindern ein Lachen ins Gesicht zu zaubern, gründete Andrea Thösen «Engeli gesucht» und sorgt so für Geschenke unter dem Weihnachtsbaum.

Andrea Thösen. Bilder: zvg

Andrea Thösen. Bilder: zvg

«Lieber Samichlaus ich wünsche mir das neue Star-Wars-Lego-Set.» So ungefähr heisst es in den Wunschbriefen der Kinder, diese erfüllen dann meist die Eltern. Aber was, wenn es das Bankkonto nicht erlaubt? Für Kinder aus solchen Familien gründete Andrea Thösen «Engeli gesucht». Bei ihr landen die Wünsche und sie sucht über die Facebook-Seite «Engeli gesucht» ein «Engeli», das den Wunsch erfüllt. Dieses Jahr erhielt die 52-Jährige 116 Wünsche. «Es gibt mehr potenzielle ‹Engeli›, die sich melden, um einen Wunsch zu erfüllen, als es Wünsche gibt», sagt Thösen erfreut. Manche seien sogar enttäuscht, wenn sie keinen erfüllen können. Inspiration für diese Idee hatte sie durch eine ähnliche Aktion aus Wien im Jahr 2013. Auch Thösen sei in sehr bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen.

Finanzielle Verhältnisse werden geprüft

Der Kofferraum von Andrea Thösen’s Auto steht dem Schlitten des Weihnachtsmannes in nichts nach.

Thösen arbeitet mit dem Asylzentrum und den Sozialämtern Kemmental, Kreuzlingen, Tägerwilen, Münsterlingen und Hauptwil zusammen. Die Arche Kreuzlingen wäre auch dabei, aber dieses Jahr habe sie zu wenig Personal, um den administrativen Aufwand zu bewältigen, so Thösen. Die Kinder schreiben ihren Wunsch auf, legen zur Sicherheit ein Foto dazu und geben es dem Amt ab. Das Amt leitet die Briefe an Thösen weiter, so geht sie sicher, dass die Familien wirklich finanziell schlecht dastehen. Die Kreuzlingerin fragt auch nach: «Meldet sich sonst eine Familie bei mir, versuche ich mich in Ihre Situation zu versetzen und frage nach einer Budgetaufstellung.» Ist alles geklärt, postet Thösen den Wunsch auf der Facebook-Seite, führt für sich eine Liste der Wünsche und koordiniert den Weg des Geschenks bis zum Amt. «Die Sozialbezüger müssen anonym bleiben, sonst würden die Ämter nicht mitmachen», erklärt Thösen. So landen die Geschenke der «Engeli» zuerst bei der 52-Jährigen und sie überreicht diese dem Amt. «Die Mitarbeiter des Sozialamt-Münsterlingen organisieren immer mal wieder eine Weihnachtsfeier für die Kinder. Die machen das wirklich toll», freut sich Thösen. Die meisten Beschenkten bedanken sich nicht bei den «Engeli», was schade ist. Was möglich wäre, weil manch «Engeli» seinen Absender aufs Päkli schreibt.

Manche Wünsche gehen zu weit

Jeder Wunsch wird gepostet, ausser er überschreitet die 80 Franken-Grenze oder er beinhaltet ein Haustier. «Ein Bub wünschte sich mal ein Töffli für den Schulweg oder ein Mädchen einen Hamster», sagt Thösen. Tiere sollten nicht unter den Weihnachtsbaum und der Bub könne zu Fuss zur Schule gehen, so Thösen. Da bleibt die Kreuzlingerin hart. Was ihr aber ans Herz geht, sind Wünsche für etwas zu Essen. «Eine Betreuerin aus Winterthur kam auf mich zu und erzählte mir von einer Familie bei der das Geld sehr knapp ist und sich die Kinder etwas tolles zu Essen für Weihnachten wünschen», erzählt Thösen. Da fackelte sie nicht lange und schenkte ein Einkaufsgutschein zu Weihnachten. Viele Wünsche seien bescheiden und bestünden aus Malstiften, Bücher oder etwas Warmes zum Anziehen. Kommt ein Geschenk nicht rechtzeitig an oder ging es auf dem Postweg verloren, macht sich Thösen auf die Socken. «Ich habe schon mal am 22. Dezember noch drei Geschenke besorgt», erzählt die Kreuzlingerin. Für sie spiele es keine Rolle ob sie 240 Franken für die Wünsche ausgibt oder für sich etwas kauft, Hauptsache die Wünsche gehen in Erfüllung, das sei für sie eine Herzensangelegenheit.

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