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Weniger Parkchaos in Kreuzlingen

Kreuzlingen – Um den heutigen vielfältigen Bedürfnissen gerecht zu werden und den Verkehr besser zu kanalisieren, soll ein Parkhaus mit einer Buseinstellung und einer Velostation beim Hafenbahnhof entstehen. Das Kreditbegehren über 15.6 Millionen Franken kommt am 17. Mai zur Abstimmung.

(V.l.) Leiter Tiefbau Sandro Nöthiger, Stadtrat Ernst Zülle und Stadtpräsident Thomas Niederberger. (Bild: Sandro Zoller)

«Gerade im Sommer herrscht oft ein Verkehrschaos beim Klein Venedig, das nur mit Verkehrskadetten noch zu bewältigen ist. Zudem ist es eine Sünde, dass Autos eine Seesicht haben und die Spaziergänger nicht», sagte Stadtrat Ernst Zülle. Um dieser teils problematischen Parkplatzsituation Herr zu werden und den Bedürfnissen diverser Zielgruppen nachzukommen, erwarb die Stadt Kreuzlingen im Jahr 2015 von den Schweizerischen Bundesbahnen eine schmale Parzelle zwischen Bahnareal und der Hafenstrasse. Die Lage sei ideal aufgrund der direkten Anbindung an den öffentlichen Verkehr, die Nähe zum Seeburgpark und den Schiffsanlegestellen wie auch zur Bodensee-Arena, dem Bildungscamp und der Sportanlage. Im Parkhaus sollen Fahrräder und E-Bikes, Busse sowie Autos untergebracht werden. Das 15.6 Millionen Franken Projekt kommt am 17. Mai vor das Volk. In einem weiteren Schritt kann es Grünflächen direkt am See zugutekommen.

Das Konzept «E-Type» überzeugte
Von den sieben eingereichten Projekten machte das Konzept «E-Type» des Architekturbüros Kistler Vogt Partner AG aus Biel das Rennen. Es überzeugte die Jury nicht nur preislich, sondern beinhaltete alle essenziellen Elemente und fügt sich visuell perfekt in die Umgebung ein. «Mit dem Gebäude der Velofabrik «Tour de Suisse» ist es architektonisch auf derselben Wellenlänge und findet da seinen Abschluss», sagte Zülle. Pro Tag fahren am Hafenbahnhof 15’000 Autos vorbei. Deshalb soll es auch etwas hermachen.

Vielseitiges Objekt
Der langgezogene dreigeschossige Baukörper soll einst 165 Meter lang und zwölf Meter hoch sein. Die Überlänge kommt daher, dass die Parzelle nur gerade 24 Meter in der Breite aufweist. Die andere Variante wäre ein höherer Bau gewesen. Damit die Sichtachse der denkmalgeschützten Basilika St. Ulrich in keinster Weise tangiert wird, sah man davon ab. Um dennoch eine Mindestzahl an Parkplätzen für einen wirtschaftlich funktionierenden Betrieb zu erhalten, kam nur ein langes Gebäude in Frage.

Das Erdgeschoss des Parkhauses wird unter der Woche zwischen 7 und 19 Uhr an die Pädagogische Hochschule Thurgau vermietet. In der Nacht finden da acht Stadtbusse und neun Postautos ein neues Zuhause. Die Einstellhalle beinhaltet eine Werkstatt für kleine Reparaturen, ein Waschplatz und Sozial-, Neben- und Infrastrukturräume. Die Tage der Leerfahrten zum Busdepot in Tägerwilen sind somit gezählt.

Die Velostation ist im Westen des Baus angedacht und soll Platz für bis zu 105 Fahrräder bieten. Der Raum umfasst ebenfalls Plätze für Anhänger und Liegevelos sowie Schliessfächer und Ladestationen für E-Bikes.

Die Zufahrt zum Parkhaus erfolgt von der Hafenstrasse aus. Damit die Linksabbieger keinen Stau verursachen, schreibt das kantonale Tiefbauamt eine Aufspurstrecke vor. Gemäss Schätzungen wird bei den 166 Parkplätzen eine Auslastung von 35 Prozent erwartet. Hingegen beim «Worst-Case-Szenario», mit 25 Prozent Auslastung, käme ein Fehlbetrag von knapp 160’000 Franken zustande, der mit der Spezialfinanzierung gedeckt werden soll.

«Wir legen die Hand ins Feuer, dass keine Kosten für den Steuerzahler entstehen», betonte Zülle.

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One thought on “Weniger Parkchaos in Kreuzlingen

  1. Bruno Neidhart

    „Weniger Parkchaos in Kreuzlingen“ wegen 166 Parkplätzen östlich des Hafenbahnhofs bei einer Auslastung von 25-35 % des hier zur Verfügung stehenden Parkraums? Das „Chaos“ kann bei solchen Angaben somit nicht allzu gross sein!

    Hingegen ist es richtig, dass sich die Stadt westlich vom Schifffahrts-Hafenbecken ein unrühmliches Parkplatzareal auf einem Schotter-und Sandplatz eingehandelt hat. Dieser Entwicklung wurde zu lange zugeschaut (Waren es die Einnahmen?). Und als man vor nicht allzu langer Zeit knapp davor war, auf Klein Venedig ein Parkhaus in privater Regie erstellen zu wollen, stellte man fest, dass die Aufgleisung dieses Projekts nicht so ganz „rein“ ablief. Also warf man vorsichtshalber fürs erste das Handtuch.

    Zurück zum vermeindlichen „Chaos“: Zuerst wäre aufzuschlüsseln, was für ein Parkraumbedürfnis die einzelnen Anreiner auf Klein Venedig – Hallenbetreiber, Bildungseinrichtungen, diverse Vereine, Gewerbe, Private, Stadt, Turismus, usw., – für die kommenden 10-20-30 Jahre anmelden. Dieser Schlüssel wäre entscheidend, um die Parkplatzfrage in diesem Gebiet auf Dauer sinnvoll zu regeln. Etwa: Was ist ebenerdig noch tragbar – was müsste besser in einem (nahem) Parkhaus verstaut werden? – usw.
    Was hier, in Seenähe, mit dem fliessenden und ruhende Verkehr für lange Zeit zu regel ist, kommt einem sinnvollen Projekt gleich. Wobei damit alle Verkehrsteilnehmer gemeint sind – angefangen bei den sich zu Fuss Bewegenden. Übrigens: Die Auslastung eines Parkhauses dürfte auf Klein Venedig entscheidend mehr als 25-35 % sein…..!

    Und nun kommt selbstverständlich die Frage aller Fragen (sie wurde schon so oft gestellt!): Was hat die Stadt im Gebiet Klein Venedig überhaupt vor? Wie stellt sie sich diesem gesellschaftlich sinnvoll zu nutzende Areal? Was soll z.B. auf Dauer angesiedelt bleiben – oder noch neu dazu kommen. Was soll verlagert werden – und dann, wohin? Mit diesem – und anderem – (konreten) Wissen wäre die Situation für alle Anlieger und investoren viel angenehmer.

    Bis jetzt weiss die Stadt nicht, für was sie sich entscheiden soll. Solange für Klein Venedig kein „verlässlicher Masterplan“ besteht, ist mindestens ein Bezug der Parksituation westlich des Hafens zum erwähnten 165-Meter-Riegel sinnentleert. Was „dort oben geschieht“, liegt in einer ganz anderen Dimension und Absicht und ist noch zu bschreiben.

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