/// Rubrik: Leserbriefe | Topaktuell

Kein Sonderrecht schaffen, sondern einen Sonderfall lösen

Leserbrief – Am 9. Februar stimmen wir über das Verbot der Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung ab.

Der Bundesrat und das Parlament haben der Erweiterung des Strafrechts bereits zugestimmt. Die in der Bundesverfassung festgehaltenen Grundrechte sollen künftig auch homo- und bisexuellen Menschen garantiert werden. Das neue Gesetz schafft nicht etwa ein Sonderrecht, sondern sorgt für einen bislang völlig fehlenden Schutz, schliesst eine Gesetzeslücke und löst einen störenden Sonderfall.

Niemand soll aufgrund einer nicht gewählten und unbeeinflussbaren Eigenschaft wie Ethnie oder sexuelle Orientierung benachteiligt werden. Die Tatsache, dass öffentliche Aufrufe zu Hass, Diskriminierung und Gewalt gegen Lesben, Schwule und Bisexuelle heute ungestraft bleiben, verstösst gegen die Menschenwürde der Betroffenen. Im Extremfall – und leider nicht selten in der Schweiz – gipfeln Aggressionen in tätlichen Angriffen. Damit wird das elementarste Menschenrecht der betroffenen Individuen, das Recht auf Leben, verletzt.

Neben der Prävention von Übergriffen setzt das Gesetz auch ein klares Signal von gesellschaftlichem Zusammenhalt. In einer Zeit, in der gleichgeschlechtlich liebende Menschen in ihrem Umfeld noch immer ein «Coming-out» machen müssen, ist jedes Zeichen der Akzeptanz überlebenswichtig. So kann der neue rechtliche Schutz indirekt helfen, die Betroffenen von Angst zu befreien und dazu beitragen, die mehrfach erhöhte Suizidrate bei homosexuellen Jugendlichen zu senken. Die Ausstrahlung dieser Gesetzesanpassung kann Leben retten.

Der Schutz von vulnerablen Individuen und Gruppen ist unsere gesellschaftliche Pflicht. Zusammen mit der SP Thurgau setzte ich mich für die Lebensqualität der LGBTIQA+ Community ein. Ich ermutige alle jungen Menschen in der Schweiz, ihre Identität frei zu leben. Schaffen wir die Rahmenbedingungen dafür und sagen wir Ja zu Liebe, Ja zum Schutz vor Hass.

Adrian Knecht Gemeinderat SP, Kreuzlingen

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