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Im Einklang mit der Natur

Kreuzlingen/Ribbeckshorst – Im Nordwesten Berlins betreibt Guido Leutenegger einen Landwirtschaftsbetrieb mit rund 500 Angus-Rindern. Die Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg e.V. erkor seinen Hof in Ribbeckshorst zu einem von fünf Demonstrationsbetrieben für Naturschutz.

Guido Leutenegger, Inhaber von Natur Konkret, darf in Deutschland sein umweltbewusstes landwirtschaftliches Konzept vorführen. (Bild: Sandro Zoller)

Guido Leutenegger hat sich seit Jahrzehnten der Erhaltung der Natur verschrieben – im Speziellen der Biodiversität. Ihm ist es gelungen, Rentabilität in der Fleischproduktion und Nachhaltigkeit zu einer Symbiose zu verschmelzen. Das Konzept ging auf und liess sein Unternehmen Natur Konkret zum grössten Landwirtschaftsbetrieb in der Schweiz werden. Vor bald vier Jahren expandierte Leutenegger nach Deutschland, um sein vorbildliches System weiterzutragen.

Vorreiterrolle in Sache Biodiversität
Auf der Suche nach geeignetem Grund, entdeckte Leutenegger im Internet die ausgeschriebene Landwirtschaftsfläche in Ribbeckshorst. In Kooperation mit dem Verpächter, den Berliner Stadtgütern, bewirtschaftet der Thurgauer den Betrieb mit 450 Hektaren Fläche seit Mai 2016 für die nächsten 30 Jahre. «Der Stadt Berlin muss ich für die konstruktive Zusammenarbeit ein Kränzchen winden», sagt Leutenegger.

Der Standort passt zu seinem naturnahen und artenfreundlichen Werken. Die Region ist der Kranichhotspot Europas. Auf dem Weg Richtung Süden machen da jeden Herbst um die 100’000 Kraniche einen Zwischenstopp. Das charakteristische raue Trompeten der Tiere ist noch in bis zu zwei Kilometer Entfernung zu hören. Dass Leuteneggers Landwirtschaftsbetrieb Kranichhof heisst, erklärt sich von selbst.

In Zusammenarbeit mit den Verpächtern stellte er in zwei Etappen, zwischen 2017 und 2018 auf Bio um. Als der Landwirt im letzten Jahr auf eine Ausschreibung zum Thema Naturschutz stiess, reichte er seine Bewerbung ein. Bereits vergangenen Herbst hat die Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg e.V. den Kranichhof zu einem von fünf Muster- und Demonstrationsbetrieben für Naturschutz in Brandenburg erkoren. Im Detail heisst das etwa, dass interessierte Bauern, themenspezifische Gruppen oder Vertreter aus Politik und Wirtschaft seinen Betrieb besuchen und von seinen langjährigen Erfahrungen profitieren können. «In Brandenburg kann uns eine Vorreiterrolle betreffend Biodiversität zugeschrieben werden. Dies kam uns sicher im Auswahlverfahren zugute», sagt der Landwirtschaftsbetreiber.

Welche Aufgaben auf den Hof in Ribbeckshorst zukommen, stehen noch nicht fest. Am 12. Februar findet erstmals ein Treffen zwischen der Fördergemeinschaft und den Demonstrationsbetrieben zur Ideensammlung und Planung von Veranstaltungen statt. «Ich freue mich auf die bevorstehenden Ereignisse. Unser Mitwirken bestärkt uns in unserem Tun», sagt Leutenegger strahlend. Dafür gibt es zwar keinen Preis oder Pokal, aber zumindest zur Würdigung eine Hoftafel.

In der Schweiz bereits Standard
Was in Deutschland erst in der Aufbauphase ist, setzt das Kreuzlinger Gemeinderatsmitglied in der Schweiz bereits seit Jahren um. Der betriebseigene Bestand umfasst rund 980 Hochlandrinder, die hauptsächlich im Tessin auf ehemals brachliegenden Landwirtschaftsflächen weiden. Natur Konkret hat mittlerweile 82 Partnerbetriebe, die nach den Grundsätzen seines Labels «Fairnesspass» Rinder halten. Damit die Spielregeln, wie etwa die Fütterung mit ausschliesslich Gras und Heu oder 21 Prozent Biodiversität eingehalten werden, schauen die Kontrollfirmen Qualinova und Bio Inspecta den Betrieben auf die Finger.

In Ermatingen besitzt Leutenegger ebenfalls einen Hof. Über den Thurgau sagt er: «Das Landwirtschaftsamt Thurgau liegt gemessen an seinem Einsatz für die Biodiversität über dem landesweiten Durchschnitt. Dass in der Schweiz Biodiversität mehr gefördert wird als in Deutschland könnte nach seinen Aussagen daran liegen, dass das Potenzial für Verbesserungen in der Schweiz bereits kleiner ist als im Nachbarland.

Der Betrieb in Deutschland ist basierend auf Leuteneggers aktuellen Plänen die letzte Expansion. Dennoch sei noch nichts in Stein gemeisselt. «Sag niemals nie.»

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One thought on “Im Einklang mit der Natur

  1. Bruno Neidhart

    Noch dazu: Der Begriff „Ribbeck“ bezieht sich auf die kleine Ortschaft Ribbeck in der Nähe, die literarisch mit der bekannten Ballade von Theodor Fontane – „Unterm Birnbaum“ (Herr von Ribbeck zu Ribbeck im Havelland…….) – verbunden ist. Vegangenes Jahr wurde der 200. Geburtstag des Märkischen Dichters gefeiert.

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