/// Rubrik: Kultur

Die Sternwarte ist der neue Filmstar

Kreuzlingen – Nicht nur der Blick in die Sterne kann beeindruckend sein, sondern auch der Aufbau einer der grössten Sternwarten der Welt. Die neue Show im Kreuzlinger Planetarium zeigt damit einmal nicht die «Stars und Sternchen» des Nachthimmels.

Präsident der Astronomischen Vereinigung Kreuzlingen Bruno Leitz wünscht sich mit Hilfe der ESO einmal ins Universum zu blicken.  (Bild: Andrea Vieira)

Die dicke Suppe im Thurgau macht es einem nicht leicht die Sterne zu beobachten. Auch für die Betreiber einer Sternwarte, in unseren Breitengraden, ist es nicht einfach den Durchblick zu haben. Deshalb haben sich europäische Astrologen 1952 dafür entschieden, im trockenen Chilenischen Hochgebirge das ESO (European Southern Observatory) zu bauen. Die neue Show im Bodensee Planetarium und Sternwarte zeigt den Aufbau und die Geschichte des ESO. Das ESO, zu Deutsch Europäische Südsternwarte, ist eine der technologisch modernsten, grössten und höchstgelegenten Sternwarten der Welt.

«Mein Ziel ist es, einmal die ESO zu besuchen», verrät Bruno Leitz an der Premiere der Show. Natürlich liegt die ESO nicht auf einer Touristen-Route eines Sightseeing-Busses, sondern dient immer noch als Forschungsstätte für die gelben Punkte am Nachthimmel. Durch Leitzs wirken als Präsident der Astronomischen Vereinigung Kreuzlingen stehen für ihn die Sterne aber gut: «Mit Beziehungen und Fachzeitschriften, in denen ab und an Besuchsdaten stehen, sollte mir eines Tages ein Besuch gelingen.» Die Vereinigung sorgt für die Bilder und Filme der «Stars» im Kreuzling-er Planetarium.

Je grösser das Auge, desto tiefer der Blick. (Bild: zvg)

Auf den ersten Blick zu viele Sterne

Was könnte den Besuchern gefallen, bei welchen Filmen fallen Veröffentlichungs-Kosten an, was ist gerade Aktuell und was passt in eine Sternwarte, sind die Show-Kriterien für die Astronomische Vereinigung. Sitzt man im Kreuzlinger Planetarium unter der Kuppel und sieht über sich den Film flimmern, wird es einem im ersten Moment schwindelig. Man fliegt mit der Kamera über das Chilenische Hochgebirge, dem Zuhause der ESO. Zur ESO gehören in Chile mehrere Observatorien, auch das höchstgelegene der Welt – ALMA (Atacama Large Millimeter/Submillimeter Array) genannt. Zur 5000 Meter über Meer gelegene Sternwarte, gehören 66 Antennen, die auf einer Fläche von 50 Tennisplätzen verteilt stehen. Der trockene und 400 Meter höher als der höchste Schweizer Berg, die Dufourspitze, gelegene Standort, sorgt für eine freie Sicht in die dunkelsten Tiefen des Universums. Die Astronomen freut‘s. Sie müssen aber wegen der dünnen Luft zuerst mit einer Sauerstoffmaske arbeiten. Leitz gibt zudem auch zu: «Ich wäre mit der höheren Anzahl an sichtbaren Sternen überfordert.» Wegen der höheren Luftfeuchtigkeit und der vielen Strassenlampen können auf unseren Breitengraden bei weitem nicht alle Sterne beobachtet werden. Ausserdem sieht man auf der Südhalbkugel zum Beispiel das Sternenbild Waage, aber dafür den Zwilling nicht und umgekehrt.

Gross, grösser, Teleskop

«Der Film kam von der ESO in einzelnen Bildern, die wir in sechs Stunden Arbeit zusammenfügen mussten», erklärt Leitz. In 45 Minuten zeigt der Film den Ursprung, die Idee dahinter und technische Daten der ESO. Zwischendurch lockern Bilder aus der Milchstrasse, mit rot-violetten Sternennebeln, die Fakten etwas auf.

Laut dem Film gilt in der Astroforschung: umso grösser desto besser. Denn bis 2024 soll das grösste Auge der Welt gebaut werden und ALMA übertreffen. Das Teleskop soll einen Durchmesser von 40 Metern haben und die 95 Prozent des unerforschten Universums preisgeben. «Unsere Sternwarte können wir wegen des Standortes nicht vergrössern, aber wir halten die Gerätschaften auf dem neusten Stand», sagt Leitz. Dieses Jahr gäbe es, in überschaubarer Grösse, ein neues Teleskop.

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.