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«Im Westen nichts Neues» brachte «Billionenumsätze»

Romanshorn/Kreuzlingen – Die Thurgauer Kinowelt von den Anfängen bis in die Gegenwart zeigt das Museum am Hafen in Romanshorn unter dem Titel «Die Welt im Kino – eine vergnügliche Zeitreise». Diese begann in Kreuzlingen bereits 1915.

Projektleiterin Vreni Schawalder blickte zurück in die Geschichte des Kinos im Thurgau. (Bild: Kurt Peter)

Die Ausstellung im Museum am Hafen ist unterhaltsam, faszinierend und ein wenig gruselig. Zu sehen gibt es ab 9. Februar bis 30. September sowohl historische Kurzfilme als auch Kostproben von jungen Filmtalenten. Die persönlichen Kinoerlebnisse von jungen und älteren Menschen aus dem Thurgau sind per Touch-Screen abrufbar. Das Gruselkabinett zeigt schauderliche Masken, alles Originale aus den verschiedenen Filmen des Gruselgenres. «Die Ausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt des Museums und dem Kino-Roxy», erklärte Projektleiterin Vreni Schawalder, die die Medien zu einer Präsentation einlud.

Auch der Pfarrer zensurierte
Die Ausstellung zeigt auch die spannende Entwicklung der Aufnahme- und Projektionstechnik von Beginn der «bewegten Bilder» bis heute. Die Kinowelt im Thurgau kannte zahlreiche Höhen und Tiefen. Die Ausstellung zeigt diese Entwicklungen in den grossen Thurgauer Gemeinden auf. In Kreuzlingen begann die Kino-Tradition 1915. Das «Löwen-Cinema» befand sich beim Löwenplatz. Es gab natürlich Diskussionen um den moralischen und sittlichen Wert des Filmes.

1922 erliess der Thurgauer Regierungsrat die Verordnung, dass sämtliche Filme und Reklamen vor ihrer Darstellung «in einer durch den Gemeinderat anzuordnenden Kontrolle zu prüfen sind». In Romanshorn beispielsweise kam dabei auch der Pfarrer in den «Genuss» der Zensur. Oder eine Spezialbehörde aus Vertretern der Schulbehörden und der Lehrerschaft hatte das Verbot von allen «unsittlichen, anstössigen, verrohenden oder die Religion herabwürdigenden Darstellungen» zu überwachen.

Das Kino ist zurück
Das «Cinema Löwen» wechselte 1922 an die Kirchstrasse und hiess neu «Central». Dann begann die grosse Ära der Familie Gutheinz. Bereits1925 hatte sie das Kino «Bodan» an der Hauptstrasse übernommen, 1932 wurde das «Apollo» an der Konstanzerstrasse eröffnet. Den damals erfolgreichsten Film zeigte Ende der 1930er Jahre das Kino «Bodan». Drei Wochen lang lief «Im Westen nichts Neues». Der kommerzielle Erfolg war darauf zurückzuführen, dass der Film in Deutschland nicht gezeigt werden durfte. Peter Gutheinz erinnerte sich später: «Die Bäckerei Bitsche und die Metzgerei Gross waren permanent ausverkauft. Da in Deutschland bereits Inflationsgeld in Umlauf war, wurden Millionen- und Billionenscheine zum Umwechseln in Körben zur gegenüberliegenden Volksbank gebracht».

Doch die Glanzzeiten der Kreuzlinger Kinos war in den 1970er Jahren vorbei. Das «Bodan» schloss 1971, das «Apollo» 1976. Die Konkurrenz aus Konstanz war einfach zu gross. Erst in den 1990er Jahren gab es in unregelmässigen Abständen wieder Filme zu sehen. Das Z88 startete die kleine Reihe «Freitags-Kino». Regelmässiges Kinovergnügen ist in Kreuzlingen seit 2018 zu haben. Mit der Gründung des Filmforums Kreuzlingen und Konstanz wurde das Kult-X zum regelmässigen Treffpunkt der Film- und Kinofreunde.  

Kurt Peter

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