/// Rubrik: Stadtleben

Eschen gehen zugrunde

Kreuzlingen – Unaufhörlich bringt ein Pilz die Eschen zu fall. Im Schlossbüel-tobel müssen 70 befallene Eschen aus Sicherheitsgründen gefällt werden.

Die Förster müssen die vom Pilz befallenen und morschen Eschen der Sicherheit wegen fällen. (Bild: Gerald Jarausch)

Ein Pilz treibt seit 2008 sein Unwesen in den Schweizer Wäldern. Von ihm befallen sind zwar nur die Baumart Esche, aber dafür unheilbar. Wegen des Pilzes stirbt die Esche und wird dadurch morsch. Letztes Jahr haben 800 Eschen aus dem 430 Hektar grossen Emmishofer Waldgebiet beim Schlossbüeltobel deshalb gefällt werden müssen.

Insgesamt sind 25 Prozent von einer Fläche, die fast so gross ist wie Münsterlingen, betroffen. «Da der Einsatz von Impfstoffen und Fungizid nach Waldgesetz verboten ist, gibt‘s keine andere Möglichkeit», sagt Tobias Fischer. Vom 10. bis 21. Februar müssen wieder 70 Eschen daran glauben. «Sie werden gefällt, weil sie ein Sicherheitsrisiko für den viel begangenen Wanderweg darstellen. Ausserdem besteht im Saubach die Gefahr, durch die morschen umfallenden Eschen, dass der Bach verstopft», sagt Fischer. Den halbkranken Bäumen, die nicht an einem Gehweg stehen, werde aber eine Chance gegeben, so der Revierförster. Das sogenannte Totholz biete für Vögel und Insekten ein Zuhause. Durch abgefallene Äste oder Rinde haben die Tiere besseren Zugang zum Baum. Besonders Spechte hätten das weichere Totholz lieber, um ihr Heim da raus zu schlagen.

Von der Esche zur Eiche

Müsste flächendeckend geholzt werden, würden die Eschen durch Eichen oder Buchen ersetzt. Neue Eschen würden sich höchstwahrscheinlich wieder mit dem Pilz infizieren. Wird punktuell geholzt, wie nächste Woche in Emmishofen, werden die Bäume nicht ersetzt. Die Natur könne in diesem Fall selbst für Nachwuchs sorgen.

Die gefällten Eschen kommen auf den Markt: «Obschon die Eschen vom Pilz befallen sind, gibt es keinen Wertverlust. Die gefällten kranken Eschen können zum selben Preis wie gesunde verkauft werden.» So geht ein Kubik Holz, zirka ein halber Baum, für 70 Franken über den Ladentisch. Als vergleich wäre ein Stamm, der von einem Borkenkäffer befallen ist, weniger wert. Der Käfer hinterlässt Tunnel im Stamm, der Pilz nicht. Der Verlust der Esche an sich, bleibt aber gross.

Woher kommt der Pilz

Das Eschentriebsterben, auch bekannt als Eschenwelke, ist eine schwere Baumkrankheit, die durch den aus Ostasien eingeschleppten Pilz (Hymenoscyphus fraxineus) verursacht wird. In Asien besiedelt H. fraxineus als harmloser Blattpilz die dort heimischen Eschenarten. Vermutlich wurde der Pilz mit importierten Eschenpflanzen nach Europa eingeschleppt.

Eindeutige Krankheitssymptome beobachtete man erstmals in den frühen 90er Jahren in Polen. Von dort aus breitete sich der Erreger epidemisch schnell unter der «Gemeinen Esche» aus. In der Schweiz wurde das Eschentriebsterben erstmals 2008 in den Kantonen Basel und Solothurn festgestellt.

Bis heute sind keine wirkungsvollen Massnahmen gegen das Eschentriebsterben bekannt.

Daniel Rigling, Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft

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