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Ein Thema – sechs Museen

Salenstein – Gemeinsam wollen sich die kantonalen Museen von April bis Oktober in Sonderausstellungen «Thurgauer Köpfen» widmen.

M. A. Dominik Gügel, Direktor des Napoleonmuseums. (Bild: Inka Grabowsky)

So vielfältig wie die Thurgauer Museen sind auch die Ausstellungen, die die einzelnen Institutionen zum Gesamtprogramm beitragen: Das Ittinger Museum präsentiert unter dem Titel «Ein Bankierssohn pflügt um» Leben und Werk des Agrarpioniers Victor Fehr, der 1867 die Kartause vom Kloster zum modernen Gut umwandelte. Das benachbarte Kunstmuseum schreibt unter dem Motto «Frauen erobern die Kunst» die kantonale Kunstgeschichte um. Für einmal stehen nicht die Prominenten wie Adolf Dietrich oder Carl Roesch im Mittelpunkt, sondern Künstlerinnen, die sich zwischen 1880 und 1980 einen Namen gemacht haben. Das Plakat zeigt deshalb exemplarisch das Selbstbildnis von Charlotte Kluge-Fülscher. Das Napoleonmuseum hatte es leicht bei der Themenwahl: Vor genau hundert Jahren starb Kaiserin Eugénie, die das Schlossgut Arenenberg 1906 dem Kanton schenkte. Ihr Leben wird anhand von Schätzen aus dem Bestand des Museums nacherzählt. Das historische Museum bezieht sich ausnahmsweise auf die Gegenwart. «Wenn wir einzelne Köpfe gezeigt hätten, wäre sicher viele auf uns zugekommen, denen die eine oder andere Persönlichkeit gefehlt hätte» sagt Direktorin Gabriele Keck. «Deshalb stellen wir die Frage, was macht einen Thurgauer Kopf aus?» Im alten Zeughaus in Frauenfeld kann jeder Besucher selbst herausfinden, ob er sich in den unterschiedlichen Zeiten als Thurgauer Kopf bewährt hätte. Das Museum für Archäologie erinnert an Karl Keller-Tarnuzzer, zwischen 1928 und 1963 verantwortlich für grosse Ausgrabungen im Thurgau war. «Er ist eine spannende Persönlichkeit gewesen», sagt Kurator Urs Leuzinger. «Er war nicht nur Archäologe, sondern auch Schulinspektor, Pfadfinder und Versicherungsvertreter.» Auf der anderen Hälfte der Sonderausstellungsfläche im Museumsgebäude in Frauenfeld zeigt das Naturmuseum vierzig Köpfe aller Art – vom präparierten Keiler über den Blüten- bis hin zum Bohrkopf.

«Wir wollen die Museen stärker im Bewusstsein der Bevölkerung verankern, Synergien nutzen und die kulturelle Identität der Thurgauer stärken», sagt Martha Monstein vom Kulturamt des Kantons. «Gemeinsam ist der Kampf um die Aufmerksamkeit des Publikums leichter, und seine hohen Erwartungen sind besser zu erfüllen.» Konkret bedeutet das zum Beispiel, dass die sechs Museen zusammen mehr Plakate aufstellen können als jeder für sich allein, dass eine Anzeige für alle sechs Ausstellungen wirbt, dass Kampagnen auf den Sozialen Medien gestartet werden, dass der Katalog zum Projekt in einer Tausender-Auflage gedruckt werden konnte oder dass das koordinierte Rahmenprogramm so umfangreich geworden ist, dass nun wirklich jeder etwas Spannendes findet. Eine Touristenkarte zeigt zudem, wo man Spuren Thurgauer Köpfe auch ausserhalb der sechs Museen finden kann, sei es auf Ausflugsschiffen, bei Führungen in Städten und Schlössern, auf historischen Lehrpfaden oder bei Exkursionen in Naturschutzgebiete.

Grosser Aufwand
Im August 2018 hätten die Planungen begonnen, erzählt Hannes Geisser vom Naturmuseum. «Wir kennen uns ja alle schon lange, mussten aber trotzdem zunächst die unterschiedlichen fachlichen Hintergründe und Wertvorstellungen zusammenbringen. Als wir schliesslich das Überthema Köpfe gefunden hatten, ging alles leichter.» Der Koordinierungsbedarf sei aber gewaltig gewesen. «Wir probieren das Format jetzt einmal aus. Ich bin sehr gespannt, ob tatsächlich mehr Besucher in die Museen kommen.» Archäologe Urs Leuzinger ist zuversichtlich: «Ich könnte mir vorstellen, dass sich von den Fans der Römer- oder Pfahlbau-Zeit einige auch im Kunstmuseum einfinden. Umgekehrt wird unsere Ausstellung zum ersten Kantonsarchäologen sicher vom Stammpublikum besucht, aber vielleicht auch von zehn oder zwanzig Prozent zusätzlicher Neugieriger. Und auf die freue ich mich.» Markus Landert vom Kunstmuseum spricht von einem «lustvollen Pragmatismus»: «Wir machen einen Realitäts-Check, analysieren die Ergebnisse, und dann sehen wir, wie es weitergeht.» Jedes Jahr allerdings, da sind sich alle Beteiligten jetzt schon einig, könne man ein solches Grossprojekt nicht stemmen.

Die Ausstellungen werden am 25. April mit einem Tag der offenen Tür eröffnet. Ein Gratis-Shuttle ermöglicht an diesem Tag den Besuch aller Ausstellungen in Frauenfeld, Ittingen und Salenstein. Der Event läuft bis zum 18. Oktober. Näheres unter www.museenthurgau.ch.

Inka Grabowsky

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